Gastkommentar von Hermann Käbisch
Stammtischmeinung in Ingolstadt ist, dass Hans Stachel (Freie Wähler) als Bürgermeister im Mai vom Stadtrat gewählt wird. Genauer gesagt: Als Dritter Bürgermeister könnte er gekürt werden, also nach Oberbürgermeister Michael Kern (CSU) und dem auch erst noch zu wählenden Zweiten Bürgermeister Franz Wöhrl (CSU). Letzterer ist populär und parteiübergreifend anerkannt und wird wohl im Stadtrat letztendlich eine Mehrheit erhalten. Auch wenn die CSU wieder einmal (wie bei Christopher Hofmann, der seine Kandidatur zurückgezogen hat) einfach davon ausgeht, dass ihr zwei der drei Bürgermeisterposten zustehen, obgleich sie zwei „Koalitionspartner“ braucht, um im Stadtrat eine Mehrheit zu erhalten.
Dass die CSU für sich zwei der drei Bürgermeisterposten beansprucht, betrachten einige als Arroganz und Selbstüberschätzung der CSU. Andere sagen: Die CSU ist sich sicher, dass ihr Kandidat für das Amt des Zweiten Bürgermeisters und auch FW-ler Hans Stachel bei der Wahl zum Dritten Bürgermeister auf die Stimmen der AfD zählen können. Diese Partei möchte sich selbst gern zum „Königsmacher“ stilisieren und werde deshalb die genannten Kandidaten unterstützen, damit sie hinterher laut sagen kann, ohne die AfD wären die nicht gewählt worden. Diese Gefahr sieht man auch in der CSU. Pro forma und wegen der „besseren Optik“ soll daher wohl neben den Freien Wählern noch eine dritte Partei (und seien es die Grünen, geködert mit einem neuen, Kosten verursachenden Umweltreferat) eingebunden werden. CSU und FW wissen dabei genau, dass zumindest Hans Stachel in anderen Parteien (selbst bei der CSU und erst recht bei Grünen oder SPD) nicht unumstritten ist und nie alle Stimmen der jeweiligen Fraktion bekäme. Eine Mehrheit für ihn ist daher eigentlich nur mit Hilfe der AfD sicher. „Die Wahl ist geheim. Niemand weiß, wer mich gewählt hat“ und „Ich kann doch nichts dafür, wenn mich auch Stadträte von der AfD wählen“ – das sind die Sprüche, die man hinterher hören wird.
Was könnte noch dazwischenkommen? Tritt der FDP-Mann Jakob Schäuble an, könnte Franz Wöhrl zumindest im ersten Wahlgang Probleme haben. Tritt Schäuble gegen Stachel an, wird es wirklich spannend. Schäuble hat auch Freunde innerhalb der CSU. Ob Stachel dann eine Mehrheit findet – das ist fraglich.
Und wenn Petra Kleine nochmal als Dritte Bürgermeisterin antritt? Sie hält sich mit Äußerungen derzeit sehr zurück. Es könnte ja zwischen CSU, Grünen und SPD zu einem Agreement kommen, Kleine für drei Jahre im Amt zu bestätigen und anschließend einen SPD-Mann zu installieren. Dann gäbe es eine zahlenmäßig relativ stabile Mehrheit mit 28 (von 50) Stadtratsmandaten (zuzüglich OB Kern) aus CSU, SPD und Grünen. Aber da müsste es auf einige in der CSU erst Hirn vom Himmel regnen. 2026 erlebte die CSU bei den Kommunalwahlen den bisher größten Machtverlust auf Landratsebene. Es profitierten die Freien Wähler. Die Ingolstädter CSU erkennt ihren gefährlichsten Gegner nicht.
