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Wie die Loverboy-Methode funktioniert und warum Betroffene sie oft zu spät durchschauen

Maria hatte es satt. Seit ihr Vater arbeitslos war, gab es zu Hause nur noch Streit. Das Geld war knapp, die Stimmung gereizt, und mit ihren Sorgen fühlte sie sich oft allein. In den sozialen Medien postete sie traurige Songs und Bilder, weil sie wenigstens dort das Gefühl hatte, wahrgenommen zu werden.

Eines Tages sprach sie in der Stadt ein junger Mann an. Er sah gut aus, war charmant und fragte, ob sie mit ihm einen Kaffee trinken wolle. Maria zögerte kurz, sagte dann aber zu. Zum ersten Mal seit Langem hatte sie das Gefühl, dass sich jemand wirklich für sie interessierte.

Er hieß Sven. Er hörte zu, stellte die richtigen Fragen und sagte ihr, sie sei etwas Besonderes. Anfangs blieb Maria misstrauisch. Doch als er sich bald darauf wieder meldete, sie unbedingt sehen wollte und scheinbar genau verstand, wie es ihr ging, ließ sie sich auf weitere Treffen ein.

Der Beginn auf Wolke Nr. 7

In den folgenden Wochen wurde Sven zu einem festen Teil ihres Alltags. Er holte sie von der Schule ab, schrieb ihr ständig und zeigte viel Verständnis für den Stress zu Hause. Immer wieder bestärkte er sie in dem Gefühl, dort übersehen und ungerecht behandelt zu werden. Für Maria war das wie ein Rettungsanker: Endlich stand jemand auf ihrer Seite.

Doch nach und nach veränderte sich etwas. Zunächst wirkte es harmlos. Sven begleitete sie beim Shoppen, machte Vorschläge und entschied immer öfter, was ihr angeblich gut stand und sie tragen sollte. Manches fand Maria zu gewagt, doch Sven redete so lange auf sie ein, bis sie nachgab. Wenn sie widersprach, reagierte er gekränkt und fragte, ob sie ihm etwa nicht vertraue.

Auch sonst wurde er fordernder. Er wollte genau wissen, mit wem sie unterwegs war, warum sie nicht sofort antwortete und weshalb sie mit Freundinnen über ihn sprach. Er nannte das Fürsorge, Maria deutete es als Liebe. Dass er sie Schritt für Schritt kontrollierte, erkannte sie nicht.

Sven sprach oft von einer gemeinsamen Zukunft, von einer Wohnung, von einem anderen Leben. Für Maria klang das nach Hoffnung. Als er sie bat, intime Bilder nur für ihn zu machen, stellte er es als Beweis ihrer Nähe dar. Sie war unsicher, ließ sich am Ende aber überreden. Wenn Liebe zur Falle wird

Kontrolle, Druck, Abhängigkeit

Wenig später wirkte Sven plötzlich verändert: still, gereizt, nervös. Auf Marias Nachfragen wich er zunächst aus. Schließlich erklärte er, er habe ihr all das Schöne bieten wollen, das sie verdiene, und deshalb mit Geld um sich geworfen. Nun habe er Schulden bei einem Mann, der keinen Spaß verstehe. Er wolle sie da nicht hineinziehen, sagte er, doch Maria spürte, dass etwas nicht stimmte.

Ein paar Tage später erschien Sven mit einem blauen Fleck. Jetzt setzte er Maria unter Druck. Der Gläubiger, sagte er, würde ihm entgegenkommen, wenn sie „nett“ zu einem Mann sei. Zugleich erklärte er, wie sehr ihn das selbst verletze. Er habe doch alles für ihre gemeinsame Zukunft getan. Nun müsse sie zeigen, ob sie ihn wirklich liebe.

In Maria mischten sich Angst, Mitleid und Schuld. Sie glaubte, helfen zu müssen. Was als Liebesgeschichte begonnen hatte, wurde zur Falle. Es blieb nicht bei einem Mal. Bald waren es mehrere Männer. Sven bat nicht mehr, er forderte. Aus Zuwendung war Kontrolle geworden, aus Nähe Abhängigkeit, aus Liebe Ausbeutung.

Loverboy-Methode ein bewährtes System

Genau nach diesem Muster gehen sogenannte Loverboys häufig vor. Sie suchen gezielt meist unsichere, junge Frauen und Mädchen, bauen Vertrauen auf, isolieren ihre Opfer Schritt für Schritt von deren Umfeld und nutzen die entstandene emotionale Abhängigkeit aus, um sie sexuell auszubeuten. Die Täter arbeiten oft mit Schmeicheleien, Geschenken, Druck, Schuldgefühlen und später auch mit Drohungen. Für die Betroffenen ist der Ausstieg besonders schwer, weil sie sich nicht als Opfer sehen, sondern glauben, einem geliebten Menschen helfen zu müssen.

Wie viele solcher Fälle es in Deutschland genau gibt, lässt sich nur schwer beziffern. „Loverboy“ ist kein eigener Straftatbestand; die Fälle werden meist unter Menschenhandel oder sexueller Ausbeutung erfasst. Fachleute gehen zudem von einem hohen Dunkelfeld aus, weil viele Betroffene aus Angst, Scham oder emotionaler Bindung, aber auch aus Unkenntnis lange schweigen.

Warnsignale und Hilfe

  • plötzlich sehr intensive neue Beziehung
  • Rückzug von Familie, Freunden oder Schule
  • Heimlichkeit bei Handy und Treffen
  • ständige Kontrolle durch den „Freund“
  • auffällige Geschenke oder ungeklärtes Geld
  • Angst, Schuldgefühle und starker Druck
  • Fahrten oder Übernachtungen ohne klare Erklärung
  • Sätze wie: „Ich schulde ihm was“ oder „Er braucht mich

Kontaktstelle in Ingolstadt: 
Wirbelwind Ingolstadt
 Am Stein 5, 85049 Ingolstadt; 0841/17353
Homepage: 
www.wirbelwind-ingolstadt.de  

Spezialisierte Beratung zu Menschenhandel und der Loverboy-Methode 
JADWIGA  München (089 38534455)
www.jadwiga-online.de

Foto: Freepic

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