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Gesinnung statt Kompentenz

Gastkommentar von Hermann Käbisch

Dorothea Deneke-Stoll (CSU) hat als zweite Bürgermeisterin in den letzten sechs Jahren hervorragende Arbeit geleistet. Sie wird über die Parteigrenzen hinaus im Ingolstädter Stadtrat sehr geschätzt. Auch die Wähler haben ihre Arbeit honoriert und ihr bei der Kommunalwahl das zweitbeste Ergebnis aller CSU-Kandidaten beschert – nach Fraktionschef und Krautfestorganisator Franz Wöhrl.

Sie erhielt mehrere Tausend Stimmen mehr als der Parteivorsitzende Stefan Huber, der von Platz 1 der Liste auf Platz 7 runtergewählt wurde; Tausende Stimmen mehr als Christian Lösel und Albert Wittmann. Und vor allem 50 Prozent mehr Stimmen als Christopher Hofmann (22.700 zu 14.990 Stimmen), den die Parteispitze auf Platz 5 der Liste abgesichert hatte und der auf Platz 12 runterfiel.

Wegen seines Wahlergebnisses muss man Hofmann also nicht zum Zweiten Bürgermeister machen und dafür die hervorragende bisherige Amtsinhaberin Deneke-Stoll in die Wüste schicken. Aber genau das wollen die ultrakonservativen Kreise in der CSU um Stefan Huber, Christian Lösel und Albert Wittmann.

Hofmann ist wie Wittmann Soldat. Er ist politisch unerfahren, war nicht einmal Stadtrat. Verwaltungserfahrung? Null. Was prädestiniert ihn, Zweiter Bürgermeister zu werden? Loyalität gegenüber den Strippenziehern und ehemaligen OB-Kern-Widersachern Huber, Lösel und Wittmann.

Und dieser Hofmann soll laut Bericht des Donaukurier Oberbürgermeister Kern „in der Verantwortung für die Stadt flankieren“. Offensichtlich soll er als Aufpasser der ultrakonservativen Kräfte in der CSU den eigenen Oberbürgermeister kontrollieren, der manchen in der CSU zu sehr das Gespräch und den Konsens mit anderen Parteien anstrebt.

Einige in der CSU träumen wohl von den alten Zeiten, als man zusammen mit den Freien Wählern über eine Mehrheit im Stadtrat verfügte und nach Belieben schalten und walten konnte. Marode Schulen und ein baufälliges Stadttheater erinnern an diese Zeiten.

Aber diese CSU/FW-Mehrheit gibt es nicht mehr. 15 Stadträte stellt die CSU, die Freien Wähler haben fünf Mandate. Sie dürften für Hofmann votieren, wenn nur ihr Hans Stachel dafür endlich Dritter Bürgermeister wird.

Es bedarf aber 26 Stimmen, um Hofmann als Zweiten Bürgermeister zu wählen. Lassen sich die Grünen etwa mit einem Referentenposten für Petra Kleine kaufen? Das wäre seltsam. Aber es gibt ja noch die AfD.

Auf deren Stimmen will man, so sagt man es offiziell in der CSU, nicht angewiesen sein. Aber wenn die AfD-ler nun Hofmann und Stachel einfach wählen? Das kann man ja nicht verhindern, wird es dann heißen. Und auf den Bierbänken beim Herbstfest saß man ja rein zufällig beieinander. Und wenn Ulrich Bannert (AfD) in diesem Jahr Wahlkampfveranstaltungen der CSU besuchte, so konnte man ihn doch nicht einfach hinauswerfen.

Kern, Hofmann und Stachel – das sollen nach dem Willen der ultrakonservativen CSU-Stadträte, die offensichtlich in der Fraktion die Mehrheit besitzen, unsere Bürgermeister sein. Eine Frau passt da wohl nicht ins Kalkül.

Oberbürgermeister Kern kann einem bei dieser Konstellation nur leid tun.

Am Rande: Kein Mitleid verdient sein Amtsvorgänger Christian Scharpf (SPD), dessen Ambitionen, in München nach Dieter Reiter Oberbürgermeister zu werden, nun nach dem Wahlsieg des Grünen Dominik Krause ausgeträumt sein dürften. Er hat in Ingolstadt das schwankende Boot in stürmischen Zeiten aus egoistischen Gründen verlassen und muss jetzt in der Landeshauptstadt sogar um seine Wiederwahl als Wirtschaftsreferent zittern.

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