Mehrere hundert Beschäftigte von Audi haben am Donnerstagmittag vor Tor 10 des Ingolstädter Stammwerks gegen die Sparpläne des Volkswagen-Konzerns demonstriert. Die kurzfristig von der IG Metall organisierte Kundgebung war Teil eines konzernweiten Protesttags. Hintergrund sind Berichte über mögliche Werksschließungen und den Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen im VW-Konzern.
„Ich bin stinksauer.“ Mit diesen Worten eröffnete Jörg Schlagbauer, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Audi AG und des Betriebsrats am Standort Ingolstadt, seine Rede. Seit Wochen herrsche unter den Beschäftigten große Verunsicherung. Gleichzeitig fehle ein offener Dialog mit den Arbeitnehmervertretern. „So geht man nicht mit Menschen um, die sich Sorgen um ihre Zukunft und ihren Arbeitsplatz machen“, sagte Schlagbauer unter dem Beifall der Teilnehmer.
Schlagbauer warnte zudem vor Angriffen auf Tarifverträge und Arbeitnehmerrechte. Tarifverträge seien „kein Kostenfaktor, sondern ein Erfolgsmodell“, das faire Löhne, gute Arbeitsbedingungen und Stabilität sichere. Ein klares Signal sendete er auch in Richtung Neckarsulm: „Das Werk Neckarsulm steht für uns nicht zur Verhandlung.“ Die Beschäftigten beider Audi-Standorte würden gemeinsam für ihre Zukunft kämpfen und sich nicht gegeneinander ausspielen lassen.


Karola Frank, Vorsitzende der IG Metall, erinnerte daran, dass zeitgleich an zahlreichen Standorten des Volkswagen-Konzerns Beschäftigte auf die Straße gingen – von Wolfsburg bis Ingolstadt. „Wir stehen zusammen. Wir stehen füreinander und wir stehen für die Zukunft unserer Arbeitsplätze“, sagte sie. Die Gewerkschafterin kritisierte die Angriffe auf Beschäftigung, soziale Errungenschaften und Mitbestimmung. Zukunft könne nur gemeinsam mit den Beschäftigten gestaltet werden – nicht gegen sie.
Auch Carlos Gil, Erster Bevollmächtigter der IG Metall, fand deutliche Worte. Er warf Politik und Arbeitgebern vor, die Beschäftigten für Probleme verantwortlich machen zu wollen, die sie nicht verursacht hätten. „Hört auf, die Beschäftigten anzugreifen, die euch seit Jahren die Gewinne erwirtschaften“, sagte Gil. Für strategische Fehlentscheidungen oder Versäumnisse bei Zukunftsthemen wie der Softwareentwicklung trügen die Arbeitnehmer keine Verantwortung. „Wir sind nicht verantwortlich für fehlende Strategie. Wir sind nicht verantwortlich für fehlende Software. Das ist euer Job.“


Sein Versprechen an die Belegschaften fiel unmissverständlich aus: „Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen.“ Die Beschäftigten seien nicht allein. „Nehmt den Kopf nach oben, macht den Rücken gerade“, rief Gil den Teilnehmern zu.
Zum Abschluss der Kundgebung machten die Redner deutlich, dass die Aktion nur der Auftakt weiterer Proteste sein solle. Mit einem gemeinsamen Gruppenfoto setzten die Teilnehmer ein Zeichen der Geschlossenheit – für ihre Kollegen, für die Öffentlichkeit und vor allem an die Adresse der Konzernspitze.
Die Botschaft lautete: Hände weg von Arbeitsplätzen, Werken und Mitbestimmung.
