Genusstour exklusiv für Frauen
Zahlreiche interessante Frauen prägten die Geschichte der Stadt, ohne dass man viele von ihnen kennt oder je von ihnen erfahren hat. Das sollte sich mit dieser Stadtführung ändern.
So etwa Argula von Grumbach (ca. 1492 – nach 1554): Sie wagte etwas Ungeheuerliches. Öffentlich griff sie die Universität Ingolstadt an, weil diese den jungen Magister Arsacius Seehofer zum Widerruf reformatorischer Positionen gezwungen hatte. Ihre Briefe verbreiteten sich in einem erstaunlichen Umfang – einer davon musste sogar 16-mal nachgedruckt werden. Ein kaum vorstellbarer Vorgang in einer Zeit, in der Frauen zu schweigen hatten und reformatorische Positionen verpönt waren.


Oder wer kennt Walburga Geislmayr (spätes 18. / frühes 19. Jahrhundert), die nicht nur dafür sorgte, dass die Türme des Ingolstädter Münsters endlich Dächer bekamen? Die damalige Besitzerin des Schwabenbräu in der Theresienstraße stiftete zudem die Friedhofskapelle am heutigen Westfriedhof.
Einige weibliche Persönlichkeiten wie Marieluise Fleißer, Isabeau de Bavière (Elisabeth von Bayern-Ingolstadt) oder die Gnadenthalschwestern sind eher bekannt. Aufgelockert wurde die unterhaltsame Stadtführung auch durch Legenden – etwa die vom Hofbäcker Frieder aus Bad Urach, dem sagenhaften „Erfinder“ der schwäbischen Brezel.



Nach gut eineinhalb Stunden endete die Führung in der Theresienstraße, die seinerzeit für ihren Weinhandel bekannt war.
Mary Shelley – Die Frau Hinter Viktor Frankenstein
Bei den Frauen, die Ingolstadt maßgeblich geprägt haben, darf Mary Shelley natürlich nicht fehlen. Schon ihr eigenes Leben wäre Stoff genug für eine eigene Stadtführung. Und dann ist da noch Dr. Frankenstein und seine Kreatur – ein Roman, der bis heute die Menschen fasziniert.
Stadtführerin Ute Lottes ergänzte die Vita der jungen Schriftstellerin um anschauliche Details zum Zeitgeist ihrer Epoche und machte so den prägenden Hintergrund des Romans lebendig. Mary Shelley schrieb Frankenstein im Jahr 1816, dem berühmten „Jahr ohne Sommer“. Nach dem Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien kühlte sich das Klima spürbar ab; in Europa war das Jahr von Kälte, Dunkelheit und Regen geprägt.


Auch die frühen Experimente mit elektrischem Strom und Galvanismus, also der Reizung von Nerven und Muskeln durch Elektrizität, wurden in diesen Zusammenhang eingeordnet. Giovanni Aldini sorgte mit seinen spektakulären Vorführungen für Aufsehen: Zeitgenossen konnten leicht den Eindruck gewinnen, hier werde der Traum von der Wiedererweckung der Toten greifbar. Tatsächlich handelte es sich um elektrisch ausgelöste Muskelreaktionen – doch gerade diese Mischung aus Wissenschaft, Staunen und Schauder prägte die Vorstellungswelt der Zeit.
Und natürlich durfte auch Ingolstadt selbst nicht fehlen: die damals weithin bekannte Universität, an der der fiktive junge Victor Frankenstein im Roman studiert.
Eine sehr interessante Führung zu weit mehr als einer biografischen Annäherung. Dank der detaillierten, gut recherchierten und spannend vorgetragenen Hintergründe eröffnete sie einen ebenso literarischen wie kulturgeschichtlichen Blick auf Mary Shelley. Selbst wer manches schon kannte, konnte hier noch einiges neu entdecken (HaGa)
