Der Freundeskreis Piuspark zeigt, wie aus einer Idee ein Treffpunkt für Generationen und Kulturen wächst
Der Piuspark entstand aus der Landesgartenschau 2021. Dass diese gerade an diesem Standort verwirklicht wurde, hatte einen besonderen Grund: Ziel war es, einen dauerhaften Park zu schaffen, der Natur, Freizeit und Begegnung miteinander verbindet.
Gerade für die Bewohner des dicht besiedelten Piusviertels hat diese grüne Oase eine besondere Bedeutung. Viele Menschen leben dort ohne eigenen Garten oder private Rückzugsmöglichkeiten im direkten Wohnumfeld. Der Park bietet ihnen Raum für Erholung, Begegnung und gemeinsames Erleben – ein Stück Natur mitten im Stadtteil.
Damit der Piuspark auch nach der Landesgartenschau ein lebendiger Treffpunkt bleibt, wurde der Freundeskreis Piuspark e.V. gegründet. Ziel ist es, Menschen unterschiedlicher Generationen und Nationalitäten zusammenzubringen und den Austausch im Stadtteil zu fördern.
Gemeinsam gärtnern, gemeinsam wachsen
Eines der erfolgreichsten Projekte sind die Bürgergärten. Auf rund 1.500 Quadratmetern bauen Ingolstädter eigenes Gemüse und Obst an. Dabei geht es längst nicht nur um Selbstversorgung, sondern auch um Austausch von Wissen und Erfahrungen sowie nachhaltiges Gärtnern. Mittelpunkt der Bürgergärten ist eine große Weidenlaube, auf die alle Parzellen sternförmig zulaufen. Sie dient als Treffpunkt, an dem sich die Gartenfreunde austauschen, Erfahrungen teilen und Gemeinschaft erleben
Genau dieses Miteinander war auch einer der Gründe, warum sich Klaus Iffland, der neben Ulrich Linder stellvertretender Vorsitzender des Freundeskreises ist, engagiert. Der begeisterte Hobbygärtner liebt es, mit den Händen in der Erde zu arbeiten und in seinem schönen Garten daheim zu gestalten. Aber noch schöner sei es, dieses Hobby mit anderen zu teilen. „Es macht Freude, sich auszutauschen, voneinander zu lernen und die Begeisterung für das Gärtnern gemeinsam zu erleben“, sagt Iffland. Seine Erwartungen hätten sich mehr als erfüllt. Besonders schön findet er die vielfältigen Kontakte zwischen den Menschen: „Gerade unsere türkischen und ukrainischen Mitbürger bringen viel Erfahrung im Gärtnern mit, von der die jungen deutschen Familien viel profitieren.“
Die Nachfrage nach den Bürgergärten ist inzwischen so groß, dass Interessierte auf eine Warteliste kommen. Neue Parzellen werden erst frei, wenn jemand seinen Garten wieder abgibt.
Vom Klassenzimmer in den Garten
Ein weiteres Herzensprojekt des Freundeskreises Piuspark ist die Pflanzenkinderstube mit dem angeschlossenen Naschgarten. Besonders am Herzen liegt dieses Angebot der Vorsitzenden Jutta Materna. Als Sozialpädagogin beschäftigte sie sich schon früh intensiv mit dem Thema Umweltbildung. Einer ihrer Schwerpunkte war dabei „Umwelt und Pädagogik“.
Besonders geprägt hat sie der Heinershof, ein ehemaliger Bauernhof, der heute als Schulbauernhof, Kinderhort und Umweltstation genutzt wird. Mit ihren Schülern verbrachte sie dort regelmäßig jeweils eine Woche, in der die Kinder Landwirtschaft hautnah erleben konnten: Sie säten und ernteten selbst, versorgten Tiere, verarbeiteten Lebensmittel und backten Brot.
Diese Erfahrungen wollte Jutta Materna auch im Piuspark ermöglichen. Kindern sollte wieder nähergebracht werden, wo Lebensmittel entstehen und welche heimischen Pflanzen in unserer Region wachsen. Deswegen wurden in der Pflanzenkinderstube und im Naschgarten insgesamt rund 200 Beerensträucher und 50 Obstgehölze gepflanzt.
Besonders gerne erinnert sich Materna an eine Frühjahrsaktion zurück, bei der Kinder trotz strömenden Regens mit großen Eifer mitgeholfen haben. „Man hat gesehen, wie viel Freude ihnen das gemacht hat“, erzählt sie.
Auch in ihrer langjährigen Arbeit im Bezirksausschuss Nord-West, dessen Vorsitzende sie inzwischen ist, war es ihr immer wichtig, Angebote für Kinder und Familien zu schaffen. Direkte Rückmeldungen seien zwar eher selten, doch der Erfolg des Projekts zeige sich für sie vor allem darin, wie gut die Gärten angenommen werden: Familien besuchen mit ihren Kindern den Naschgarten und die Früchte werden regelmäßig geerntet.
Genau das war und ist die Idee hinter dem Projekt – Natur erlebbar zu machen und Kindern einen direkten Zugang zu Pflanzen, Lebensmitteln und Umwelt zu ermöglichen.
Engagement trotz Rückschlägen
Ein bitterer Wermutstropfen bleibt jedoch der wiederholte Vandalismus im Piuspark. Beschädigungen machen weder vor Toiletten noch vor Bänken halt. Der Freundeskreis hat deshalb bereits Unterstützung bei der Stadt gesucht. Entmutigen lassen sich die Ehrenamtlichen davon aber nicht. Sie motivieren sich gegenseitig und wollen ihre Arbeit für den Park weiterführen.
Denn Ideen gibt es noch viele. Manche davon scheitern weniger an fehlenden finanziellen Möglichkeiten, sondern vor allem an bürokratischen Hürden. Gerade das sei bedauerlich, denn der Piuspark biete noch ein weit größeres Potenzial, sind sich Jutta Materna und Klaus Iffland einig.
Für den Freundeskreis ist der Piuspark weit mehr als eine Grünfläche: Er ist ein Lebensraum, den Bürger aktiv mitgestalten können. Das reicht von den Gemüsebeeten und der Umweltbildung über die Imkerei bis hin zu Kulturveranstaltungen, Sportangeboten und gemeinsamen Festen.
Dass all dies möglich ist, liegt an vielen engagierten Menschen, die ihre Zeit, Ideen und Energie einbringen. Zum Programm des Vereins gehören unter anderem das sehr beliebte große Sommerfest, Vorträge, Umweltaktionen, Ramadama-Aufräumaktionen, der Martins-Umzug sowie verschiedene Mitmach- und Sportangebote. Diese und weitere Aktivitäten wird es auch künftig geben.
Der Freundeskreis lädt deshalb alle Interessierten ein, sich einzubringen – mit eigenen Ideen, praktischer Unterstützung oder einfach mit Freude am gemeinsamen Gestalten.
Menschen wie Jutta Materna, Klaus Iffland, Ulrich Linder und die vielen Vereinsmitglieder (im gärtnerischen Bereich allen voran Franz Treffer) zeigen, was ehrenamtliches Engagement bewirken kann: Aus einer Idee entsteht ein Ort, an dem Menschen gemeinsam etwas schaffen. Denn der Piuspark lebt nicht allein von seinen Pflanzen und Grünflächen, sondern vor allem von den Menschen, die ihn mit Leben füllen. (HaGa)
