Jugendherberge vor dem Aus: Sparen ja – doch was wird aus dem Gebäude?

Finanzausschuss empfiehlt Schließung zum Sommer 2027 – Diskussion über Einsparungen, Nachnutzung und Zukunft des historischen Gebäudes.

Der Finanzausschuss des Ingolstädter Stadtrats hat sich im Rahmen der Haushaltskonsolidierung mehrheitlich für die Schließung der städtischen Jugendherberge ausgesprochen. Nach dem Willen des Ausschusses soll der Betrieb zum 31. Juli 2027 eingestellt werden. Zwei Ausschussmitglieder stimmten gegen den Beschluss. Die endgültige Entscheidung trifft der Stadtrat.

Nach Angaben der Verwaltung sollen durch die Schließung kurz- bis mittelfristig jährlich rund 130.000 bis 140.000 Euro eingespart werden. Der größte Teil dieser Einsparungen ergibt sich allerdings erst dann, wenn die Beschäftigten auf andere Stellen innerhalb der Stadtverwaltung umgesetzt werden können.

In der Diskussion wurde jedoch deutlich, dass mit der Schließung nicht sämtliche Kosten entfallen. Kulturamtsleiter Tobias Klein stellte klar: „Wir fahren den Unterhalt nicht auf null.“ Während Ausgaben für Reinigung, Energie und den laufenden Betrieb sinken, muss die Stadt das Gebäude weiterhin unterhalten. Nach Angaben der Verwaltung belaufen sich die jährlichen Gebäudekosten derzeit auf durchschnittlich rund 104.000 Euro. Bei einem Leerstand würden sie zwar auf etwa 40.000 Euro sinken, vollständig wegfallen würden sie jedoch nicht.

Grund dafür ist unter anderem der bestehende Erbbaurechtsvertrag mit dem Freistaat Bayern. Das historische Gebäude kann deshalb nicht einfach verschlossen und sich selbst überlassen werden. Zudem besteht weiterhin die Verpflichtung, die Immobilie in einem ordnungsgemäßen Zustand zu erhalten. Mehrere Stadträte warfen deshalb die Frage auf, ob zunächst die Möglichkeiten einer Nachnutzung oder einer Rückgabe an den Freistaat geprüft werden sollten, bevor die Schließung endgültig beschlossen wird.

CSU-Stadtrat Albert Wittmann sprach sich dennoch klar für die Schließung aus. Nach seiner persönlichen Einschätzung werde die Jugendherberge in ihrer bisherigen Form nicht mehr benötigt. „Die Jugendherberge brauchen wir nicht mehr“, sagte Wittmann. Aus seiner Sicht sei die Einrichtung nicht mehr zeitgemäß. Nun müsse geprüft werden, wie das Gebäude künftig genutzt werden könne und ob Gespräche mit dem Freistaat über den bestehenden Erbbaurechtsvertrag möglich seien.

Kultur- und Bildungsreferent Marc Grandmontagne machte deutlich, dass ihm die Entscheidung alles andere als leicht falle. Es sei eine außergewöhnliche Situation, als zuständiger Referent selbst die Schließung einer Einrichtung des eigenen Referats vorzuschlagen. „Das macht keinen Spaß mehr“, sagte Grandmontagne mit Blick auf die notwendigen Sparmaßnahmen. Gleichzeitig betonte er, dass angesichts der angespannten Haushaltslage Prioritäten gesetzt werden müssten. Ziel sei es nun, eine sinnvolle Nachnutzung des Gebäudes zu finden. In Ingolstadt gebe es durchaus Bedarf an Räumen für städtische Einrichtungen und Initiativen.

Kritik kam unter anderem von Stadträtin Eva Bulling-Schröter. Sie hinterfragte die tatsächliche Höhe der Einsparungen und verwies darauf, dass trotz einer Schließung weiterhin erhebliche Kosten entstehen. Zudem erinnerte sie an die frühere Bedeutung des Gebäudes: „In dieser Jugendherberge war früher einmal ein Jugendzentrum untergebracht. Es ist schon sehr traurig, als alte Ingolstädterin zu sehen, wie systematisch das alles abgebaut wird.“

Im Verlauf der Sitzung wurde außerdem bekannt, dass Gespräche mit dem Deutschen Jugendherbergswerk über eine Übernahme oder einen Neubau bereits in der Vergangenheit geführt worden waren. Für den bestehenden Standort habe es jedoch kein Interesse gegeben.

Mit der Empfehlung des Finanzausschusses ist die Zukunft der Jugendherberge noch nicht endgültig entschieden. Klar wurde jedoch, dass sich die Diskussion längst nicht mehr nur um die Einrichtung selbst dreht. Ebenso entscheidend wird sein, welche Nutzung das historische Gebäude künftig erhält und welche finanziellen Folgen sich daraus für die Stadt ergeben.

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