Die kommunale Partnerschaft zwischen Ingolstadt und Legmoin
Wie selbstverständlich genießen wir an heißen Sommertagen eine erfrischende Dusche oder einen kalten Schluck Wasser. Der ständige Zugang zu sauberem Wasser ist für uns so sehr eine Selbstverständlichkeit, dass wir uns kaum vorstellen können, für jeden Liter Wasser weite Wege zurücklegen zu müssen.
Für viele Menschen in Legmoin ist genau das Realität. Die Region ist – wie viele ländliche Gebiete Burkina Fasos – nicht flächendeckend an eine zentrale Wasserversorgung angeschlossen. Stattdessen hängt der Zugang zu Wasser stark vom Regen ab und erfolgt überwiegend über Brunnen sowie lokale Wassersysteme.
Seit 2006 engagieren sich Ingolstadt und seine französische Partnerstadt Grasse in Legmoin, um die Lebensbedingungen der Menschen in der südwestlichen Region Burkina Fasos nachhaltig zu verbessern. Daher gehörte der Bau mehrerer Trinkwasserbrunnen 2009 zu den ersten Maßnahmen. Dadurch sollte der Zugang zu sauberem Wasser verbessert und insbesondere Frauen und Kindern der oft kilometerlange Weg zur nächsten Wasserstelle erspart werden,

Von Beginn an ging es nicht um kurzfristige Entwicklungshilfe, sondern um eine langfristige kommunale Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit bedeutet, Menschen zu befähigen, sich langfristig von externer Hilfe unabhängig zu machen. Aus diesem Gedanken entstand 2013 offiziell die kommunale Projektpartnerschaft.
Von Wasser zur Bildung
Wasser ist eine Grundvoraussetzung für das Überleben. Aber um Menschen langfristig helfen zu können, muss man ihnen die Möglichkeit der Bildung geben, denn Bildung schafft Eigenständigkeit: Menschen erwerben Wissen und Fähigkeiten, mit denen sie ihren Lebensunterhalt selbst sichern können, anstatt dauerhaft auf Hilfe von außen angewiesen zu sein. Damit schafft Bildung zugleich die Grundlage Armut nachhaltig zu bekämpfen.
Aus diesen Überlegungen heraus wurde von 2014 bis 2017 ein Jugendbildungszentrum gebaut. Ziel war es, jungen Menschen in der Region durch Bildung und berufliche Qualifizierung eine Perspektive zu eröffnen. Das Zentrum sollte nicht nur Unterricht ermöglichen, sondern ganz konkret die Chancen auf eine selbstständige wirtschaftliche Existenz verbessern. Es wurde bewusst als Grundstein für die weitere Entwicklung der Gemeinde angelegt.
Von 2018 bis 2021 entstand mit dem Frauen-Kunsthandwerkszentrum ein weiteres zentrales Bildungsprojekt. Es eröffnet Mädchen und Frauen die Möglichkeit, ein Handwerk zu erlernen, eigenes Einkommen zu erzielen und damit unabhängiger zu werden. Gerade in ländlichen Regionen Burkina Fasos sind Bildungs- und Erwerbschancen für Frauen oft stark eingeschränkt. Das Zentrum schafft daher Perspektiven – wirtschaftlich, gesellschaftlich und persönlich.
Das Ausbildungsangebot umfasst unter anderem Schneiderei, Holz- und Lederbearbeitung, Zweiradmechanik sowie Metallbearbeitung. Es richtet sich an Mädchen, Frauen und Jugendliche gleichermaßen. Übrigens: Beim Afrikafest 2025 wurden Taschen, die von Frauen in Legmoin eigens für Ingolstadt gefertigt wurden, verkauft, um eine lebendige partnerschaftliche Verbindung zu pflegen.
Bildung stärkt Frauen und Familien
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Gesundheit. Internationale Studien zeigen seit Jahrzehnten, dass die Bildung von Frauen zu den wirksamsten Faktoren für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung und zur Senkung der Kindersterblichkeit gehört. Deshalb gehören im Maison de la Formation des Femmes (MFF) auch Familienplanung, Verhütung, Schwangerschafts- und Geburtsvorsorge sowie Säuglings- und Kinderernährung zum Ausbildungsangebot. Ebenso werden Hygiene und Krankheitsprävention vermittelt. Darüber hinaus bietet das Zentrum Witwen, alleinstehenden Müttern sowie verstoßenen oder misshandelten Frauen eine neue wirtschaftliche Existenzgrundlage.
Bildung muss erreichbar sein
Gerade in ländlichen Regionen scheitert Bildung oft an den weiten Wegen zu Schulen oder Ausbildungsstätten. Bildung kann jedoch nur wirken, wenn sie auch erreichbar ist. Deshalb entstand zwischen 2023 und 2026 das Empfangs- und Unterbringungszentrum CAR (Centre d’Accueil et Réfectoire). Es ermöglicht Auszubildenden und Lehrkräften, während ihrer Ausbildung vor Ort zu wohnen und regelmäßig am Unterricht teilzunehmen. Dadurch steigen ihre Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss erheblich.
Ergänzend wurden auf den Dächern der Einrichtungen Photovoltaikanlagen installiert. Sie sichern die Stromversorgung nachhaltig und verbessern die Arbeits- und Lernbedingungen.
Inzwischen ist die kommunale Projektpartnerschaft abgeschlossen. Der ehemalige Bürgermeister Dari Somé und Aissata Sangaré vom Frauenverband Korigane waren über viele Jahre gern gesehene Gäste in Ingolstadt. Zum Abschluss der Partnerschaft kamen sie erneut nach Ingolstadt, um sich bei den Bürgern für die großartige, langjährige Unterstützung zu bedanken. Mit den Worten „Ihr werdet in unserer Gemeinde als Lebensretter gesehen“ brachten sie ihre Dankbarkeit zum Ausdruck.
Transparente Verwendung der Spendengelder
Im Kultur- und Bildungsausschuss berichteten sie über die Verwendung der bereitgestellten Mittel und dokumentierten anhand zahlreicher Fotos die Entstehung der einzelnen Projekte. Christine Diederichs ergänzte den Bericht der Gäste aus Legmoin: „Dari ist ein sehr bescheidener Mensch. Deshalb muss unbedingt erwähnt werden, dass eine externe Prüfung ergeben hat: Jeder gespendete Euro ist vollständig in die Projekte geflossen, die Mittel wurden korrekt und zweckentsprechend verwendet.“
Humanitäre Hilfe in akuter Not
Ein besonderer Dank galt den Menschen in Ingolstadt für ihre zahlreichen Spendenaktionen, ihre langjährige Unterstützung und vor allem für die große Hilfsbereitschaft im Jahr 2022. Damals geriet Legmoin in eine akute Notlage. Die Hilfe aus Ingolstadt ging deshalb erstmals über die bestehenden Entwicklungsprojekte hinaus: Die Projektpartnerschaft leistete humanitäre Soforthilfe. Dies bedeutete keine Abkehr vom Grundsatz der Hilfe zur Selbsthilfe, sondern war eine notwendige Reaktion auf die dramatische Lage vor Ort. Durch islamistischen Terror fanden rund 10.000 Binnenflüchtlinge in Legmoin Zuflucht. Zugleich führten Dürre, Ernteausfälle und stark steigende Lebensmittelpreise zu einer drohenden Hungersnot. Ingolstadt organisierte deshalb kurzfristig Lebensmittelhilfen.
Der Name Burkina Faso setzt sich aus zwei Sprachen zusammen: Burkina bedeutet „aufrichtige“, „rechtschaffene“ oder „ehrenhafte Menschen“, Faso bedeutet „Vaterland“ oder „Heimat“. Burkina Faso ist somit das „Land der rechtschaffenen Menschen“. (HaGa)

