Das scheinbar unausweichliche Schicksal des „Herzens der Stadt“ lässt viele Menschen nicht kalt. Sie wollen sich mit der auf unabsehbare Zeit drohenden Schließung des Stadttheaters nicht abfinden. Viele treibt die Frage um, was man dagegen tun kann.
Da kommt die Initiative von Karoline Schwärzli-Bühler wie gerufen. Die in Ingolstadt bekannte und engagierte Unternehmerin ist vielen nicht nur als Vorsitzende der Ingolstädter SPD, sondern auch als Gastronomin des sehr beliebten Backstage-Restaurants bekannt. Um das Stadttheater vor weiterem Verfall zu bewahren, gab sie bekannt, eine Stiftung gründen zu wollen.
Zur ersten Informationsveranstaltung folgten zahlreiche Interessierte ihrer Einladung. Der „Blaue Salon“ war bis auf den letzten Platz gefüllt, einige Besucher mussten sich mit einem Stehplatz begnügen. Oliver Brunner begrüßte die Anwesenden in seiner Funktion als Theaterintendant und wies eindringlich darauf hin, dass für das Große Haus am 31. Mai der letzte Vorhang fällt. Für andere Teile des Hauses gibt es noch einen Aufschub bis zum Sommer 2027.

Schwärzli-Bühler zeigte sich von dem großen Interesse beflügelt, das sich nicht nur in der hohen Besucherzahl widerspiegelte: Bereits im Vorfeld hatte ihre Ankündigung erhebliche Resonanz ausgelöst, und ihr Telefon stand nicht mehr still. Weil viele Unterstützer über die Osterfeiertage verreist waren, bekundeten sie telefonisch ihre Unterstützung. Sogar erste finanzielle Zusagen wurden bereits in Aussicht gestellt. Das ist ein wichtiger Punkt, denn die Gründung einer Verbrauchsstiftung braucht eine belastbare finanzielle Grundlage.
Die Initiatorin hat bereits im Vorfeld zahlreiche Gespräche geführt und erste Schritte vorbereitet. So konnte sie die Architektin Marisia Conn aus Fürth für das Vorhaben gewinnen. Conn ist seit Jahren mit dem Stadttheater und den denkmalpflegerisch-architektonischen Fragen des Gebäudes befasst. Als Inhaberin von Urheberrechten an dem Bau vertritt sie insbesondere die Perspektive des Erhalts dieser einmaligen Architektur.

Außerdem konnte Schwärzli-Bühler den Berliner Rechtsanwalt, Kunsthistoriker und Experten für Stiftungsrecht Bertold Schmidt-Thomé einbinden. Er war an diesem Tag beruflich verhindert, will das Vorhaben aber fachlich begleiten.
Schwärzli-Bühler stellte den Anwesenden bereits einige Voraussetzungen für die Gründung einer Stiftung vor. Denkbar sei eine Verbrauchsstiftung, die zeitlich befristet ist, aber auf mindestens zehn Jahre angelegt sein muss. Das eingebrachte Vermögen wird dabei für den Stiftungszweck verwendet. Nach ihren Angaben empfiehlt der Experte einen Grundstock von 50.000 bis 100.000 Euro, der zunächst eingeworben werden müsse. Ein Anfang sei bereits gemacht: Zwischen 6.000 und 8.000 Euro seien ihr im Vorfeld telefonisch zugesagt worden.
Eine Stiftung sei auch deshalb sinnvoll, weil sie berechtigt ist, gegenüber Behörden konkrete Fragen zu stellen, insbesondere zum Sanierungsbedarf und zur Grundlage der Kostenkalkulation, und auf Antworten zu dringen. Architektin Conn, die per Video zugeschaltet war, bestätigte, dass die Schäden am Hämer-Bau inzwischen so gravierend seien, dass sofortiger Handlungsbedarf bestehe, um das Haus zu retten.


In den zahlreichen Wortmeldungen der Teilnehmenden wurde deutlich, wie sehr ihnen das Theater am Herzen liegt. Zugleich kreiste die Diskussion immer wieder um die Frage, ob es realistisch sei, das notwendige Kapital zu beschaffen. Dennoch sammelte man entsprechende Ideen wie Sponsoring, Crowdfunding und die Einbindung der Bürgermeister umliegender Gemeinden.
Ein Gedanke kam dabei immer wieder zur Sprache: Vielen Menschen scheint nicht bewusst zu sein, dass mit einer Schließung des Hauses nicht nur ein vermeintlicher „Kulturtempel für wenige“ betroffen wäre. Vielmehr stünde der zentrale Ort des städtischen Lebens nicht mehr zur Verfügung — von Konzerten bis zu Abschlussbällen von Schulen und Tanzschulen. Für viele dieser Veranstaltungen gäbe es künftig keine adäquaten Räumlichkeiten mehr. Die Tragweite dieser Entwicklung ist offenbar bei Weitem noch nicht allen bewusst.
Zum weiteren Ablauf erklärte Schwärzli-Bühler, dass die Gründung der Stiftung in vier bis fünf Monaten vollzogen werden solle. Wer mitwirken wolle, konnte sich in eine Liste eintragen und werde von ihr persönlich kontaktiert. Weitere Gespräche, etwa mit dem Baureferenten, seien bereits vorgesehen.

