Literatur, Jazz und die Frage nach der Liebe – eine inspirierende Matinee 

Am Muttertag lud das Stadttheater zu einer besonderen Lesung ein: Die Schauspielerin Viktoria Voss las aus „Lieben“, dem Buch der promovierten Politikwissenschaftlerin und Autorin Dr. Emilia Roig. Diese war im Rahmen des Fem*Festivals 2026 persönlich in Ingolstadt zu erleben gewesen. Für Voss hatte die Lesung auch eine persönliche Note: Sie hatte Roig damals nicht nur kennengelernt, sondern auch genau jenes Buch erworben und signieren lassen, aus dem sie nun las.

„Lieben“ ist ein essayistisches Sachbuch der Autorin Emilia Roig, in dem sie das westliche Verständnis von Liebe grundsätzlich hinterfragt. Sie argumentiert, dass Liebe in modernen Gesellschaften zu stark auf die romantische Paarbeziehung verengt worden sei. Begriffe wie Begehren, Nähe, Fürsorge, Eifersucht oder Abhängigkeit würden fast ausschließlich mit der Zweierbeziehung verbunden, während andere Formen von Verbundenheit – etwa Freundschaft, Gemeinschaft, Solidarität oder die Beziehung zur Natur – zunehmend an Bedeutung verlören.

Die romantische Liebe werde häufig als der Zufluchtsort vor Einsamkeit betrachtet und deshalb zum wichtigsten Projekt des Lebens erhoben. Gleichzeitig erfahre gerade die Freundschaft als eine der facettenreichsten Formen der Liebe gesellschaftlich oft zu wenig Beachtung. Roig wendet sich entschieden gegen eine Hierarchisierung der unterschiedlichen Formen von Liebe und setzt stattdessen ein erweitertes Verständnis entgegen: Liebe als Empathie, Solidarität und Verbundenheit mit anderen Menschen, aber auch mit Natur und Umwelt – denn letztlich sei alles miteinander verbunden.

Musikalisch wurde die inspirierende Lesung durch die hervorragende Darbietung von „Jazz of course“ begleitet, sodass die Besucher einmal mehr eine stimmungsvolle Matinee im Foyer des Stadttheaters erleben durften.

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