Menschen und Macht

Die Pitkävuori-Schanze ist eine Skisprungschanze im ehemaligen Skisprungzen- trum Pitkävuori in der mittelfinnischen Stadt Jämsä. Die 1964 erbaute Schanze liegt südlich des Stadtzentrums im Teilort Kaipola und ist seit 1995 außer Betrieb. Die Schanze wurde meist für nationale Wettbewerbe genutzt und war Drehort für zwei Werbespots des Automobilherstellers Audi. Foto: Barasoaindarra

Was Ingolstadt mit Wolfsburg und Salzburg verbindet

(hk) Es war 1986. Da fuhr ein Audi 100 CS mit Quattroantrieb in Finnland die schneebedeckte Pitkävuori-Sprungschanze im finnischen Kaipola hinauf. So demonstrierte Audi damals die technische Überlegenheit des permanenten Allradantriebs „quattro“. Audi setzte damit technische Maßstäbe. „Vorsprung durch Technik“ wurde der Werbeslogan des Ingolstädter Autobauers. Verantwortlicher Technikvorstand war Ferdinand Piech – später Chef von Audi und danach des gesamten VW-Konzerns.

War es damals offensichtlich kein Problem, die extreme Steigerung von 80 Prozent (38,6 Grad ) zu überwinden, so haben sich die Zeiten geändert. Wolfgang Porsche, Cousin des inzwischen verstorbenen Ferdinand Piech, hat offensichtlich Probleme, mit seinen Luxusschlitten die Garagenzufahrt zu seiner Villa in Salzburg zu bewältigen. Nun könnte das ein die Öffentlichkeit nicht weiter interessierendes privates Problem eines älteren Herren mit viel Geld sein. Doch Wolfgang Porsche ist einer der mächtigsten Männer im Wolfsburger VW-Konzern und von ihm hängt vieles ab, was Audi und damit Ingolstadt betrifft. Über die Holding Porsche SE hält der Familienclan Porsche-Piëch die absolute Mehrheit der Stimmrechte an der Volkswagen AG und kontrolliert so den gesamten Konzern. Wolfgang Porsche ist Aufsichtsratsmitglied der Volkswagen AG, der Audi AG und Aufsichtsratschef eben jener den VW-Konzern beherrschenden Porsche Automobil Holding SE (sowie der Porsche AG) und steuert damit maßgeblich die Geschicke des gesamten Automobilimperiums. Abbau von Arbeitsplätzen, Werksschließungen, Umstieg vom Verbrenner auf Elektrische Antriebe – ohne Porsche geht nichts. Ein Blick auf den Lebenslauf und das persönliche Umfeld dieses mächtigen Mannes lässt vielleicht Rückschlüsse auf künftige Entscheidungen zu, die für Ingolstadt erhebliche Auswirkungen haben könnten. Immerhin titelte das Manager Magazin kürzlich: „Nervös und überfordert – wie die Porsche-Familie zum Risiko für Volkswagen wird.“

Cousin Ferdinand Piech war ein versessener Techniker und brachte Audi mit seinem Engagement und technischen Ehrgeiz gewaltig nach vorn. Der 1943 in Stuttgart geborene Wolfgang Porsche ist dagegen kein studierter Ingenieur. Er besuchte in Stuttgart die Waldorfschule. Abitur machte er 1965 an der Odenwaldschule in Heppenheim und schloss gleichzeitig die Gesellenprüfung als Schlosser ab. Das war es dann aber mit der Technik. Porsche studierte Handelswissenschaften an der Hochschule für Welthandel in Wien und schloss das Studium als Diplom-Kaufmann ab. 1973 promovierte er mit einer Arbeit über die „Typologie der betriebswirtschaftlichen Konzentration Erscheinungen“. Er ist seit 2025 zum vierten Mal verheiratet. In die Schlagzeilen der Boulevard-Presse geriet er, als er 2023 die Scheidung von seiner dritten Frau Claudia Hübner einreichte. Hübner war früher Staatsrätin in Baden-Württemberg und Professorin für Zivil-und Strafrecht. Die promovierte Juristin und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes war ab 2007 mit Porsche liiert. Im Februar 2019 hatten sie geheiratet. Als Porsche die Scheidung einreichte, war sie schwer krank. Sie leidet an einer unheilbaren Erkrankung des Nervensystems. Porsche heiratete 2025 (standesamtlich) Gabriele Prinzessin zu Leiningen, mit der er seit 2022 liiert ist. Anfang Juni 2026 dann (er und sie ganz in Weiß) mit illustren Gästen die eigentliche Hochzeitsfeier auf Mallorca (mit Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche, Andreas Scheuer und dem Ehepaar Sixt). Seine jetzige Frau ist 20 Jahre jünger und kam als Gabriele Renate Homey in Frankfurt auf die Welt. Durch Adoption seitens ihres Stiefvaters Bodo Thyssen (Enkel von Joseph Thyssen) erhielt sie den Familiennamen Thyssen. Wie ihre Vorgängerin ist sie promovierte Juristin. 1991 heiratete sie Karl-Emich Prinz zu Leiningen, was dazu führte, dass ihr Ehemann durch seinen Vater vom Erbe ausgeschlossen wurde. Nach der Scheidung 1998 ehelichte sie kurz darauf Karim Aga Khan, den 49. Imam der Ismailiten und trat zum Islam über. Nach der Trennung im Jahre 2004 wurde die Ehe 2014 in Frankreich geschieden. Nach Medienberichten erhielt sie bei der Scheidung eine Abfindung in Höhe von 60 Millionen Euro. In den Jahren 2018 und 2019 zeigte sie sich offiziell an der Seite des Ingolstädters Jürgen Kellerhals (unter anderem bei den Salzburger Festspielen). Danach wandte sie sich dem intellektuell und pekuniär in einer anderen Liga spielenden Wolfgang Porsche zu. 

Das Paar lebt bis jetzt in Salzburg im „Paschinger Schlössl“. Dieses herrschaftliche Anwesen, in dem sich einst der berühmte Schriftsteller Stefan Zweig aufhielt, kaufte Wolfgang Porsche im Oktober 2020 angeblich für 8,4 Millionen Euro. 600 Quadratmeter Wohnfläche und ein Grundstück von 7.700 Quadratmetern: Da muss man zu zweit nicht beengt wohnen. Das Problem: Die Garagenzufahrt zum Anwesen ist steil und im Winter bei Glatteis gefährlich. Auch für einen Audi quattro? Porsche beabsichtigte jedenfalls (für angeblich 10 Millionen Euro) einen 500 m langen, 50 Höhenmeter überwindenden Tunnel unter dem Kapuzinerberg direkt in eine geplante unterirdische Tiefgarage der Villa zu errichten. Das bedarf nicht nur Genehmigungen baurechtlicher Art. Nein, es muss da auch im Einfahrtsbereich des Tunnels städtischer Grund in Anspruch genommen werden. Für schlappe 40.000 Euro hat der frühere Salzburger Bürgermeister Preuner (ÖVP) für Porsche eine Dienstbarkeit bestellt – ohne den Stadtrat auch nur davon zu informieren. Und während bei VW geplant wurde, in Deutschland bis 2030 bis zu 50.000 Stellen im Konzern abzubauen, um Kosten zu senken und die Rendite zu erhöhen, war für Wolfgang Porsche die neue Zufahrt zur Villa ein Thema. Anwohner und Lokalpolitiker kritisierten das Projekt als „Sonderbehandlung für Superreiche“. Die öffentliche Kritik hat Wolfgang Porsche wohl verärgert. Für knapp 13 Millionen Euro soll die Villa jetzt von einem Immobilienmakler zum Kauf angeboten werden, berichten einige Medien. 

Während Wolfgang Porsche im privaten Bereich zielstrebig und aktiv vorging, wird ihm als VW-Herrscher vom Manager-Magazin kein gutes Zeugnis ausgestellt: Porsche sei langsam zu alt, könne den Diskussionen im Aufsichtsrat nicht mehr so folgen wie früher, sollen laut MM Teilnehmer der Sitzungen berichten. Der Porsche-Clan mit Wolfgang Porsche an der Spitze wirke unentschlossen und sei unternehmerisch überfordert, das Schicksal des zweitgrößten Autokonzerns der Welt zu lenken (Manager Magazin – online-Artikel vom 18.8.2026).

Foto: Die Pitkävuori-Schanze ist eine Skisprungschanze im ehemaligen Skisprungzen-
trum Pitkävuori in der mittelfinnischen Stadt Jämsä. Die 1964 erbaute Schanze
liegt südlich des Stadtzentrums im Teilort Kaipola und ist seit 1995 außer Betrieb.
Die Schanze wurde meist für nationale Wettbewerbe genutzt und war Drehort für
zwei Werbespots des Automobilherstellers Audi. Foto: Barasoaindarra
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