Interview mit Eva Susanka, Stadträtin der AfD in Ingolstadt
Eva Susanka ist Stadträtin der AfD in Ingolstadt. Sie wurde bei der Kommunalwahl im März erstmals in den Stadtrat gewählt. Susanka wurde in Ingolstadt geboren und ist hier aufgewachsen, hat aber auch einen Wohnsitz in Altmannstein. Ihre Mutter ist eine geborene Schieder, war die Schwester des früheren SPD-Stadtrats Georg Schieder. Der Vater stammt aus der damaligen Tschechoslowaki, aus der er nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben wurde. Das erklärt auch den Namen „Susanka.“ Dieser Name ist eigentlich eine slawische Koseform des Namens „Susanne“. In der Regel wird „Susanka“ als Vorname, ganz selten als Familienname verwendet. Letzteres ist dann der Fall, wenn es irgendwann mal eine sehr starke, dominante Frau gegeben hat, sodass deren Kinder als „Susannas Kinder“ (=Susanka) bezeichnet wurden. Zuletzt war Susanka, bevor sie sich aus Altersgründen aus dem Berufsleben verabschiedet hat, als Steuerberaterin in Ingolstadt tätig. Nach der mittleren Reife an der Gnadenthal-Realschule in Ingolstadt besuchte sie zunächst die Hotelfachschule. Anschließend war sie in dieser Branche in England, Frankreich und Österreich tätig. Da sie schon immer mit der Buchhaltung für ihre selbstständigen Eltern befasst war, entschied sie im Alter von 28 Jahren, sich in dieser Richtung weiter auszubilden. So wurde sie zunächst Steuerfachangestellte und später Steuerberaterin.
IN-direkt: Frau Susanka, als Steuerberaterin haben sie viel mit Gesetzen zu tun gehabt. Hauptsächlich mit Gesetzen unseres Staates. Manche in Ihrer Partei stehen unserem Staat kritisch gegenüber. Wie ist das bei Ihnen?
Susanka: Ich stehe auf dem Boden des Grundgesetzes. Ich liebe diesen Staat. Natürlich sehe ich auch manche Sachen kritisch. Dafür bin ich in die Politik gegangen, um einiges zu ändern.
Warum haben Sie sich der AfD angeschlossen und keiner anderen Partei?
Ich habe mich in der Vergangenheit durchaus auch für andere Parteien interessiert. Zum Beispiel hatte ich ein gewisses Interesse an der FDP. Was mich dann von dieser Partei abgehalten hat, war insbesondere die Art und Weise, wie sie aus der Koalition des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt ausgeschieden sind. Das war eine Sauerei. Die FDP ist sehr oft das Fähnlein im Wind.
Was war dann der Anlass, einer Partei beizutreten?
Das war im Jahre 2013. Letztendlich hängt es mit der Einführung des Euro zusammen. Hier war ich und bin bis heute sehr skeptisch. Mich haben damals Bernd Lucke und Frauke Petry beeindruckt. Ich war auch dabei, als am Auwaldsee in Ingolstadt eine Gründungsversammlung stattfand. (Anmerkung der Redaktion: Bernd Lucke und Frauke Petry gehören zu den Gründen der AfD, sind zwischenzeitlich aber aus der Partei ausgetreten und kritisieren diese zum Teil scharf).
Was haben Sie jetzt in der Kommunalpolitik für persönliche Ziele?
Ich bin jetzt im Ausschuss Sport und Freizeit und im Rechnungsprüfungsausschuss. Generell möchte ich sagen: Es geht mir weniger um Parteiprogramme als um den Menschen. So war ich beispielsweise dabei, als Vertreter der Musikschule erschienen. Die waren alle todtraurig, weil die Mittel gekürzt werden. Musik und auch Sport sind so wichtig für die Menschen. Ich bin übrigens auch Sportübungsleiter. Mir geht es um das Miteinander der Menschen. Das bleibt zu sehr auf der Strecke. Wahnsinnig geärgert habe ich mich darüber, dass ein neues Referat für Klima und Umwelt beschlossen wurde. Da werden geschätzt 185.000 € ausgegeben. Auf der einen Seite sollen wir sparen. Und dann werden diese Gelder für dieses unnötige Referat ausgegeben. Offensichtlich, um jemand von den Grünen zu versorgen. Das Geld hätte man lieber für KITA´s, Musikschule, Sportvereine oder für andere allgemeine notwendigen Dinge ausgeben können.
Mit der Musikschule haben Sie den Bereich Kultur angesprochen. Wie stehen Sie generell zur Kultur?
Eine „eingekaufte Kultur“ mag ich nicht. Unter „eingekaufter Kultur“, das ist mein Begriff, verstehe ich, wenn man Künstler für teures Geld einkauft und auftreten lässt und dies nur eine bestimmte Zahl von Menschen interessiert.
Wie stehen Sie zum Ensemble vom Stadttheater?
Wenn die beim Stadttheater vernünftige Themen hätten, nicht so „woke Themen“ und wenn sie klassische Sachen bringen, nicht etwa umgeschrieben auf „modern“, dann stehe ich dazu, weil Theater natürlich auch bildet.
Wo sehen Sie denn die Unterschiede zwischen der AfD und anderen Parteien wie zum Beispiel FDP, Freie Wähler und CSU?
Also die FDP und die Freien Wähler haben auch gegen dieses Klima-/Umweltreferat gestimmt. „Klima“ könnte man ja auch eigentlich streichen. Sie werden ja mitbekommen haben, dass der Weltklimarat seine bisherige Beurteilung eines künftigen Klimaszenarios als unplausibel revidiert hat.
Das muss mir entgangen sein, wo kann ich das nachlesen?
Das steht in allen Zeitungen…. also in den Zeitungen wahrscheinlich nicht. Die sind beim Weltklimarat bei der Erderwärmung ursprünglich von 4,5 Grad ausgegangen, 2,5 Grad haben wir schon.
Entschuldigen Sie, wenn ich sie unterbrechen, wo kann ich das nachlesen?
Gehen Sie auf YouTube zu Apollo-News (Anmerkung der Redaktion: gilt als rechtskonservativ bis rechts-alternativ aber nicht als gesichert rechtsextrem) oder lesen Sie bei „Tichys Einblick“ nach (Anmerkung der Redaktion: das Online-Magazin wird politisch dem rechtskonservativen bisweilen rechtspopulistischen Spektrum sowie der neoliberalen Publizistik zugeordnet).
Gibt es nach ihrer Meinung eine Klimaerwärmung?
Es gibt eine Klimaerwärmung, die uns aber nicht schadet. Und wir machen durch extreme Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung unsere ganze Wirtschaft kaputt. Da zahlen wir beispielsweise CO2-Steuer und auf diese Steuer noch mal Umsatzsteuer. Und auf der anderen Seite leidet der ganze Wirtschaftsstandort, insbesondere unsere Autoindustrie unter diesen Maßnahmen.
Ich habe den Eindruck, dass Sie wirtschaftsliberale Standpunkte vertreten. Könnten Sie nicht auch bei der FDP sein?
Ich war noch nie bei der FDP. Allerdings war ich FDP-Wählerin. Das war zu der Zeit als Hildegard Hamm-Brücher und Frank Schäffler politisch aktiv waren. Aber diese Leute wurden ja bei der FDP abgesägt.
Was gefällt Ihnen jetzt an der AfD besser als beispielsweise an der FDP oder dem Freien Wählern oder der CSU?
Bei der AfD stehen Sie zu ihren Sachen und wollen das auch durchsetzen. Gut, sie waren bisher noch nicht an der Regierung. Also wird sich das erst zeigen. Bisher war es immer so, dass die FDP immer das Fähnchen im Wind war. Als die FDP damals aus der Koalition unter Helmut Schmidt ausgetreten ist, war das eine Sauerei.
Und was ist mit den Freien Wählern und Hubert Aiwanger an der Spitze?
Das ist eine Ein-Mann-Partei, da sehe ich keine Zukunft darin. Obgleich manche Mitglieder der Freien Wähler mir menschlich durchaus nahestehen.
Gibt es denn bei den Linken, Grünen oder bei der SPD Stadtratskollegen, mit denen Sie mal ein Bier trinken könnten?
Ja, da gibt es schon welche, aber nur einzelne, die ich schon von früher kenne. Namen möchte ich aber nicht nennen. Glauben Sie mir, es gibt hier sehr viele Vorurteile gegenüber uns Stadträten von der AfD. Es gibt einige Stadtratskollegen, die schauen durch mich durch, wenn Sie mir begegnen.
Wenn wir gerade bei Vorurteilen sind: Vor ein paar Jahren war ich im Klinikum und hatte mit einem syrischen Assistenzarzt zu tun. Ich fühlte mich von ihm ausgezeichnet betreut und kann nur Bestes berichten. Wie stehen Sie zu Syrern in Deutschland?
Ich habe überhaupt nichts gegen Menschen aus anderen Staaten, die bei uns integriert sind und arbeiten. Das kenne ich schon von meinen Aufenthalten in England. Ich bin aber gegen den Mob, der unser Sozialsystem ausnutzt.
Abschließend möchte ich noch einen Grund nennen, warum ich bei der AfD gelandet bin: Angela Merkel und von zu Guttenberg haben ja wie sie wissen die Wehrpflicht ausgesetzt. Im gleichen Atemzug wurde aber auch der Zivildienst gestrichen. Es hätte mich fast zerrissen. Die Leute haben alle geschimpft und gejammert, da wir diese Zivildienstleistenden dringend gebraucht haben. Und jetzt heißt es: wir haben keine Pflegekräfte, und müssen deshalb Leute in unser Land holen.
Was möchten Sie künftig im Stadtrat bewegen?
Ich möchte mich in kommunalen Angelegenheiten einbringen, gehört werden und selbstverständlich auch mitabstimmen.(hk)
