In Ingolstadt verschwinden Mülleimer, ein handgeschriebener Brief bleibt unbeantwortet – und am Donauwurm zeigt sich: Manchmal ist ein öffentlicher Hinweis schneller als der Weg per Post.
Angefangen hat alles mit einem Reel aus Augsburg. Dort fragt sich eine Stadträtin, wo denn plötzlich all die Mülleimer hingekommen sind. Eine berechtigte Frage, die man sich inzwischen auch in Ingolstadt stellen kann. Denn auch hier wurden an manchen Stellen Mülleimer abgebaut – unter anderem, weil sie von einigen Mitbürgern allzu gerne als kostenlose Hausmülltonne genutzt wurden.
Kurz darauf landete in meinem privaten Postfach eine Nachricht. Eine Bekannte schrieb, sie habe die Stadt Ingolstadt wegen genau dieses Themas bereits kontaktiert – allerdings bis heute ohne Antwort.
Ich fragte nach, was sie denn geschrieben habe.
Die Antwort kam prompt:
„Ich habe einen Brief geschickt.“
Einen richtigen Brief.
Per Hand geschrieben.
Mit Briefmarke.
An die Stadt.
Und plötzlich ergab alles Sinn.
Denn vielleicht wurde dieser Brief gar nicht ignoriert. Vielleicht traf er im Rathaus einfach auf ein System, das auf handgeschriebene Post im Jahr 2025/26 nicht mehr vorbereitet ist. Ein Umschlag muss schließlich erst erkannt, bestaunt und vorsichtig geöffnet werden. Möglicherweise wurde er zunächst dem Stadtarchiv übergeben – als seltenes Zeugnis analoger Kommunikation.
Oder der letzte Brieföffner der Stadt wurde versehentlich zusammen mit den Mülleimern abgeschafft. Aus erzieherischen Gründen.
Die Mülleimer sind jedenfalls weg. Die Antwort offenbar auch. Vielleicht treffen sich beide irgendwann auf dem Bauhof wieder und schwelgen gemeinsam in Erinnerungen.
Satire beiseite: Es gibt durchaus Fälle, in denen es erstaunlich schnell geht. Erst am Wochenende wurde auf Facebook über verschmutzte Stege am Donauwurm diskutiert. Bereits am Montagmorgen war die Anlage wieder sauber.
Die Moral dieser kleinen Geschichte? Manchmal braucht es keinen langen Schriftverkehr. Manchmal reicht ein öffentlicher Hinweis. Und manchmal ist der schnellste Brief an die Stadt offenbar der, den man gar nicht erst einwirft.
