Arzneipflanzen fühlen, riechen, hören.

Blinde und Sehende erleben den Garten des Deutschen Medizinhistorischen Museums

Am Mittwoch, 17. Juni, um 15 Uhr stellt Sigrid Billig bei einer inklusiven Führung für Blinde und Sehende das neue inklusive Angebot im Duft- und Tastgarten des Deutschen Medizinhistorischen Museums vor

Die einstündige Führung richtet sich an sehende und nicht sehende Pflanzenfreunde. Die Teilnahmegebühr beträgt 5 Euro. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl wird eine vorherige Anmeldung empfohlen.

Am Ende des Arzneipflanzengartens liegt der Duft- und Tastgarten mit zwei großen Hochbeeten. Darin wachsen 46 Arzneipflanzen, die nun erstmals von Blinden selbständig besucht und mit drei Sinnen erfahren werden können! Auch Sehende profitieren von dem neuen Audioguide. Die von Apothekerin Sigrid Billig verfassten Texte erklären die Arzneipflanzen hinsichtlich ihrer Botanik, ihrer Geschichte und ihrer medizinischen Wirkung und verraten dabei so manches überraschende Detail. 

Bei der Umsetzung dieses inklusiven Projekts wurde das Team des Deutschen Medizinhistorischen Museums von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern beraten. „Ganz wichtig war es uns, die einzelnen Projektschritte auch immer wieder von Blinden gegenchecken zu lassen“, so Museumsdirektorin Professor Marion Ruisinger. „Wir waren deshalb sehr froh, dass wir die blinde Museumsberaterin Claudia Böhme aus Augsburg und Betroffene aus Ingolstadt mit an Bord hatten“. Und noch für eine weitere Unterstützung sei sie sehr dankbar: „Die Finanzierung erfolgte durch die Wessely-Stiftung. Angesichts des aktuellen Sparzwangs wäre es uns sonst nicht möglich gewesen, dieses Projekt umzusetzen“.

Den Duft- und Tastgarten gibt es seit der Landesgartenschau 1992. Auch damals waren die Schilder bereits blindengerecht in Braille beschriftet. Dennoch benötigten Blinde eine sehende Begleitperson, um sich zurechtzufinden und keinen Schaden zu nehmen. Es waren einige Schritte nötig, um blinden Menschen den selbstständigen Zugang zu den Arzneipflanzen im Duft- und Tastgarten zu ermöglichen und ihnen ein Drei-Sinne-Erlebnis zu bieten. 

Zum einen können Menschen, die erst im höheren Alter erblindet sind, oft keine Brailleschrift lesen. Deshalb tragen die neuen Schilder den Namen der Pflanze nun auch in erhabener Tastschrift. Des Weiteren war die ursprüngliche Pflanzenauswahl so angelegt, dass sich darunter auch sehr stachelige Pflanzen wie die Hundsrose befanden – keine gute Idee, hier mit tastender Hand hineinzugreifen. Auch Pflanzen, die zu allergischen oder phototoxischen Hautreaktionen führen können, waren darunter. Diese Pflanzen wurden durch solche ersetzt, die völlig gefahrlos berührt werden können. In den Ecken der Hochbeete wurden zudem Umpflanzungen nötig, damit Blinde auch an diesen Stellen Schild und Pflanze eindeutig zuordnen können.

Die neu angefertigten Pflanzenschilder wurden leicht schräg montiert. So sind sie auch vom Rollstuhl aus gut lesbar. Neben dem Pflanzennamen trägt jedes Schild eine Zahl. Wenn man diese Zahl in das Audioguide-Gerät eintippt, das an der Kasse kostenlos ausgeliehen werden kann, erhält man Erläuterungen zu der jeweiligen Pflanze.

Damit blinde Gäste den etwas versteckt gelegenen Duft- und Tastgarten selbständig aufsuchen können, liegen an der Kasse taktile Pläne bereit, die Aufschluss über die Gesamtanlage geben. Zudem erhält der Audioguide eine anschauliche Wegbeschreibung. Und falls es im Einzelfall doch zu Unsicherheiten kommen sollte? „Dann helfen unsere freundlichen Kolleginnen und Kollegen an der Kasse gerne weiter“, versichert Marion Ruisinger.

Pressestelle Stadt Ingolstadt

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