Früher fuhr man an den Baggersee, breitete die Decke aus und sprang ins Wasser. Heute empfiehlt es sich, vorher erst einmal die Bedienungsanleitung zu studieren.
Rund um den Ingolstädter Baggersee ist eine regelrechte Informationslandschaft entstanden. Kaum ein paar Schritte gelaufen, folgt der nächste Hinweis, das nächste Piktogramm oder das nächste Verbot. Manchmal hat man den Eindruck, der Weg zum Wasser führt zunächst durch einen kleinen Schilderwald.
Man fragt sich unwillkürlich: Musste man das früher wirklich erklären?
Vieles galt jedenfalls als selbstverständlich. Man warf seinen Müll nicht in die Natur, stellte den Grill nicht mitten ins trockene Gras und ließ kleine Kinder am Wasser nicht unbeaufsichtigt. Dass man Rücksicht auf andere nimmt und offensichtliche Gefahren meidet, gehörte einfach dazu.


Heute wird vieles davon schriftlich festgehalten. Vermutlich nicht ohne Grund. Denn hinter den Hinweisen dürfte fast immer ein konkreter Anlass stehen. Irgendjemand hat irgendwann genau das getan, wovor heute ein Schild warnt.
Die Stadt steckt dabei in einem Dilemma. Sie muss Gefahren benennen, Besucher informieren und ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen. In einer Zeit, in der nach einem Unfall schnell gefragt wird, ob ausreichend gewarnt wurde, ist ein umfangreicher Hinweis- und Regelkatalog durchaus nachvollziehbar.
Und trotzdem bleibt eine Frage offen: Wie viele Regeln braucht der Mensch?
Werden die langen Texte überhaupt gelesen? Führt jedes neue Schild tatsächlich zu mehr Sicherheit und Rücksicht – oder wächst damit vor allem der Schilderwald?
Antworten darauf gibt es kaum.
Sicher ist nur: Rücksicht lässt sich nicht verordnen, Verantwortung nicht auf eine Informationstafel übertragen und gesunder Menschenverstand nicht per QR-Code herunterladen.
Vielleicht fehlt am Baggersee deshalb nur noch ein letzter Hinweis:
„Bitte benutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand.“
Die Ironie daran: Ausgerechnet dieses Schild würde vermutlich am häufigsten übersehen.

