Andreas Amann, erster Bürgermeister von Vohburg, im Interview
Der Wechsel vom Geschäftsleiter an die Spitze der Stadtverwaltung war für Andreas Amann weniger ein Neuanfang als der nächste konsequente Schritt. Seit seiner Vereidigung am 12. Mai trägt er als Erster Bürgermeister die politische Verantwortung für Vohburg – eine Aufgabe, auf die ihn zehn Jahre als Geschäftsleiter vorbereitet haben. Der Wahlsieg bereits im ersten Wahlgang sei für ihn vor allem Bestätigung gewesen. „Er war Rückenwind für die Arbeit der vergangenen zehn Jahre.“
Der Blick auf die Stadt habe sich dadurch kaum verändert. Schon zuvor habe er das Beste für Vohburg erreichen wollen, heute treffe er die Entscheidungen selbst. Was ihm dabei helfe? „Ich begegne jedem Menschen auf Augenhöhe und bringe auch komplexe Themen schnell auf den Punkt.“
Dennoch habe ihn die politische Verantwortung überrascht. Gerade das umstrittene Wohnbauprojekt in Irsching habe gezeigt, wie schwierig es sein könne, allen Interessen gerecht zu werden. „Ich befürchte, dass es am Ende eine Lösung geben könnte, bei der es nur Verlierer gibt.“ Solche Entscheidungen gehörten zum Bürgermeisteramt – ebenso wie unangenehme Wahrheiten. „Eigentlich fast täglich.“
Klare Prioritäten setzen
Ganz oben auf seiner Agenda steht der Hochwasserschutz. Neue Pumpentechnik, der Schutz des Gewerbegebiets in Rockolding und weitere Vorsorgemaßnahmen sollen Vohburg widerstandsfähiger machen. Gleichzeitig rücken Klimaanpassung, zusätzliche Trinkwasserbrunnen, mehr Bäume und Beschattung stärker in den Fokus.
Ebenso wichtig sind für Amann die Weiterentwicklung der Innenstadt, die Zukunft des Amberger-Anwesens, eine gute hausärztliche Versorgung sowie der Glasfaserausbau und die Sanierung des Kanalnetzes. Investiert werden soll dort, wo nachhaltiger Nutzen entsteht – etwa beim Hochwasserschutz oder der Schuldachsanierung. Förderprogramme möchte Amann konsequent ausschöpfen und gleichzeitig neue Einnahmequellen erschließen, unter anderem durch erneuerbare Energien und ein neues Gewerbegebiet. Höhere Zuschüsse oder zusätzliche freiwillige Ausgaben sieht er dagegen derzeit kritisch.
Vohburg gemeinsam weiterentwickeln
Vohburg soll für Amann eine lebenswerte Stadt bleiben, die Geschichte und Zukunft verbindet. Die historische Altstadt und die Festspiele seien identitätsstiftend, gleichzeitig müsse sich die Innenstadt an veränderte Rahmenbedingungen anpassen. Mehr Aufenthaltsqualität, Begrünung und neue Nutzungen sollen diesen Wandel begleiten.
Zu seinen ersten Vorhaben gehören ein Barthelmarktbus, eine Klausurtagung mit dem Stadtrat sowie der Beitritt zur Bürgerenergiegenossenschaft Pfaffenhofen. Genauso wichtig ist ihm der direkte Austausch mit den Menschen – über Bürgerversammlungen, soziale Medien, das Mitteilungsblatt oder persönliche Gespräche bei Vereinsveranstaltungen.
Woran möchte sich Andreas Amann am Ende seiner Amtszeit messen lassen? Nicht an einzelnen Projekten, sondern daran, dass Vohburg gemeinsam mit dem Stadtrat zukunftsfähig weiterentwickelt wurde. „Mir wäre wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger sagen: Er hat sich nicht verändert.“ Ebenso wichtig seien ihm solide Finanzen und die Überzeugung, Veränderungen nicht als Risiko, sondern als Chance zu begreifen.
