Großer Andrang beim Bürgerdialog im Konradviertel: Im Stadtteiltreff ging es um Verkehr, Sicherheit, Einsparungen, die geschlossene Fahrradwerkstatt und die Lebensqualität vor allem älterer Menschen
Der Stadtteiltreff im Konradviertel war gestern Nachmittag bis auf den letzten Platz gefüllt. Oberbürgermeister Dr. Michael Kern stellte sich den Fragen der Bürger, und die nutzten die Gelegenheit intensiv. Die Themen reichten von Verkehr und Parkdruck über die Zukunft des Stadtteiltreffs bis hin zu ganz praktischen Problemen im Alltag älterer Menschen.
Schon zu Beginn brachte Silvia Almstetter ein Thema auf den Tisch, das viele im Viertel beschäftigt: die Straßensituation in der Kurt-Huber-Straße. Sie schilderte die aus ihrer Sicht problematische Verkehrslage mit zu schnellem Fahren, unübersichtlichen Situationen für Radfahrer und Gefahren für Kinder. Besonders kritisch sei die Lage wegen der Nähe zur Lessing-Schule und zu Kindergärten. Auch Busverkehr, Straßenschäden und Erschütterungen durch Fahrzeuge wurden angesprochen. Kern sagte zu, die Hinweise mitzunehmen und die Situation von Fachleuten aus dem Verkehrsmanagement prüfen zu lassen.


Damit war eines der großen Themen des Nachmittags gesetzt. Immer wieder meldeten sich Bürger zu Wort, die über Ausweichverkehr, Schwerlastverkehr in Wohnstraßen, fremde Dauerparker und wachsenden Parkdruck klagten. Der Eindruck vieler Anwohner: Das Viertel gerät verkehrlich zunehmend unter Druck, und damit leidet auch das Sicherheitsgefühl.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, was das Konradviertel für ältere Menschen noch an Lebensqualität bietet. Renate Block formulierte das besonders deutlich. „Wenn wir den Stadtteiltreff nicht hätten, hätten wir gar keine Lebensqualität“, sagte sie. Viele Senioren hätten im Viertel kaum noch Möglichkeiten für Begegnung und Austausch. Es fehle an Sitzgelegenheiten, frühere Treffpunkte seien verschwunden, Wege seien beschwerlich geworden. Umso wichtiger sei der Stadtteiltreff als Anlaufstelle.
Block verband ihre Kritik aber auch mit Lob. Besonders hob sie das Digitaltreffen hervor, bei dem Ehrenamtliche älteren Menschen bei Handy- und Alltagsfragen helfen. „Wir bekommen hier die Hilfe mit unseren Handys, die wir von unseren Kindern oft nicht bekommen“, sagte sie. Kern griff das auf und betonte, wie wichtig solche Angebote seien, damit Senioren im Alltag selbstständig bleiben und nicht vollständig auf Angehörige angewiesen sind.
Deutlich wurde im Verlauf des Bürgerdialogs aber auch der Frust über weggefallene oder eingeschränkte Angebote. Kritisiert wurde, dass im Stadtteiltreff keine Kopien mehr gemacht werden können und dort auch keine gelben Säcke mehr ausgegeben werden. Für ältere Menschen ohne Auto seien das keine Nebensächlichkeiten, sondern echte Probleme im Alltag. Wer für eine Kopie oder eine einfache Besorgung in andere Stadtteile fahren müsse, spüre das unmittelbar.
Dazu nahm auch Quartiersmanagerin Brigitte Turinsky Stellung. Sie machte deutlich, dass der Stadtteiltreff mit sehr knappen personellen Ressourcen arbeiten müsse. Neben ihrer eigenen Stelle und der Verwaltungskraft seien viele zusätzliche Aufgaben mit übernommen worden. „Unsere Aufgabe ist es, solche Angebote zu konzipieren, dass die Menschen hier Anlaufstelle haben und die Menschen hier zusammenkommen, Nachbarschaften stärken, Vorurteile abbauen“, sagte Turinsky. Genau dafür müsse aber auch genug Zeit bleiben. Wenn immer mehr Zusatzdienste übernommen würden, leide die eigentliche Quartiersarbeit.


Turinsky sagte zugleich, dass man besonders hochbetagten oder wenig mobilen Menschen weiterhin helfe. Allerdings seien manche Angebote in der Vergangenheit auch missbraucht worden. Aus ihrer Sicht geht es deshalb darum, die knappen Kräfte sinnvoll einzusetzen und den eigentlichen sozialen Auftrag des Stadtteiltreffs zu sichern.
Kern stellte dazu klar, dass er den Stadtteiltreff für unverzichtbar hält. „Wir wären als Stadt blöd, wenn wir den Stadtteiltreff schließen würden“, sagte der Oberbürgermeister. Gerade im Konradviertel sei die Einrichtung ein wichtiger Ort der Begegnung. Er dämpfte aber zugleich Erwartungen, alles ohne Einschränkungen fortführen zu können. Die Stadt stehe finanziell unter Druck und müsse genau hinschauen, wo Leistungen erhalten und wo Angebote reduziert werden.
Diese angespannte Finanzlage war ein weiteres großes Thema des Nachmittags. Ein Bürger fragte sehr grundsätzlich, warum Ingolstadt trotz früher hoher Einnahmen heute so stark sparen müsse. Wo sei das Geld geblieben, wenn nun an vielen Stellen gekürzt werde? Kern antwortete ausführlich und verwies darauf, dass viele notwendige Projekte schon in vermeintlich guten Zeiten nicht abgearbeitet worden seien. Sanierungen von Schulen, öffentlichen Gebäuden und anderen Einrichtungen seien liegen geblieben, während die Kosten für Bau und Unterhalt immer weiter gestiegen seien.
„Schon kleine Schulbaumaßnahmen kosten heute zig Millionen“, sagte Kern. Außerdem seien Rücklagen häufig längst für große Projekte gebunden gewesen, etwa für das Museum, das Kongresszentrum oder andere Vorhaben. Die Stadt befinde sich deshalb auf einem Konsolidierungskurs. Gespart werden solle aber nicht mit dem Rasenmäher, sondern so, dass zentrale Strukturen erhalten bleiben. Kern betonte in diesem Zusammenhang auch, dass die Stadt keine Entlassungen plane, sondern eher über natürliche Fluktuation und effizientere Abläufe reagieren wolle.
Neben den großen Linien der Finanzpolitik kamen im Bürgerdialog immer wieder sehr konkrete Folgen dieser Lage zur Sprache. Dazu gehört auch die Schließung der Konrad-Fahrradwerkstatt, die für viele im Viertel ein echtes Problem darstellt. Gerade für Menschen, die auf das Fahrrad angewiesen sind, nicht schnell in eine Werkstatt kommen oder im Alltag auf unkomplizierte Hilfe angewiesen waren, bedeutet das den Verlust eines wichtigen Angebots. Auch wenn das auf den ersten Blick wie ein kleines Thema wirkt, zeigte sich in der Diskussion, wie stark solche alltagsnahen Hilfen für die Lebensqualität im Viertel zählen.
Auch die Entwicklung des Stadtteils insgesamt wurde angesprochen. Bürger äußerten Sorgen über zunehmende Versiegelung, den Verlust von Grünflächen und eine zu dichte Bebauung. Kern sagte, dass bei Neubauten Grünflächen, Aufenthaltsqualität und Wasseraufnahme stärker mitgedacht werden müssten. Gerade in wachsenden Städten sei das Thema Nachverdichtung schwierig: Es brauche neuen Wohnraum, zugleich dürfe die Lebensqualität nicht auf der Strecke bleiben.


Sogar die Gesundheitsversorgung kam zur Sprache. Auch das Aus der Maulklinik wurde angesprochen. Kern sagte, er bedauere die Schließung, verwies aber zugleich auf den Strukturwandel im Gesundheitswesen. Viele Behandlungen würden heute stärker in größeren Einrichtungen gebündelt. Die Stadt setze deshalb auf eine Stärkung des Klinikums, damit die Versorgung in Ingolstadt gesichert bleibe.
Im Kern drehte sich dieser Bürgerdialog aber immer wieder um dieselbe Frage: Wie lässt sich das Leben im Viertel lebenswert halten, wenn Geld knapper wird und zugleich die Bedürfnisse groß sind? Die Antworten darauf fielen an diesem Nachmittag unterschiedlich aus. Die Bürger schilderten ganz konkrete Probleme vor ihrer Haustür. Kern warb um Verständnis für schwierige Entscheidungen und versuchte zugleich, Haltelinien zu ziehen – etwa beim Erhalt des Stadtteiltreffs.
Dass die Diskussion so lebhaft und mitunter auch zugespitzt verlief, war dabei kein Zeichen von Unzufriedenheit allein, sondern auch von hoher Erwartung. Viele Menschen wollten gestern Nachmittag nicht nur Dampf ablassen, sondern gehört werden. Gerade ältere Besucher machten deutlich, dass sie sich im Viertel ernst genommen und gut aufgehoben fühlen wollen. Ein Besucher brachte diesen Anspruch auf einen einfachen Satz: Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, müssten auch im Alter gut versorgt sein.
Der Bürgerdialog im Konradviertel zeigte damit vor allem eines: Die großen Fragen der Stadtpolitik und die kleinen Mühen des Alltags hängen für viele Bürger unmittelbar zusammen. Ob Verkehr vor der Haustür, fehlende Kopien im Stadtteiltreff oder die geschlossene Fahrradwerkstatt – am Ende geht es immer darum, wie gut das Leben im Viertel noch funktioniert. Genau darauf richten sich die klaren Erwartungen an Oberbürgermeister Dr. Michael Kern.

