Kreishandwerkerschaft bündelt Anliegen ihrer Innungen:

Informierten über die aktuelle Situation des Handwerks: (v.l.) Miguel Perez Taboada (Obermeister der Zimmerer-Innung), Thomas Göttler (stellvertretender Obermeister der Zimmer-Innung), Lukas Buchberger (stellvertretender Obermeister Innung für Sanitär-, Heizung- und Klima), Roman Neuber (stellvertretender Obermeister der Elektroinnung), Carola Greiner-Bezdeka (Vizepräsidentin der Handwerkskammer für München und Oberbayern), Martina Bier (Leiterin des Bildungszentrums Ingolstadt), Jürgen Seißler (Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Ingolstadt-Pfaffenhofen und Obermeister der Schreiner-Innung), Alexandra Blazic (Geschäftsführerin Kreishandwerkerschaft Ingolstadt-Pfaffenhofen), Joseph Huber (aus der Vorstandschaft der Metzger-Innung), Gabriele Ott (Verwaltungsangestellte bei der KHS), Quirin Witty (stellvertretender Leiter Bildungszentrum Ingolstadt) und Harald Meier (Obermeister der Friseur-Innung). Foto: Max Foerster

Nachwuchs, Bürokratieabbau, Qualifikation und faire Rahmenbedingungen im Mittelpunkt

Weniger Bürokratie, mehr Planungssicherheit, faire Wettbewerbsbedingungen und eine Stärkung der beruflichen Bildung: Die in der Kreishandwerkerschaft Ingolstadt-Pfaffenhofen organisierten Innungen sehen in mehreren Bereichen politischen Handlungsbedarf. Trotz unterschiedlicher Herausforderungen verbindet die Gewerke eine gemeinsame Botschaft: Die Betriebe brauchen mehr Zeit und Freiraum für ihre eigentlichen Aufgaben – für Kunden, Mitarbeiter, Ausbildung und Investitionen. Die zahlreichen Auflagen und Dokumentationspflichten bremsen das Handwerk zunehmend aus.

Auch die konjunkturellen Erwartungen bleiben verhalten, wie Carola Greiner-Bezdeka, Vizepräsidentin der Handwerkskammer für München und Oberbayern, deutlich machte. Umso wichtiger sei es, die Betriebe nicht durch zusätzliche Belastungen in ihrer Entwicklung zu hemmen.

Nachwuchs: Interesse am Handwerk wächst

Erfreuliche Nachrichten gibt es bei der Nachwuchsgewinnung. Joseph Huber von der Metzger-Innung Ingolstadt-Pfaffenhofen-Neuburg-Schrobenhausen zeigte sich erfreut darüber, dass es schon lange nicht mehr so viele Bewerbungen um Ausbildungsplätze gegeben habe wie in diesem Jahr. Auch die Bau-Innung Ingolstadt-Pfaffenhofen verzeichnet steigende Ausbildungszahlen: Von zwölf Auszubildenden im Jahr 2024 stieg deren Zahl über 17 im Jahr 2025 auf aktuell 18. Im Friseurhandwerk zeigt sich ebenfalls ein Aufwärtstrend bei den neuen Ausbildungsverträgen in Oberbayern.

Entscheidend sei, junge Menschen möglichst früh und authentisch über die Chancen einer dualen Ausbildung zu informieren. Greiner-Bezdeka berichtete von Auszubildenden, die selbst Schulen besuchen, dort von ihren Erfahrungen in der Lehre erzählen und für eine duale Ausbildung werben.

Die Leiterin des Bildungszentrums Ingolstadt der Handwerkskammer für München und Oberbayern, Martina Bier, informierte über unterschiedliche Aktionen, wie Schülern Handwerksberufe nähergebracht werden. Foto: Max Foerster
Die Leiterin des Bildungszentrums Ingolstadt der Handwerkskammer für München und Oberbayern, Martina Bier, informierte über unterschiedliche Aktionen, wie Schülern Handwerksberufe nähergebracht werden.

Martina Bier, Leiterin des Bildungszentrums der Handwerkskammer in Ingolstadt, verwies zudem auf Angebote wie „5 Berufe in 5 Tagen“ oder die Ferienwerkstatt. Dort können Schülerinnen und Schüler verschiedene Gewerke praktisch kennenlernen und selbst herausfinden, welcher Beruf zu ihnen passt.

Dass Berufsorientierung nicht zwangsläufig mit einem neuen Ausbildungsverhältnis enden müsse, betonte Harald Meier von der Friseur-Innung Ingolstadt-Pfaffenhofen: Auch ein Praktikum, nach dem ein Jugendlicher feststellt, dass der Beruf nicht zu ihm passt, sei ein Erfolg. Schließlich gehe es darum, eine fundierte Berufswahl zu ermöglichen.

Betriebe unterstützen ihre Auszubildenden

Die Handwerksbetriebe übernehmen dabei vielfach Verantwortung weit über die fachliche Ausbildung hinaus. Roman Neuber, stellvertretender Obermeister der Regionalen Elektro-Innung, berichtete, dass Betriebe beispielsweise Auszubildende unterstützen, die noch nicht ausreichend Deutsch sprechen. Dazu werde ihnen unter anderem der Besuch entsprechender Sprachkurse ermöglicht.

Miguel Perez Taboada, Obermeister der Zimmerer-Innung Ingolstadt-Pfaffenhofen, ergänzte, Integration funktioniere in beide Richtungen. Auch für den eigenen Betrieb könne es hilfreich sein, vorhandene Englischkenntnisse aufzufrischen, um Auszubildenden sprachlich entgegenzukommen und die Verständigung im Arbeitsalltag zu erleichtern.

Bürokratie bindet Zeit und Arbeitskraft

Große Einigkeit herrscht bei der Kritik an zunehmenden Dokumentations-, Statistik- und Nachweispflichten. Kleine und mittelständische Handwerksbetriebe verfügen meist nicht über eigene Verwaltungsabteilungen. Zusätzlicher Aufwand landet deshalb unmittelbar bei den Betriebsinhabern.

Die Metzger-Innung berichtet beispielsweise von einem Betrieb, der für 14 Statistiken ausgewählt wurde. Elektro-, Schreiner- und Zimmerer-Innung nennen ebenfalls zahlreiche Vorschriften und Dokumentationspflichten, die erhebliche Arbeitszeit binden. Die Forderung lautet daher: Vorgaben müssen einfacher, verständlicher und vor allem für kleine Betriebe praxistauglich sein.

Qualifikation und Kontrollen konsequent durchsetzen

Ein weiteres Thema ist der faire Wettbewerb zwischen qualifizierten Handwerksbetrieben und Anbietern, bei denen notwendige fachliche Voraussetzungen oder gesetzliche Vorgaben nicht eingehalten werden. Besonders die Friseur-Innung sieht hier Handlungsbedarf und fordert wirksamere Kontrollen.

Kreishandwerksmeister Jürgen Seißler sieht bei Betrieben, die ohne erforderliche Meisterqualifikation oder andere notwendige Voraussetzungen tätig sind, auch die Ordnungsämter der jeweiligen Städte und Gemeinden in der Pflicht. Wo gesetzliche Vorgaben bestehen, müsse deren Einhaltung kontrolliert und bei Verstößen eingeschritten werden.

Für das Metzgerhandwerk steht dabei insbesondere die Lebensmittelsicherheit im Mittelpunkt. Der Staat müsse konsequenter darauf achten, dass auch bei Selbstständigen die erforderlichen Qualifikationen vorhanden und sämtliche gesetzlichen Auflagen erfüllt seien. Wer als ordnungsgemäßer Handwerksbetrieb Zeit und Geld in Qualifikation, Hygiene, Ausbildung und die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen investiere, dürfe gegenüber Anbietern, die diese Vorgaben nicht erfüllen, nicht benachteiligt werden.

Handwerk frühzeitig einbinden

Auch beim Wohnungsbau und bei der Wärmewende brauchen die Betriebe Planungssicherheit. Das Bauhandwerk verweist auf rückläufige Baugenehmigungen in Ingolstadt und im Landkreis Pfaffenhofen. Hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie regulatorische Anforderungen bremsen Investitionen. Die SHK-Innung Ingolstadt-Pfaffenhofen fordert zugleich, das regionale Handwerk frühzeitig in die kommunale Wärmeplanung einzubeziehen.

Aus Sicht der Kreishandwerkerschaft zeigen die Rückmeldungen der Innungen damit vor allem eines: Das Handwerk ist bereit, Verantwortung zu übernehmen – bei Ausbildung und Integration ebenso wie bei Wohnungsbau, Wärmewende, Versorgung und regionaler Wertschöpfung.

Dafür braucht es mehr Vertrauen in die Betriebe, weniger Bürokratie, konsequente Kontrollen dort, wo gesetzliche Vorgaben nicht eingehalten werden, und verlässliche politische Rahmenbedingungen. Die Kreishandwerkerschaft Ingolstadt-Pfaffenhofen appelliert deshalb an Politik und Verwaltung, die praktische Erfahrung der Innungen frühzeitig in Entscheidungen einzubeziehen und den Betrieben wieder mehr Freiraum für das zu geben, was sie am besten können: ausbilden, arbeiten, investieren und Verantwortung für die Region übernehmen.

Das Mediengespräch zur Situation des Handwerks fand in den Räumen des Bildungszentrums Ingolstadt für München und Oberbayern statt. Foto: Max Foerster
Das Mediengespräch zur Situation des Handwerks fand in den Räumen des Bildungszentrums Ingolstadt für München und Oberbayern statt.

Titelbild:
Informierten über die aktuelle Situation des Handwerks: (v.l.) Miguel Perez Taboada (Obermeister der Zimmerer-Innung), Thomas Göttler (stellvertretender Obermeister der Zimmer-Innung), Lukas Buchberger (stellvertretender Obermeister Innung für Sanitär-, Heizung- und Klima), Roman Neuber (stellvertretender Obermeister der Elektroinnung), Carola Greiner-Bezdeka (Vizepräsidentin der Handwerkskammer für München und Oberbayern), Martina Bier (Leiterin des Bildungszentrums Ingolstadt), Jürgen Seißler (Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Ingolstadt-Pfaffenhofen und Obermeister der Schreiner-Innung), Alexandra Blazic (Geschäftsführerin Kreishandwerkerschaft Ingolstadt-Pfaffenhofen), Joseph Huber (aus der Vorstandschaft der Metzger-Innung), Gabriele Ott (Verwaltungsangestellte bei der KHS), Quirin Witty (stellvertretender Leiter Bildungszentrum Ingolstadt) und Harald Meier (Obermeister der Friseur-Innung).

Fotos: Foerster

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