Ein Interview mit dem Gründer und Inhaber Christian Paris
Hallo Christian, wie kamst Du eigentlich dazu, eine Kaffeerösterei zu gründen?
Ich habe 22 Jahre im Pharma-Vertrieb gearbeitet. Dort in endlosen Meetings mit schlechtem Kaffee gesessen! Das hatte ich satt. 2017 fing ich mit einem 200g Heimröster an, das Kaffeerösten zu erkunden. Das hat sich entwickelt und im Feb. 2024 eröffnete ich meine eigene Kaffeerösterei mit einem 18kg Röster.
Wie suchst Du die Rohkaffees für Deine Rösterei aus?
Bei der Auswahl meiner Rohkaffees mache ich keine Kompromisse. Ich beziehe meine Bohnen von ausgewählten Farmen und Kooperativen weltweit. Transparenz, Fairness und Handel auf Augenhöhe stehen dabei im Vordergrund.
Worin liegt bei Dir der Unterschied zu industriell gerösteten Kaffee?
Vor allem in der Zeit, zum anderen am Rohkaffee. Die langsame Trommelröstung bei niedrigen Temperaturen braucht Zeit. In dieser Zeit bauen sich die Säuren ab. Je dunkler die Röstung, desto mehr Bitterstoffe bilden sich. Daher sind meine Bohnen nie “schwarz oder gar ölig”

Du setzt stark auf handwerkliches Können. Wo liegen für Dich die Grenzen der Technik beim Kaffeerösten?
Technik ist ein nützliches Werkzeug, aber sie kann die Erfahrung und das Gespür des Rösters nicht ersetzen. Natürlich gibt es KI oder Röstsoftware, die Röstprofile fahren können. Aber schwankende Außentemperaturen, Luftfeuchtigkeit oder Unterschiede im Rohkaffee verlangen immer nach Fingerspitzengefühl, Aufmerksamkeit und ständiges Nachschulen der Sinne des Menschen. Die Grenze der Technik liegt genau da, wo das Bauchgefühl und die echte Leidenschaft anfangen. Und das schmeckt man in der Tasse!
Das Thema „fairer Kaffee“ ist Dir wichtig, ebenso die Nachhaltigkeit. Wo liegen die größten Herausforderungen für einen kleinen Betrieb?
Kaffee ist ein wertvolles Genussmittel und keine billige Massenware. Die Kaffeebauern an der Basis müssen gerechte Preise erzielen, damit sie nachhaltig anbauen und ihre Familien ernähren können. Als kleine Rösterei punktet man mit Qualität, Massenware mit dem Preis. Zudem versuche ich, so plastikarm und ressourcenschonend wie möglich zu arbeiten – das ist aufwendiger und teurer, aber als Hobby-Imker und Naturfreund ist es für mich eine absolute Herzensangelegenheit.

Neun deiner Kaffees wurden mit Gold ausgezeichnet. Freust du dich darüber oder steigt damit auch der eigene Anspruch?
Die Goldmedaillen der Deutschen Röstergilde sind eine wunderschöne Bestätigung. Die wahre Goldmedaille für mich ist das Feedback meiner KundInnen, sprich deren Lob und Anerkennung für mein Handwerk. (Das ist wie der Applaus für den Schauspieler).
Sind die Namen deiner Sorten Hinweis oder Gag?
Was die Namen meiner Sorten, wie Wadlbeißer oder Herzibopperl angeht: Die Namen spiegeln die bayrische Lebensfreude und den Charakter der Mischungen wider. Wadlbeißer steht z.B. für einen kräftigen, zupackenden Espresso, während Herzibopperl eher sanft und lieblich schmeckt.
Wenn Du jemandem, der bisher Supermarktkaffee kennt, eine deiner Sorten schenken dürftest – welche wäre es und warum?
Ich greife zu meiner Bayrisch Crema (Filterkaffee) oder zum Oachkatzlschwoaf (Espresso/Cappuccino). Beide Sorten zeigen genau den Unterschied zum Supermarktkaffee: Sie besitzen praktisch keine störende Säure oder Bitterkeit und überzeugen sofort. Es ist ein echter Aha-Moment für Umsteiger, wenn plötzlich schwarzer Kaffee zum Genuss wird. Frei nach dem Motto: Einmal probiert, für immer verführt…

Wie kommt dein Kaffee am schnellsten zu mir nach Hause?
Der kürzeste Weg ist mein Onlineshop: www.bayrische-kaffeeroesterei.de.
Der persönliche Weg ist mein Ladengeschäft in Altmannstein, in dem ich gerne meine KundInnen berate.
Was trinkt der Kaffeeröster selbst?
Ich bin in der glücklichen Lage, täglich meine Kaffees und Espressi zu probieren und wechsle ständig sowohl Sorten, als auch Darreichung, auch zur eigenen Qualitätskontrolle sowie Empfehlungsmanagement.

