Früher war anders – aber nicht weniger spannend
Als die Goethestraße zum Abenteuerplatz wurde
Kurt Langer erinnert sich an eine Zeit, in der heftige Gewitter in Ingolstadt regelmäßig für Überschwemmungen sorgten. Wo heute über fehlenden Regen gesprochen wird, standen früher nach starken Niederschlägen ganze Straßen unter Wasser.
Das historische Foto von Hans Fegert zeigt eine solche Situation im Jahr 1958: die überflutete Unterführung an der Goethestraße – die spätere Mercedes-Unterführung, heute im Bereich McDonald’s.
„Wir wohnten ab 1959 im ersten Block nach der Unterführung“, erzählt Kurt Langer. Wenn ein Gewitter aufzog, schauten die Kinder aus der Nachbarschaft gespannt nach: War die Unterführung wieder vollgelaufen?
Bei starken Regenfällen strömte das Wasser von allen Seiten hinein, die Gullys waren schnell überlastet. Für die Kinder begann dann ein kleines Abenteuer. Sie zogen ihre „Arbeitskleidung“ an – die Badehosen – und warteten auf ihren Einsatz.
Vor allem auswärtige Autofahrer, Busse oder Lastwagen unterschätzten häufig die Wassertiefe und blieben stecken. Dann waren die Kinder zur Stelle: Sie halfen den gestrandeten Menschen, Taschen, Wertgegenstände, Tiere oder andere Dinge aus den Fahrzeugen ins Trockene zu bringen.
„Natürlich gab es dafür manchmal auch ein kleines Trinkgeld“, erinnert sich Langer mit einem Augenzwinkern.
Heute sind diese Überschwemmungen vor allem eine besondere Kindheitserinnerung. Eine Zeit, in der ein starkes Gewitter nicht nur Ärger bedeutete, sondern für die Kinder aus der Nachbarschaft auch ein kleines Abenteuer war.
Foto: Hans Fegert
