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Man kommt nicht an ihm vorbei

EIN INTERVIEW MIT DANIEL MELEGI

Es gibt in Ingolstadt einen Mann, an dem man einfach nicht vorbeikommt, wenn man ausgehen will. Daniel Melegi nennt sich selbst einen „stillen Macher“. Doch wer in Ingolstadt lebt und abends ausgeht, weiß: Stiller Macher ist das Falscheste, was man über ihn sagen könnte. Seit über drei Jahrzehnten prägt er das Nachtleben der Stadt – als DJ, Veranstalter, Verleger und Gestalter, ein Mann, der vor Kreativität und neuen Ideen förmlich übersprudelt. 

Der Moment neben dem DJ-Pult

Alles begann mit etwa 17 Jahren: „Damals war die Szene absurd. Du bist vier Tage die Woche weggegangen.“ Ingolstadt hatte eine blühende Klublandschaft – von Mittwoch bis Sonntag. Wer mehr wollte, fuhr nach München oder ins Umland. Melegi steht neben dem DJ-Pult, beobachtet häufiger an den Wochenenden das Können der hiesigen DJs in den Ingolstädter Clubs. Dann kommt sein Moment: Der Resident bittet ihn spontan einzuspringen, um kurz auf die Toilette abzubiegen. Aus dieser spontanen Improvisation entsteht eine Leidenschaft, die bis heute hält.

Das handwerkliche Fundament hatte er sich längst selbst gebaut: mit einem Doppeldeck-Kassettenspieler, mit Charts, die er als Kind selbst aufnahm, und schließlich – vom ersten Azubi-Gehalt – mit den legendären Profi-Plattenspielern von Technics. „Die beiden Plattenspieler sind immer noch bei mir, zusammen mit dem Mischpult und der Discokugel.“ Während Corona entstaubte er sie und streamte live aus seinem Wohnzimmer. Das Vinyl ist ihm nie fremd geworden – und das Handwerk dahinter auch nicht. 

Das Megazin: Journalismus, Bandcontests und Miss Ingolstadt

1994 nimmt Melegis Karriere eine neue Wendung: Er gründet das Megazin, ein regionales Stadtmagazin, das Nachtleben, Mode, Kultur und investigativen Journalismus vereinte. Das Nachtleben bleibt sein Thema – aber er berichtet nun darüber.

Was das Megazin in seiner Blütezeit leistet, ist bemerkenswert: Es kürt die besten Lehrer der Stadt („das war ein ziemlicher Aufruhr“), begleitet Harley-Davidson-Treffen, organisiert Bandcontests – mit 20.000 gepressten CDs als Beilage, „eine wirklich gute Werbung für die Bands.“ Melegi fährt acht Stunden mit der Polizei auf Streife und schreibt darüber. Er organisiert Miss-Ingolstadt-Wahlen, deren Siegerinnen dann auf Bundesebene antreten. 

Ohne Ende Party

Von allen Veranstaltungen, die Melegi in drei Jahrzehnten auf die Beine gestellt hat, ist Winterbeats wohl die größte und bekannteste. In 17 Jahren ist das Festival in der Saturn Arena auf mehrere Tausend Besucher gewachsen und gilt als größtes Indoorfestival Süddeutschlands. 

Dabei ist Winterbeats längst nicht alles. Zu weiteren Institutionen des Ingolstädter Nachtlebens gehören die 80er- und 90er-Partys in der Eventhalle, die Halloween-Veranstaltungsreihe – die erste davon zur Eröffnung des Westparks – und die legendären Single-Partys. Seit 1999 veranstaltet Melegi sie. Die Premiere in der Eventhalle ist unvergesslich: „1.200 Leute standen vor der Tür, bis zum Cinestar. Damit hatte ich nicht gerechnet.“ Gemeinsam mit David Krebs von der Eventhalle brachte Melegi große Acts nach Ingolstadt, darunter WestBam, Marusha oder Milli Vanilli. Zu Melegis persönlichen DJ-Highlights gehört die Closing-Show im Noa Beach Club auf der kroatischen Insel Pag, Nummer-1-Club Kroatiens und einer der führenden Open-Air-Clubs weltweit – keine Selbstverständlichkeit.

Für die Leute

Auf die Frage, worauf er am meisten stolz sei, antwortet Melegi ohne zu zögern: auf sein Team, auf das Klima bei seinen Veranstaltungen und auf die Gäste. 

Dahinter steckt eine klare Haltung zum Auflegen selbst. „Ich spiele ja für die Leute, nicht für mich.“ Musikwünsche nimmt er ernst – und erfüllt sie, so oft es geht. Nur die letzten 30 Minuten vor Feierabend gehören ihm: schneller, gern auch etwas härter. „Es gibt kein ruhiges Ausklingen bei mir.“ Und dann, wenn 300 Leute so schön feiern und man ihnen die Freude ansieht – dann weiß er wieder einmal, warum er das alles macht.

Für 2026 plant er Open-Air-Partys im Schutterhof, eine neue Veranstaltungsreihe in Beilngries, geträumt wird von Events, die seit Langem mal wieder im Ingolstädter Freibad oder im Hof des Neuen Schlosses stattfinden könnten. 

Ohne Daniel Melegi wäre Ingolstadt nach Einbruch der Dunkelheit ein weniger schillernder und ruhigerer Ort. Ingolstadt darf stolz sein auf einen Mann, der seit über drei Jahrzehnten nicht müde wird, seiner Stadt Nächte zu schenken, die in Erinnerung bleiben.

Fotos: Melegi

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