Leserbrief zum Interview mit Eva Susanka (IN-direkt, Juni 2026)

Das Interview ist seitens der Antworten von Frau Susanka erhellend

1) Sie sagt, sie sei mit der Einführung des Euros nicht einverstanden gewesen, der zum Zeitpunkt ihres Parteieintritts schon viele Jahre ein Erfolgsprogramm für Europa war. Die EU ist ein erfolgreicher globaler Player. Wenn er zur Zeit nicht so gut aufgestellt ist, dann liegt das nicht am Euro, sondern an der zögerlichen Führung der EU, z.B. dem teilweise Einknicken vor dem autokratischen Machthaber in USA , den die AfD so gut findet. Dieser verursacht auch in den USA eine Schwächung der Wirtschaft, mit Ausnahme der Extrem Reichen Untenehmen. Ihre Partei betreibt auch den Austritt Deutschlands aus der EU. Wer das gut findet, sollte sich in Großbritannien umsehen, wie ,,gut“ es den Menschen dort inzwischen geht. Auch hier haben die Reichen am Brexit verdient, die Gesamtbevölkerung hat verloren.

2) Sie ist traurig, dass die Musikschule nicht unterstützt wird. Und führt demgegenüber an, dass das Umweltreferat, das sie ablehnt, sehr viel Mehrkosten verursachen würde. Die von ihr genannten Mehrkosten sind falsch, denn erstens fällt dafür ein anders Referat weg, die Finanzierung zur Referatseinrichtung bleibt aber bestehen und es handelt sich um eine Umwidmung. Man hätte Geld sparen können, wie im Leitartikel von Hrn.Käbisch in o.g. in-direkt-Ausgabe nachzulesen ist.
Sie hält dieses Referat für ,,unnötig’‘. Das ist ihre persönliche Meinung, doch mit Wissen hat das nichts zu tun. Wenn wir es in den kommenden Jahren unterlassen unsere Stadt klimaresilient aufzustellen, dann werden viele Menschen große Probleme mit der Hitze bekommen. Nur weil man die Prognosen und dringenden Empfehlungen des Weltklimarates nicht anerkennt, werden die Risiken nicht kleiner. Wer es vorzieht, sein Hab und Gut nicht zu versichern, zahlt in der Regel im Schadensfall erheblich drauf. So verhält es sich mit Einsparungen bei Maßnahmen zur Verminderung bis Abschaffung der Treibhausgase. Wir steuern auf eine Erderwärmung von über 2°C zu, was zu Dürren (fragen Sie die Bauern vor allem in der Oberpfalz und Mecklenburg-Vorpommern / Brandenburg) mit Waldbränden oder Extremregenfällen und Stürmen führen wird. Was wir ja auch schon alles erlebt haben, auch an der Donau!

Was sie außerdem außer Acht lässt, ist, dass die Investitionen in Photovoltaik auf städtischen Dächern auch zu Einsparungen im städtischen Haushalt führen kann, weil Kosten für Strom abnehmen.

3) Sie lehnt die woken Themen des Stadttheaters ab. Was bitte ist denn ,woke“? Das Stadttheater hat einen sehr guten Ruf über die Stadtgrenzen hinaus, wir haben sehr gute Schauspieler:innen, und das Stadttheater gibt Gastspiele in anderen Regionen, die dort gut angenommen werden. Wer gute Fachleute für Hochschule, Industrie, Gewerbe und Klinikum für Ingolstadt gewinnen will, muss ihnen auch ein gutes und modernes kulturelles Angebot bieten. Nur weil nicht jeder oder jede ein Stück nicht auf Anhieb gut findet oder versteht, heißt das nicht, dass die Themen nicht bedenkens- und diskussionswert sind. Und genau diese Diskussionen finden vor Anlauf der Stücke statt sowie in den Veranstaltungen mit den Schulen. Wir wollen ja nicht nur einfach konsumieren, sondern auch ein bisschen herausgefordert werden. Denkfaulheit bringt uns nicht weiter.

4) Das passt auch zu ihrer Aussage, der Weltklimarat selbst habe ja seine Szenarien revidiert. Nun, in gewisser Weise stimmt das, denn die Wissenschaft überprüft laufend ihre Aussagen und übernimmt neue Erkenntnisse. So auch hier. Was der Weltklimarat aber nicht getan hat, zu sagen, dass der Klimawandel doch kein Risiko bedeute, sondern sie haben ihre Modelle den bis zu diesem Jahr vorliegenden Daten weltweit angepasst. Also die Behauptung der AfD und ihrer diversen Medien, es gäbe also keinen Klimawandel und keine immer schlechter werdenden Bedingungen für uns weltweit, ist schlichtweg falsch. Den Kopf in den Sand zu stecken ist schon immer dumm gewesen.

5) Sie führt die Streichung des Zivildienstes als Grund fehlender Pflegefachkräfte an. Nun auch das greift extrem zu kurz. Denn Zivildienst Leistende waren nie Fachkräfte. Wir haben einen Fachkräftemangel, weil die Arbeitsbedingungen in der Pflege nicht vergleichbar gut sind mit Arbeitsbedingungen in der Industrie oder Verwaltung, oder auch nur annähernd gut bezahlt würden.

Fazit:

Frau Susanka übernimmt Verallgemeinerungen von ihrer Partei, vorbehaltlos und uninformiert, oder sie lässt bestimmte Fakten einfach unter den Tisch fallen. Wir können gespannt sein auf ihre Mitarbeit im Stadtrat.

Mit freundlichen Grüßen, Irmtraud Chladek, Ingolstadt

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