Breites kreatives Angebot für Jugendliche – getragen von Engagement statt verlässlicher Förderung
Was ist passiert, dass Jugendliche freiwillig und ohne Murren ihre Handys während der Osterferien abgeben? So geschehen, als Khodr Abou Rich 18 Mädchen und Jungen zum „Movie Camp“ einlud, um gemeinsam einen Kurzfilm zu drehen. Die jungen Leute erfuhren dabei, wie viel Arbeit tatsächlich hinter einem Film steckt – selbst hinter einem kurzen: von der Idee über die Dialogerstellung und Kameraführung bis hin zum fertigen Schnitt. Bei all diesen Arbeiten wurden die 10- bis 17-Jährigen mit eingebunden, um nicht nur Einblicke zu bekommen, sondern dabei auch jede Menge Medienkompetenz zu erwerben.
Kreative Ferien ohne Hürden
Ermöglicht wurden ihnen diese spannenden zwei Wochen durch den gemeinnützigen Verein INfreestyle, der seit 2015 kreative Freiräume für Kinder und Jugendliche schafft. Für Khodr ist es dabei immer auch entscheidend, dass alle Angebote – so auch das Projekt, das sich über die gesamten Osterferien erstreckt – für die Teilnehmenden komplett kostenfrei sind, damit jeder unabhängig vom Einkommen der Eltern daran teilnehmen kann. Denn auch das ist Inklusion: So erreicht man auch junge Menschen, die sonst eher wenig Zugang zu kulturellen Angeboten haben.
Die erste Woche verbrachten alle gemeinsam in Eichstätt. Einige Jugendliche berichteten über ihre Eindrücke: Lorenz fand die gemeinsame Woche in der Jugendherberge sehr cool. Er hat nicht nur neue Freundschaften geschlossen, sondern auch gelernt, mit einer Videokamera zu arbeiten, denn das war die Aufgabe, die er vorwiegend übernommen hatte. Aber nicht nur neue Freundschaften und Erfahrungen waren wichtig: Milani war vom Essen dort so begeistert, dass sie über einzelne Speisen regelrecht ins Schwärmen geriet. Tamas möchte gerne ein Actionstar werden und freute sich entsprechend, in Eichstätt erste Erfahrungen vor der Kamera gemacht zu haben. Einig waren sich alle, dass ihnen die zwei Wochen so viel Spaß gemacht haben und sie dabei so viel gelernt haben, dass sie auf jeden Fall wieder mitmachen möchten. Der fertige Film ist am 30. April in der VHS Ingolstadt zu sehen.
Wertvoll, aber kaum gefördert
Dass INfreestyle seine Angebote für Jugendliche kostenlos machen kann, ist nicht nur in Zeiten klammer Haushaltskassen erstaunlich. Die erste Projektwoche in Eichstätt umfasste neben Unterkunft, Verpflegung und Transport auch die Arbeit mit pädagogischem Fachpersonal und externen Fachkräften wie einem Kameramann und einer Theaterpädagogin. Finanziert wird all das ausschließlich über Fördermittel, die der Verein immer wieder neu einwirbt.
Umso bemerkenswerter ist die Leistung des Vereins: Obwohl INfreestyle in Ingolstadt längst unverzichtbare Jugendarbeit leistet, bleibt die finanzielle Unterstützung durch die Stadt und private Geldgeber minimal. Auch der Traum von eigenen Räumen – für die Arbeit mit den Jugendlichen oder zur dauerhaften Lagerung des Equipments – ist bisher leider nicht finanzierbar.
Ein breites Angebot, das Jugendliche erreicht und bewegt
Dass der Verein dennoch seit Jahren verlässlich Angebote schafft, liegt maßgeblich an Khodr Abou Rich. Der Gründer und Leiter, von allen nur „Kodi“ genannt, kennt sich im Fördersystem hervorragend aus und versteht es, seine Projekte mit Nachdruck und Überzeugung zu vertreten. Genau das macht möglich, was sonst kaum denkbar wäre: Seit 2023 hat INfreestyle bereits rund 2000 Jugendliche mit kostenlosen Workshops erreicht – und zwar in Bereichen, die in dieser Form kaum jemand sonst anbietet.
Die Hip-Hop-Angebote verbinden Breakdance, Rap, Performance, Graffiti und DJing, also die Kunst des Musikauflegens als Discjockey. Die jungen Menschen üben, sich kreativ auszudrücken, gewinnen dadurch an Selbstbewusstsein und lernen, ihre eigene Geschichte zu erzählen. Da Musik dabei eines der möglichen Ausdrucksmittel ist, erfahren die Jugendlichen bei INfreestyle auch, wie man Songs schreibt, Musik produziert und im Tonstudio aufnimmt.
Die Notwendigkeit, Medienkompetenz zu erwerben, wird immer wieder betont, aber kaum irgendwo wirklich umgesetzt. Daher sind die Angebote, die INfreestyle macht, so wichtig. Hier haben junge Menschen die Möglichkeit zu sehen, wie man technisch und gestalterisch Kurzfilme, Videos, Reels und Podcasts erstellt. Damit wird nicht nur Kreativität gefördert, sondern durch dieses Know-how auch kritisches Denken und Medienkompetenz gestärkt. Die jungen Menschen werden befähigt, ihren Geschichten, Meinungen und Erfahrungen Ausdruck zu verleihen und sie bekommen dafür auch den nötigen Rahmen und Raum.
Aber auch das Erleben der Natur ist dem Verein wichtig. Deshalb wird großer Wert darauf gelegt, der Natur mit Achtsamkeit zu begegnen, sie als etwas Wunderbares und Wichtiges zu erleben und sie zu pflegen und zu schützen.
Gemeinsam ist all den Angeboten – neben den vielen Kenntnissen und Erfahrungen, die dabei vermittelt werden –, dass Teamarbeit und soziale Kompetenz immer als selbstverständliche Grundlage des Miteinanders verstanden werden.

Integrationspreis für Engagement mit persönlichem Hintergrund
Egal, ob es ein Workshop im Rahmen des Regionalen Jugendfilmabends, der Kurzfilmtage selbst oder des GruselKAPinett zu Halloween ist – INfreestyle ist überall mit seinen Angeboten anzutreffen. Aber auch an so ungewöhnlichen Orten wie der Fachschule für Heilerziehungspflege in Neuburg ist der Verein präsent, um seine Arbeit vorzustellen und deutlich zu machen, dass Kids Kultur brauchen. Der wohl ungewöhnlichste Ort war bislang das kbo-Heckscher-Klinikum Ingolstadt: Dort hat der Verein eine Woche lang mit den Kindern und Jugendlichen der Tagesklinik gemeinsam gerappt, getanzt, gemalt und gefilmt.
Wie wertvoll die Arbeit des Vereins ist, zeigt sich auch in den Auszeichnungen, die der noch junge Verein bereits erhalten hat: Am 31. Januar 2026 wurde das „langjährige Engagement des Vereins für kulturelle Teilhabe, kreative Bildung sowie Umwelt- und Naturpädagogik in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ mit dem Black Lion Award ausgezeichnet. Besonders stolz ist man zu Recht darauf, dass sich der Verein INfreestyle unter 113 Bewerbungen durchgesetzt hat und die Jury mit seinem Projekt so überzeugte, dass ihm der 1. Preis des Bayerischen Integrationspreises 2026 verliehen wurde – als erstem in Ingolstadt. Mit diesem Preis werden seit 2012 jährlich besondere Verdienste um Menschen mit Migrationshintergrund gewürdigt.
Das Thema Migration spielt für Khodr Abou Rich auch persönlich eine Rolle, nicht zuletzt aufgrund eigener Erfahrungen und erlebtem Alltagsrassismus im Zusammenhang mit seinen libanesischen Wurzeln. Dennoch versteht er seine Arbeit bewusst nicht als Integrationsarbeit, da er darin die Gefahr einer Stigmatisierung sieht. Für ihn ist klar: Sein Verein richtet sich an alle jungen Menschen – unabhängig von Herkunft oder Hintergrund.
