Cool bleiben in öffentlich zugänglichen Räumen

Grüne Fraktion beantragt Identifizierung von mehr klimatisierten Räumen in den Sommermonaten

Die Hitze, wie wir sie in den letzten Tagen erlebt haben, wird nicht die letzte ihrer Art bleiben. Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Sommermonate in Zukunft häufiger und länger solche enormen Temperaturen bringen werden. Der Klimawandel ist in vollem Gang und wir müssen lernen, mit solchen Hitzeperioden besser und verträglicher umzugehen.
„In den Randbezirken mit den vielen Gärten und Grünflächen ist die Aufheizung zwar auch zu spüren“, sagt die Fraktionsvorsitzende Barbara Leininger. Aber insbesondere in der Innenstadt und den dicht bebauten Quartieren mit stark versiegelten Flächen und wenig Grün macht sie sich deutlich bemerkbar. „Darunter leiden dann nicht nur ältere Personen, Kleinkinder oder kranke Menschen, sondern zunehmend alle Bewohnerinnen und Bewohner.“
Um hier etwas Abhilfe zu bieten, hat die Stadt Ingolstadt in ihrem Geoportal schon öffentlich zugängliche Plätze und Räume verzeichnet, wo man eine Pause einlegen und sich eine Zeit lang aufhalten kann. Aber Räumlichkeiten mit Klimaanlage, Mobiliar und Toiletten fehlen leider bisher.

In diesem Sinn hat die Grüne Fraktion beantragt, mehr öffentlich zugängliche Räume zu identifizieren, um allen Menschen unserer Stadt – unabhängig von ihren persönlichen Verhältnissen – Schutz für die heißesten Stunden des Tages bieten zu können.

Antrag:

Öffentlich zugängliche klimatisierte, konsumfreie Räume in den Sommermonaten

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

für ältere Personen, Schwangere, Kleinkinder und Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen nimmt die Belastung durch Extremtemperaturen spürbar zu. Die jüngste Hitzewelle in der zweiten Junihälfte hat in Europa mehrere Tausend Menschen getötet. Auch in der hochverdichteten Innenstadt und in den dicht besiedelten Quartieren Ingolstadts stellen Temperaturrekorde infolge der Erderhitzung mittlerweile eine ernst zu nehmende gesundheitliche Gefahr dar.
Nahezu jedes Auto, jeder Supermarkt, jedes Geschäft hat eine Klimaanlage. Aber dort, wo die Menschen wohnen, können sie oft der Hitze nicht entkommen. Die üblichen Tipps für heiße Tage (nächtliches Lüften, das Schließen der Fenster und Rollläden tagsüber, mehr Trinken usw.) reichen nicht mehr aus, wenn die Hitze tagelang andauert, die Gebäude einmal aufgeheizt sind und die Nächte keine Abkühlung mehr bringen. Es fehlt vielen Menschen die Möglichkeit, wenigstens die heißesten Stunden des Tages in öffentlich zugänglichen klimatisierten Räumen zu verbringen und sich von der Hitzebelastung zu erholen. Die Schaffung und Bereitstellung von solchen Räumen halten wir für eine dringende Sofortmaßnahme im Sinne des aktiven Gesundheitsschutzes. 
Die Möglichkeit, die heißesten Stunden des Tages angenehm und in Gesellschaft verbringen zu können, muss allen Menschen, unabhängig von ihrem Einkommen und ihren Wohnverhältnissen, offenstehen.
Besonders in den dicht bebauten und stark versiegelten Vierteln unserer Stadt, in denen wenig Schatten spendendes Grün zur Verfügung steht, die BewohnerInnen keine Gärten haben und die Wohnungen sich stark aufheizen, sollten künftig in gut erreichbarer Nähe kühle Aufenthaltsorte zur Verfügung stehen: Die Räume sollten nicht nur angenehm klimatisiert, sondern auch bequem möbliert und auf einen Aufenthalt über mehrere Stunden hinweg ausgerichtet sein, Trinkwasser zur Verfügung haben und ohne Verzehr- oder Kaufzwang sein. Toiletten müssen selbstverständlich vorhanden sein. 
Die Kirchen im Stadtgebiet, die auch im neuen Sommerportal der Stadt (www.ingolstadt.de/sommer) als öffentlich zugängliche Rückzugsorte „Kühle Orte“ genannt werden, können bei einem Stadtbummel durchaus für eine kurze Verschnaufpause aufgesucht werden, aber Unterhaltung, Entspannung, Trinken, Möblierung, Zugang zu Wasser und Toiletten entfallen dort bekanntermaßen. Und auch Kirchen heizen sich – wenn auch langsamer – im Laufe von Hitzetagen auf.
Wir stellen daher folgenden 

Antrag:

1.       Mehr öffentliche Räume, die im Prinzip geeignet sind, an Hitzetagen als angenehme, konsumfreie Orte zu dienen, werden identifiziert und auf ihre Praxistauglichkeit hin geprüft: Klimatisierung, Öffnungszeiten in den besonders heißen Nachmittags- und frühen Abendstunden, niederschwellige Erreichbarkeit, Zugang zu Trinkwasser und bequeme Sitzgelegenheiten, Toiletten in der Nähe. 
2.       Als erster Schritt werden Räume in den Stadtteiltreffs zusätzlich als „Kühle Orte“ entwickelt und klimatechnisch nachgerüstet durch Verdunkelung, Sonnenschutzfolien und auch aktive Kühlung, also durch den Einbau von Klimaanlagen oder den Einsatz mobiler Klimageräte. In den Stadtteiltreffs gibt es bereits einladende öffentlich zugängliche Räume mit Aufenthaltsqualität und Toiletten, aber die Öffnungszeiten sollten in den Hitzeperioden angepasst bzw. in den Sommermonaten geändert werden.
3.       Auch leerstehende Läden in der Innenstadt, die möglicherweise bereits über eine Klimaanlage verfügen, könnten in den Sommermonaten in einer Zwischennutzung als Coole Zone dienen und auf diese Weise den Aufenthalt für BesucherInnen und Bewohner*innen der Innenstadt angenehmer (und gesünder) machen.

Begründung:
Der Klimawandel ist längst in vollem Gang, dringend notwendige Klimaanpassungsmaßnahmen wie die Entsiegelung und Begrünung innerstädtischer Flächen, das Pflanzen von Bäumen und die Stärkung der Blau-Grünen Infrastruktur insgesamt brauchen noch Jahre, bis sich ihre Wirkung entfaltet. So lange können die hitzegeplagten Menschen nicht warten. Hinzu kommt, dass Häufigkeit und Länge der extremen Hitze der Wissenschaft zufolge weiter zunehmen werden. Uns läuft hier die Zeit davon. Deshalb sind die beschriebenen Akutmaßnahmen unabdingbar, um unsere Bevölkerung zu schützen. 

Mit freundlichen Grüßen

Barbara Leininger (Fraktionsvorsitzende)
Dr. Christoph Spaeth (Fraktionsvorsitzender), Nathalie Argus, Petra Kleine, Agnes Krumwiede, Maria Segerer

Pressestelle Bündnis 90/Die Grünen

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