Das Repair-Café in der Goethestraße ist für Heinrich Zeitvogel mehr als ein Ehrenamt — es ist gelebte Nachhaltigkeit.
In der Goethestraße 127 befindet sich das Repair-Café, das großen Zuspruch erfährt: Es kommen nicht nur Menschen aus dem Konradviertel, manche nehmen auch längere Wege auf sich, in der Hoffnung, ihre defekten Geräte — vorwiegend Elektrogeräte — wieder repariert zu bekommen. Diese Hoffnung wird nur in den seltensten Fällen enttäuscht, denn in der Einrichtung der arbeit+leben gGmbH arbeitet Heinrich Zeitvogel, der die Elektrotechnik von der Pike auf gelernt hat. Nach einer Ausbildung zum Elektromechaniker studierte er Elektrotechnik in Mannheim — die perfekte Grundlage für sein heutiges ehrenamtliches Engagement im Repair-Café. Der gebürtige Baden-Württemberger kam 1973 nach seinem Studium nach Ingolstadt: Das damalige Telefunken, aus dem später Temic wurde, war sein erster Arbeitsplatz. Dort entwickelte er Elektronik für Heizungspumpen und „weiße Ware“.
Mit viel Herzblut und Know-How-für Ressourcenschonung
Für Heinrich Zeitvogel war die Verschwendung von Ressourcen schon immer ein Dorn im Auge, denn „Europa verbraucht dreimal so viele Ressourcen, wie nachwachsen oder neu entstehen können“, und dem möchte er einen kleinen Beitrag entgegenhalten. Daher sprach ihn eine Anzeige in der Lokalzeitung sofort an, in der die Initiative „Ingolstadt im Wandel – Transition Town“ehrenamtliche Helfer für ein Reparatur-Café suchte.
Die Initiative „Ingolstadt im Wandel – Transition Town“ wollte Nachhaltigkeit in der Stadt praktisch erfahrbar machen. Aus ihr gingen Projekte wie das Reparatur-Café, eine solidarische Landwirtschaft und ein Weitergabe-Laden hervor. Auch wenn sich die Initiative inzwischen aufgelöst hat, lebt ihr Grundgedanke weiter — besonders im Reparatur-Café im Bürgerhaus Neuburger Kasten, wo Ehrenamtliche defekten Dingen eine zweite Chance geben und damit ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität setzen. Heinrich Zeitvogel bewarb sich umgehend als ehrenamtlicher Helfer und reparierte dort von Anfang an Elektrogeräte. Dieses Reparatur-Café bietet seine Dienste einmal monatlich an.

Repair-Café ein Ort für Nachhaltigkeit und Integration
Als 2016 in der Goethestraße das Repair-Café als Erweiterung der Fahrradwerkstatt KonRad entstand, fand Heinrich Zeitvogel dort den passenden Rahmen für sein ehrenamtliches Engagement. Mit viel Herzblut bringt er seither seine technische Erfahrung ein, um der Wegwerfmentalität etwas entgegenzusetzen. Das Repair-Café wurde damit zum Herzstück seines Einsatzes für Nachhaltigkeit und ist montags von 9 bis 12 Uhr sowie mittwochs von 14 bis 18 Uhr geöffnet.
Der Vorteil in der Goethestraße liegt darin, dass die Geräte dort in Ruhe untersucht werden können. Das ist im Neuburger Kasten — gerade bei komplizierteren Fällen — innerhalb der drei Stunden nicht immer möglich. Zudem besteht in der Goethestraße die Möglichkeit, notwendige Ersatzteile zu bestellen und anschließend fachgerecht einzubauen. Dafür steht eine umfangreiche Ausstattung zur Verfügung: Neben Computern und gut sortierten Geräteschränken gibt es auch Messgeräte wie ein Oszilloskop sowie Trenntrafos, mit denen auch komplexere Fehler genauer untersucht und anschließend behoben werden können.
Das Repair-Café ist zugleich auch ein Ort der Integration. Derzeit engagiert sich dort ein Ukrainer, der Deutsch lernt und den Nachhaltigkeitsgedanken zuverlässig mit seinem Know-how unterstützt, vor allem im Bereich Computer.
Zuvor hatten drei türkische Mitbürger die Arbeit über längere Zeit begleitet. Einer von ihnen war in der Türkei Lehrer und fand später eine Anstellung bei Audi. Zwei junge Männer konnten durch ihr ehrenamtliches Engagement nicht nur ihre Deutschkenntnisse verbessern, sondern auch viel über Elektronik und die damit verbundenen Fertigkeiten lernen. Heinrich Zeitvogel gab sein Wissen an sie weiter, sodass beide anschließend gute Lehrstellen fanden.
Dringender Hilferuf für den Erhalt einer wichtigen Einrichtung für Mensch und Umwelt
Herr Zeitvogel fühlt sich mit seinem Engagement oft recht allein gelassen. Zwar gibt es viele, die seine Haltung teilen und Ressourcen schonen wollen, doch deutlich zu wenige, die sich auch praktisch einbringen. Er selbst investiert Woche für Woche gut 20 Stunden in die gute Sache. Neben den sieben Stunden vor Ort im Repair-Café muss noch vieles erledigt werden: etwa Ersatzteile recherchieren, bestellen oder besorgen. Es gäbe weit mehr zu tun — und dafür wären weitere ehrenamtliche Helfer dringend notwendig.
Stattdessen droht dem Repair-Café nun das Aus. Da die Stadt hoch verschuldet ist, sieht sie sich offenbar nicht mehr in der Lage, diese wichtige Einrichtung weiter zu finanzieren. Für Heinrich Zeitvogel wäre der Fortbestand des Repair-Cafés daher sein größter Wunsch. Käme eine gute Fee vorbei, würde er sich einen Sponsor wünschen, der erkennt, wie wichtig „Reparieren statt Wegwerfen“ für Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung ist — und der die Jahresmiete übernimmt.
Schon eine Unterstützung für einige Monate oder ein halbes Jahr würde helfen, in der Hoffnung, dass sich anschließend weitere Sponsoren finden. Es sind bescheidene und doch entscheidende Wünsche. Denn das Repair-Café schont nicht nur Ressourcen, sondern ist auch ein wichtiger Anlaufpunkt für Menschen, die Rat und praktische Hilfe suchen, manchmal auch ein offenes Ohr finden — und an dem zugleich wertvolle Integrationsarbeit geleistet wird. (HaGa)
