„Jugendarbeit ist kein Strohfeuer“: Ingolstadt würdigt Engagement für junge Menschen

Bei der Verleihung des Ingolstädter Jugendarbeitspreises 2026 in der Fronte 79 ist deutlich geworden, welchen Stellenwert Jugendarbeit in der Stadt hat. Vertreter aus Politik, Verwaltung, Vereinen und Jugendeinrichtungen würdigten dabei Menschen und Projekte, die sich in besonderer Weise für Kinder und Jugendliche engagieren.

Bereits zur Begrüßung machte die kommunale Jugendpflege deutlich, worum es an diesem Abend ging: um Menschen, die oft fernab der Öffentlichkeit Verantwortung übernehmen – in Jugendtreffs, Sporthallen, Kreativprojekten oder im direkten Gespräch mit jungen Menschen. Jugendarbeit schaffe Räume zum Wachsen, Mitreden und Ausprobieren und sei damit ein unverzichtbarer Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Auch Jörg Tiedt, Bereichsleiter der Sparkasse Ingolstadt-Eichstätt, hob in seinem Grußwort die Bedeutung dieses Engagements hervor. Der Jugendarbeitspreis gehöre für ihn zu den Projekten, die besonders sichtbar machten, „was gemeinschaftliches Engagement bewirken kann“. Tiedt erinnerte dabei auch an seine eigene Zeit in der Fronte 79 und betonte, wie wichtig Orte seien, an denen junge Menschen Gemeinschaft erleben könnten. Jede Minute, die in Jugendarbeit investiert werde, sei „mehr als gut investiert“.

Im Mittelpunkt des Abends stand zunächst die Kategorie „Herausragendes Projekt“. Insgesamt sechs Projekte waren nominiert – von Ernährungs- und Medienprojekten über Bildungsreisen bis hin zu generationenübergreifenden Angeboten.

Ausgezeichnet wurde schließlich das Projekt „Jugendliche treffen Politikerinnen und Politiker“ der Jugendfreizeitstätte im Piusviertel. Das Projekt bringt junge Menschen direkt mit Kommunalpolitikern ins Gespräch und setzt politische Bildung bewusst dort an, wo Jugendliche zuhause sind.

Die Jury würdigte insbesondere, dass Politik dadurch greifbar und niedrigschwellig vermittelt werde – gerade in einem Stadtteil mit vergleichsweise geringer Wahlbeteiligung. In der Laudatio hieß es, politische Prozesse wirkten auf viele Jugendliche oft kompliziert oder fern vom eigenen Alltag. Das Projekt schaffe dagegen direkte Begegnungen und Diskussionen auf Augenhöhe und zeige jungen Menschen, dass politische Beteiligung möglich und wichtig sei.

Sozialreferent Isfried Fischer griff diesen Gedanken ebenfalls auf. Demokratie brauche Begegnung und Beteiligung, sagte Fischer. Gleichzeitig verwies er darauf, wie breit Jugendarbeit in Ingolstadt inzwischen aufgestellt sei – von politischer Bildung über Kultur- und Medienarbeit bis hin zu Sport- und Gesundheitsprojekten.

Anschließend wurde die Kategorie „Einzelpersönlichkeit“ verliehen. Auch hier fiel die Entscheidung der Jury nach eigenen Angaben äußerst knapp aus.

Die Auszeichnung ging an Sabine Schäfer-Leurpendeur vom Verein „Künstler an die Schulen e.V.“. Gewürdigt wurde ihr langjähriges Engagement an der Schnittstelle von Kunst, Kreativität und Pädagogik. In der Laudatio wurde hervorgehoben, dass Schäfer-Leurpendeur Räume schaffe, in denen junge Menschen sich frei ausdrücken und ohne Angst kreativ entfalten könnten. Ihre Arbeit ermögliche Gemeinschaft, stärke Selbstvertrauen und gebe vielen Jugendlichen die Chance, ihre eigene Stimme zu finden.

In ihrer Dankesrede verwies Sabine Schäfer-Leurpendeur zugleich auf die schwierige Situation kultureller Jugendarbeit. Der Verein „Künstler an die Schulen e.V.“ sei von Einsparungen betroffen. Sie warb deshalb dafür, diese Arbeit auch künftig zu ermöglichen und kreative Angebote für junge Menschen langfristig zu sichern.

Den Schlusspunkt des Abends setzte Sebastian Schäfer, Vorsitzender des Stadtjugendrings Ingolstadt. Er machte deutlich, dass Jugendarbeit nicht kurzfristig entstehe, sondern über Jahre wachse. „Strohfeuer kann man schnell entfachen“, sagte Schäfer sinngemäß. Dauerhafte Jugendarbeit aufzubauen, brauche dagegen Zeit, Vertrauen und verlässliche Beziehungen. Bestehende Strukturen dürften deshalb nicht leichtfertig gefährdet werden. Der Abend habe eindrucksvoll gezeigt, welchen Stellenwert die Jugendarbeit in Ingolstadt habe – und wie viele engagierte Menschen sie täglich mit Leben füllen.

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