Warum nicht Ingolstadt?

Leserbrief von Claudia Woderer

Ich beschäftige mich seit einiger Zeit intensiv mit dem autonomen Fahren, weil ich überzeugt bin, dass diese Technologie gerade für Ingolstadt und unsere Region eine große Chance sein kann.

Wie konkret diese Entwicklung inzwischen ist, zeigt der Blick nach München: Dort sollen bereits 2027 erste autonome Fahrten starten. Für den Frühsommer ist der Schritt zu Level 4 geplant – also Fahrten ohne Sicherheitsfahrer.

Da stellt sich für mich eine einfache Frage: Warum nicht auch Ingolstadt?

Als Automobil- und Technologiestandort haben wir hervorragende Voraussetzungen, neue Mobilitätsformen nicht nur zu beobachten, sondern aktiv mitzugestalten. Mit Audi, der Technischen Hochschule Ingolstadt, Forschung, Start-ups und einem starken industriellen Umfeld verfügen wir über Kompetenzen, die andere Regionen erst aufbauen müssen.

Beim autonomen Fahren geht es für mich nicht um Technik um der Technik willen. Es geht um einen konkreten Nutzen für Menschen und um wirtschaftliche Chancen für unsere Region.

Ein Beispiel ist die sogenannte letzte Meile. Wer am Hauptbahnhof oder ZOB ankommt, muss häufig weiter zur Arbeit, zur Hochschule, ins Klinikum oder in einen Stadtteil. Gerade zu Randzeiten könnten autonome Fahrdienste bestehende Bus-, Bahn- und Taxiangebote sinnvoll ergänzen.

Davon könnten Schichtarbeitende, ältere Menschen, Menschen mit Behinderung, Jugendliche, Familien oder Personen ohne Führerschein profitieren. Neue Mobilitätsangebote können mehr Flexibilität, Selbstständigkeit und Teilhabe ermöglichen.

Mindestens genauso wichtig ist die wirtschaftliche Perspektive. Autonome Mobilität bedeutet weit mehr als ein Fahrzeug ohne Fahrer. Dahinter stehen Forschung und Entwicklung, künstliche Intelligenz, Software, Sensorik, Fahrzeugtechnik, Wartung, Ladeinfrastruktur, Flottenmanagement und Betrieb.

Daraus können Investitionen, neue Unternehmen und vor allem Arbeitsplätze entstehen.

Gerade mitten in der Transformation der Automobilindustrie dürfen wir nicht ausschließlich darüber diskutieren, wie wir bestehende Arbeitsplätze erhalten. Wir müssen gleichzeitig überlegen, wo die Arbeitsplätze der Zukunft entstehen können.

Ingolstadt sollte deshalb seine Stärken nutzen: Ingenieurswissen, Industrie, Forschung, Mittelstand und die Fähigkeit, neue Technologien in konkrete Anwendungen zu bringen.

Natürlich braucht autonomes Fahren klare Regeln für Sicherheit, Datenschutz und Barrierefreiheit. Es geht auch nicht darum, Busse oder Taxis zu ersetzen. Aber wir könnten heute damit beginnen, gemeinsam mit Wirtschaft und Wissenschaft mögliche Pilotprojekte und geeignete Strecken zu prüfen.

Hier richtet sich mein Appell auch an den Ingolstädter Stadtrat: Seien Sie mutig. Mut bedeutet nicht, jeder neuen Technologie unkritisch hinterherzulaufen. Mut bedeutet, Chancen frühzeitig zu erkennen, sie sorgfältig zu prüfen und dann Entscheidungen zu treffen, bevor andere Standorte Fakten schaffen.

Kommunalpolitik kann nicht jede technologische Entwicklung selbst bestimmen. Aber sie kann Rahmenbedingungen schaffen, Partner zusammenbringen, Pilotprojekte ermöglichen und klar signalisieren: Ingolstadt will bei Zukunftstechnologien mitgestalten.

Wenn München 2027 startet, sollten wir in Ingolstadt nicht erst Jahre später darüber diskutieren, ob diese Technologie vielleicht interessant sein könnte.

Unsere Region hat das Wissen, die Unternehmen und die Menschen, um bei der Mobilität der Zukunft eine wichtige Rolle einzunehmen.

Warum also nicht Ingolstadt? Und warum nicht den Mut haben, jetzt die ersten Schritte zu gehen?

Denn erfolgreiche Wirtschaftspolitik bedeutet für mich: Arbeitsplätze sichern, neue Arbeitsplätze schaffen und dafür sorgen, dass Ingolstadt auch morgen zu den stärksten Wirtschaftsregionen Bayerns gehört.

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