„Nähe, Wärme und ein offenes Herz“

Leiterin der Bahnhofsmission Heike Bergmann nach 14 Jahren verabschiedet

„Die Arbeit der Bahnhofsmission ist die Arbeit am und mit den Menschen, und du warst dafür das Aushängeschild.“ Mit diesen Worten hat sich der stellvertretende Leiter der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt und Sozialarbeiter, Bernhard Gruber, gestern von der langjährigen Leiterin der ökumenischen Bahnhofsmission Ingolstadt, Heike Bergmann (59), verabschiedet. Rund 50 derzeitige und ehemalige Ehrenamtliche sowie Verantwortliche der beiden Träger Caritas und Diakonie waren ins Pfarrheim St. Anton gekommen, um Bergmann für ihre Verdienste durch ihre 14-jährige Leitung der Einrichtung zu danken. Moderiert wurde die Veranstaltung von dem neuen Ehrenamtskoordinator der Bahnhofsmission, Kai Säring. 

Aufgebrochen, um etwas Sinnvolles zu tun

Die Trägervertreter Bernhard Gruber und seine Kollegin Regine Schindler, Fachdienstleiterin für Hilfe und Beratung beim Diakonischen Werk Ingolstadt, ließen Höhepunkte der Jahre, in denen Heike Bergmann „aufbrach, um etwas Sinnvolles zu tun“ – wie es Regine Schindler sagte –  in einem Bildervortrag Revue passieren: von Gottesdiensten und Konzerten am Bahnsteig über die Teilnahme der Mitarbeitenden am Ingolstädter Firmenlauf und am Flohmarkt für die Bahnhofsmission über hochrangige Besuche – wie den des Bischofs von Eichstätt – bis hin zum Café Redenszeit, des jüngsten Projektes der Einrichtung. Heike Bergmann habe sich stets durch „Nähe, Wärme und ein offenes Herz“ in der Begegnung mit Menschen, die sich zum Großteil in schwierigen Lebenslagen befanden, ausgezeichnet, sagte Hedwig Gappa-Langer. Sie war bis vor kurzem viele Jahre Referentin für die bayerischen Bahnhofsmissionen bei IN VIA Bayern.

Der stellvertretende Eichstätter Caritasdirektor Andreas Steppberger betonte, Heike Bergmann habe als erste hauptamtliche Leiterin der Bahnhofsmission Ingolstadt die Einrichtung in einer Weise geprägt, die sich kaum in ein paar Worten zusammenfassen ließen. „Für Sie war das kein Job – es war eine Herzensangelegenheit.“ Ihre Arbeit sei weit über ihre Dienstzeit hinausgegangen. „Sie haben Ehrenamtliche gewonnen, eingearbeitet, begleitet und gestärkt. Sie haben Fortbildungen organisiert, Öffentlichkeitsarbeit betrieben, die Einrichtung nach außen sichtbar gemacht.“ Und die Zahlen, so Steppberger, zeigten eindrucksvoll, was daraus gewachsen ist: „Allein im vergangenen Jahr wurden über 6.150 Menschen begleitet und mehr als 13.100 Hilfen geleistet.“ Hinter diesen Zahlen stünden Schicksale: „Menschen, die oft vereinsamt sind, mit psychischen Belastungen kämpfen oder in schwierigen Lebenslagen gestrandet sind. Menschen, die jemanden brauchen, der zuhört. Genau das bietet die Bahnhofsmission – und genau das haben Sie maßgeblich mit ermöglicht“, so der stellvertretende Caritasdirektor. Als besondere Projekte, die in der Zeit von Heike Bergmann entstanden, nannte er neben dem Café Redenszeit auch die Mobilen Reisehilfen und das Engagement der Bahnhofsmission am Gleis für Geflüchtete aus der Ukraine direkt nach dem Überfall durch Russland.

Der Geschäftsführende Vorstand der Diakonie Ingolstadt, Jürgen Simon Müller, ging in seiner Ansprache näher auf die Zahl 14 in Bezug auf das Engagement der scheidenden Bahnhofsmissionsleiterin ein. „Die 1 steht für Neuanfang und die 4 für Stabilität und Ordnung“, so Müller. Als Engelszahl stehe die 14 zudem dafür, dass man seine Gedanken positiv ausrichten solle, um innere Stabilität zu finden. Durch ihre Hilfe am Bahnhof habe Heike Bergmann dazu beigetragen, dass viele bedürftige Menschen innere Stabilität gefunden hätten. Im Christentum stehe die Zahl 7 für Vollkommenheit. „14 ist also die Verdopplung der Vollkommenheit“, folgerte Müller. Und schließlich habe der Kreuzweg 14 Stationen. Die 14-jährige Arbeit von Heike Bergmann als Nothelferin für Hilfesuchende am Bahnhof könne so auch in einen Zusammenhang mit dem Leidensweg Jesu gestellt werden. „Ein herzliches Vergelt’s Gott dafür“, dankte der Diakonie-Verantwortliche der scheidenden Leiterin der Bahnhofsmission.

„Wir werden dich alle sehr vermissen“

 Bergmanns hauptamtlicher Kollege Kurt Göttling bescheinigte dieser, sie habe sich „mit viel Herz und Empathie für die Belange der Gäste“ eingesetzt und die Bahnhofsmission „zu dem gemacht, was sie ist“. Sie habe einen „durchgetakteten Terminkalender“ gehabt, aber dennoch auch spontan Zeit für ihre Mitmenschen gefunden. „Du warst das Herz unserer Bahnhofsmission: ein Ort, an dem gelacht und geweint wird. Es war mir eine Ehre, dass ich einige Jahre mit dir zusammenarbeiten durfte“, so Göttling. Einige Ehrenamtliche verabschiedeten sich mit Geschenken von Heike Bergmann. Achim Schmid sagte: „Wir werden dich alle sehr vermissen.“

Heike Bergmann selbst erklärte, die Arbeit bei der Bahnhofsmission „war ein Dreh in meinem Leben. Es fällt mir schwer zu gehen, aber es ist der richtige Zeitpunkt.“ Sie dankte allen Weggefährten für deren Unterstützung. 14 Jahre Bahnhofsmission bedeuten für sie nach eigenen Worten vor allem eines: „unzählige Begegnungen mit Menschen, die meinen Weg begleitet, bereichert und mitgetragen haben. Manche über viele Jahre hinweg, manche nur für einen Abschnitt – und doch hat jede Begegnung ihre Spuren hinterlassen. Es waren Jahre voller Gespräche, gemeinsamer Herausforderungen, herzliche Momente, wunderbare Erlebnisse, Lachen, Nachdenken und gegenseitiger Unterstützung.“

Die Veranstaltung wurde vom Trio Ascolta mit Karl-Heinz Werner an der Gitarre, Adele Schnattinger an der Geige und Flötenspielerin Ulrike Glawion musikalisch gestaltet. Nach Mitteilung von Bernhard Gruber wird am 1. September eine Nachfolgerin von Heike Bergmann ihren hauptamtlichen Dienst bei der Bahnhofsmission Ingolstadt beginnen. 

Foto:

Derzeitige und ehemalige Ehrenamtliche der Bahnhofsmission sowie Verantwortliche von Caritas und Diakonie verabschiedeten sich von Heike Bergmann (Mitte). Foto: Caritas / Peter Esser

Pressestelle Caritasverband für die
Diözese Eichstätt e.V.

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