Wenn analoge Räume verschwinden
Die Jubiläumsfeier zum 20-jährigen Bestehen der Kunst und Kultur Bastei war nicht nur ein Rückblick auf erfolgreiche Jahre kultureller Jugendarbeit, sondern zugleich ein Abend voller Sorge um die Zukunft. Denn hinter Musik, Applaus und Wiedersehensfreude stand eine ernste Botschaft: Massive Kürzungen bedrohen die Existenz des Vereins.
Der ehemalige Kulturreferent Gabriel Engert verband seine Laudatio deshalb auch mit einem Wunsch: Man möge gemeinsam noch das 40-jährige Jubiläum feiern können. Angesichts der aktuellen Entwicklung wirkte dieser Satz jedoch beinahe wie frommes Wunschdenken. Die städtischen Zuschüsse wurden bereits um 50 Prozent gekürzt, weitere Einsparungen von 25 Prozent stehen im Raum. Der Verein sieht sich in seiner Existenz bedroht. Beate Diao verglich die Situation mit einem Auto: Wenn man ihm drei Reifen wegnimmt, hilft der Hinweis auf den verbliebenen Reifen wenig – es fährt nicht mehr.



Bereits jetzt mussten die beiden Fachkräfte Ida Zimmermann und Marie Giese entlassen werden. Damit gingen nicht nur Stellen verloren, sondern auch die Angebote für Kinder können nicht mehr stattfinden: Wo früher täglich Betrieb herrschte und Kunst-, Medien- oder Musikprojekte stattfanden, ist es inzwischen deutlich ruhiger geworden.
Während der Veranstaltung flossen bei vielen immer wieder reichlich Tränen. Auch Beate Diao rang sichtlich bewegt um Fassung, als sie über die aktuelle Situation ihres Lebensprojekts sprach. Sie erinnerte an die Aufbruchsstimmung und an die Planungen für den Umzug in größere Räume am Brückenkopf. Dort sollten gemeinsam mit Schulklassen neue Angebote entstehen, teilweise in Kooperation mit der Musikschule. Auch für die Stromlos-Abteilung wäre dort erstmals ausreichend Platz vorhanden gewesen.
Dank Bundesfördermitteln konnte bereits ein Teil der neuen Ausstattung angeschafft werden, die nun originalverpackt in den Räumen am Brückenkopf steht – ebenso wie die gebrauchten Möbelstücke, die gemeinsam mit Jugendlichen abgeschliffen und neu lackiert worden waren.



Statt Aufbruchsstimmung herrscht Ernüchterung: Kunst- und Medienkurse für Kinder können derzeit nicht mehr angeboten werden, weil die dafür nötigen Fachkräfte entlassen werden mussten. Hintergrund sind die städtischen Sparmaßnahmen infolge des Einbruchs bei den Gewerbesteuereinnahmen. Gestrichen werde dabei stets zuerst bei den sogenannten freiwilligen Leistungen – also vor allem in den Bereichen Kultur, Sport und Soziales. Selbstverständlich sei man bereit, seinen Teil solidarisch beizutragen. Schwer nachvollziehbar bleibt jedoch, warum ausgerechnet bei Kindern und Jugendlichen so früh und so radikal gespart wird, dass eine über Jahre erfolgreiche Arbeit nicht mehr fortgesetzt werden kann.
Mit den Kürzungen geht weit mehr verloren als eine Kunststätte, in der Kurse, Projekte, Festivals und Konzerte stattfanden. Es verschwinden analoge Räume für junge Menschen. Je weniger solche Orte es gibt, desto stärker werden Kinder und Jugendliche in die digitale Welt gedrängt. Dort wächst das Angebot stetig – und längst schneller, als Erwachsene es kontrollieren oder begleiten können. Eine Studie der DAK-Gesundheit zeigt, dass bereits rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche soziale Medien problematisch nutzen; jeder 15. gilt demnach als suchtgefährdet oder abhängig. Bei depressiv veranlagten Jugendlichen liegt der Anteil mit 30 Prozent noch deutlich höher. Erschreckend ist, dass für manche junge Menschen ein Chatbot vertrauter sei als ein Mensch und sogar als Freund – manchmal als einziger – wahrgenommen werde. Welche Auswirkungen diese Entwicklung für die Gesellschaft haben wird, möchte man sich eigentlich gar nicht vorstellen.
Die Diskussion um die Zukunft der Kunst und Kultur Bastei reicht damit weit über die Vereinsarbeit hinaus. Sie berührt grundsätzliche Fragen: Welche Räume wollen wir Kindern und Jugendlichen geben, und wie wollen wir sie in ihrer Entwicklung wirklich unterstützen? Welche Bedeutung messen wir kultureller und sozialer Jugendarbeit bei? Und was geht verloren, wenn solche Orte verschwinden?
