Auf dem Volksfest Ingolstadt, das vom 22. bis zum 31. Mai stattfand, gab es ein sogenanntes Ponykarussell. Mehrere Besucher wandten sich mit Beschwerden dazu an PETA. Die Tierrechtsorganisation kritisiert den rücksichtslosen Umgang mit den Pferden: Das stundenlange Im-Kreis-Laufen setzt ihnen psychisch stark zu und belastet ihre Wirbelsäule einseitig. Die Lautstärkekulisse auf solchen Veranstaltungen stresst die sensiblen Fluchttiere zusätzlich, da sie ein viel empfindlicheres Gehör als Menschen haben. PETA appellierte daher gestern in einem Schreiben an Oberbürgermeister Dr. Michael Kern sowie an die Fraktionen im Stadtrat, sich an anderen Städten ein Vorbild zu nehmen und „Ponykarussells“ nicht mehr auf städtischem Gelände zuzulassen.
„Wir hoffen, dass die Verantwortlichen in Ingolstadt ein Herz für die Ponys haben und den Missbrauch der Tiere beenden“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Ponys sind fühlende Lebewesen und keine Rondell-Maschinen, die man stundenlang im Kreis laufen lässt.“
Immer mehr Städte verbannen „Ponykarussells“. Politikerinnen und Politiker oder Veranstalter in Hamburg, München, Mannheim, Düsseldorf, Mainz, Konstanz, Duisburg, Coburg, Dachau und Zwickau haben bereits beschlossen, diese nicht mehr auf Veranstaltungen zuzulassen.
Umfrage: Klare Ablehnung in der Bevölkerung
Die Bevölkerung betrachtet „Ponykarussells“ ebenfalls kritisch: Eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2015 ergab, dass rund zwei Drittel der Deutschen den Einsatz der Ponys für diese „Karussells“ als nicht tiergerecht empfinden. Nur 13 Prozent glauben, die Ansprüche der Pferde würden ausreichend erfüllt. Während 19 Prozent aller Befragten der Ansicht sind, dass das Ponyreiten auf Jahr- und Weihnachtsmärkten weiterhin zugelassen werden sollte, ist eine deutliche Mehrheit von rund 59 Prozent für ein Verbot [1].
Experten üben deutliche Kritik an sogenannten Ponykarussells
Immer mehr Fachleute sprechen sich gegen „Ponykarussells“ aus. Amtstierärztin Dr. Sabine Beckmann vom Kreisveterinäramt Gütersloh sagte bereits 2010 in einem Interview: „Die derzeitige Praxis, die Ponys stundenlang in dieselbe Richtung trotten zu lassen, ist als absolut verhaltenswidrig einzustufen. Die Tiere leiden physisch und psychisch“ [2]. Der bekannte österreichische Tierarzt Dr. Hans Christ warnt ebenfalls vor gesundheitsschädlichen Auswirkungen: „Durch die fortgesetzte einseitige Kreisbewegung kommt es unweigerlich, ungeachtet etwaiger Erholungspausen, im Laufe der Zeit zu Schäden im Bewegungsapparat […]. Die Stereotypie des Tätigkeitsmusters und die damit verbundene Reizarmut stellt für die Tiere eine zusätzliche, psychische Belastung dar“ [3]. Auch das Positionspapier der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz ist eindeutig, insbesondere im Hinblick auf die erzieherische Wirkung sogenannter Ponykarussells: „Hervorgehoben werden muss zudem, dass den Kindern durch das stupide Im-Kreis-Laufen der Ponys ein Bild vom Pferd vermittelt wird, das aus der Sicht des ethischen Tierschutzes heute nicht mehr zeitgemäß ist“ [4].
Pferde sind Lauftiere, die in einer Herde leben möchten. Sie benötigen neben ausreichend Auslauf – vorzugsweise in einer Aktiv- oder Offenstallhaltung – auch gute Nahrung und stets frisches Wasser, Pflege und medizinische Versorgung. Sind diese essenziellen Haltungsvoraussetzungen nicht oder nur unzureichend gegeben, fristen die Tiere ein Dasein voller Leid, das auf Dauer zu lebensbedrohlichen körperlichen Beeinträchtigungen führen kann.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.
Pressestelle PETA Deutschlandn e.V.
