Glosse von Hermann Käbisch
Hinweis: Dieser unter Starkbiereinfluss verfasste Text soll der nachdenklichen Erheiterung dienen und hält einer Überprüfung auf inhaltliche Richtigkeit nicht stand. Daher sind die nachfolgenden Wahlempfehlungen auch: unbrauchbar. Wer sich nach dieser Vorrede dennoch auf seinen politischen Schlips getreten fühlt und sich beschweren will, der wende sich bitte (wie immer) vertrauensvoll direkt an den Verleger Christian Bauer. Er ist die publizistische Klagemauer und Kummer wegen (meiner) Artikel gewohnt. Für Sammelklagen empfehlen sich als Anlaufstellen die Geschäftsstellen von CSU und FW. Dort werden Sie immer auf Gleichgesinnte treffen.
Also, wen sollte man nun bei der Kommunalwahl wählen? (Die erste Maß ist halb geleert.) Fangen wir bei der (noch) stärksten Fraktion an: CSU. Hier führt kein Weg an Steffi Kürten vorbei. Der Mehrzweckwaffe der Christlichsozialen. Sie soll das feministische, grüne Feigenblatt der neuen Fraktion werden. Zur Erinnerung: Kürten war Stadträtin und Kreisvorsitzende der Grünen! Als sie sich von ihren grünen Parteifreunden (zum Begriff siehe unten) verabschiedete, schlug die CSU sofort zu. Als „Flüchtige” aus dem verhassten grünen Lager gewährte die CSU (ungeachtet der Seehoferschen Obergrenze) spontan politisches Asyl. Aber wird sie im schwarzen Umfeld auch gewählt? Kürten ist offensiv bekennend lesbisch und lebt in einer Beziehung (laut CSU-Wahlwerbung “verpaart”). Viele konservative, dem bayerischen Familienleitbild (Mann, Frau, Kind, Bankert/Kegel) anhängende Wähler werden sich eher die Hand abhacken, anstatt bei Kürten das Wahlkreuz auf dem Stimmzettel zu machen. Obwohl: Alice Weidel ist auch lesbisch und sogar Bundesvorsitzende der AfD. Aber ob AfD-Wähler Weidel überhaupt kennen? Es heißt: Diese Wähler orientierten sich an der Farbe BLAU und dem Parteikürzel. Mehr wüssten sie nicht von der Partei, die sie wählen. Um die AfD gleich abzuhaken, die Wahlempfehlung: Auch Ulrich Bannert nicht mehr. Er ist zwar menschlich nicht unrecht, aber geht in der AfD-Rhetorik unter. Zurück zur CSU: Da gibt es auf der Liste eigentlich zwei Gruppen von Kandidaten: Die Freunde des amtierenden CSU-Oberbürgermeisters Kern und die Gruppe derer, die ihn verhindern wollte. Für letztere gilt: Feind/Parteifreund/Kern-Wähler. Wahlempfehlung: Franz Wöhrl. Für ihn ist es zwar eine Strafe, wieder Mitglied der CSU-Fraktion werden zu müssen. Aber er ist wohl der Einzige, mit dem alle Gruppierungen noch reden.
Zweite Maß Illuminat (wegen der erhofften Erleuchtung). Gott sei Dank gibt es die weitgehend homogene Liste der Freien-Aiwanger-Wähler. Ich wollte gerade Hans Stachel drei Stimmen vermachen, als mich seine Pressemitteilung Nr. 998.987 erreichte: “Liebe Ingolstädter! Bitte wählt mich nicht. Sollte ich nämlich in den Stadtrat kommen, wollen mich meine Parteifreunde, viele aus der CSU und einige aus einer anderen Partei (die ich nicht mag, deren Stimmen ich aber nicht ablehnen würde) zum Dritten Bürgermeister wählen. Das möchte ich nicht. Nicht im Traum habe ich jedenfalls/jemals daran gedacht, Dritter Bürgermeister werden zu wollen. Wählt statt meiner Raimund Reibenspieß! Er ist pensionierter Lehrer und kennt sich im Schulwesen aus. Er weiß also, wo es überall in den Schulgebäuden reinregnet und wo wir unsere orangefarbenen FAW-Eimer dekorativ hinstellen können, um das Wasser aufzufangen. Das ist eine wahrhaft künstlerische Installation, das ist Konkrete Kunst, wie wir sie uns vorstellen. Da brauchen wir kein Museum. Jahrelang haben wir zusammen mit der CSU trotz voller Kassen die Schulsanierungen, die zu dichten Dächern geführt hätten, vermeiden können. Nur durch diese unsere Weitsicht sind jetzt diese Live-Installationen der Konkreten Kunst möglich. Das gibt es dank unserer politischen Arbeit nur in Ingolstadt.” Wahlempfehlung: Also Reibenspieß kriegt drei Stimmen.
Sauer bin ich auf die Grünen. Wegen denen müssen alle Wahlzettel neu gedruckt werden. Die firmieren jetzt nämlich um: “API” nennen sie sich künftig: Audi-Partei-Ingolstadt. Sie erfüllen damit ihre eigenen Transparenz-Vorschriften. Schließlich sind von den ersten acht Stadtratskandidaten der grünen Stadtratsliste gleich drei bei Audi beschäftigt. So viel Autobau gibt es sonst bei keiner anderen Partei auf den vordersten, also aussichtsreichen Plätzen (Na gut, bei der ÖDP sind der Listenführer und der Kreisvorsitzende auch Audianer). Auch einen neuen Wahlslogan haben sich die Grünen zugelegt: Autos bauen, Parkplätze abschaffen. Was mir bei den Grünen sehr gut gefällt, das ist die Achtsamkeit, das Feingefühl für die Belange anderer Menschen. So wurde von grünen Stadträtinnen erkannt, dass trauernden Angehörigen in der Aussegnungshalle des Westfriedhofes bei der Beerdigung nur eine Frage auf der Seele brennt: War es ein Nazi-Künstler, der mit seinen Wandmalereien die Halle ausgeschmückt hat? Diese Frage muss unbedingt durch Hinweistafeln geklärt werden. Erst nach deren Lektüre dürfen die Verblichenen zu Grabe getragen werden. Meinungsumfragen im Auftrag der Grünen haben übrigens ergeben, dass mit diesen Informationstafeln AfD-Sympathisanten (insbesondere die russischen Muttersprachler) zu lupenreinen Demokraten bekehrt werden und nie mehr “rechts” wählen. Wahlempfehlung: Petra Kleine. Damit sie nach der Vertreibung aus dem Paradies (Räumung des Büros der Dritten Bürgermeisterin) wenigstens im Stadtrat sitzen kann.
Wenn Sie der Umwelt Gutes tun wollen, ohne dabei tief in die Nazi-Vergangenheit Ingolstadts einzusteigen, können Sie auch ÖDP wählen. Wahlvorschlag: Fred Over. Der baut zwar keine Autos, aber Flugzeuge, bei denen sich mehr dreht als bei jenem Lufttaxi, das die CSU vor Jahren mit großem Brimborium auf dem Rathausplatz präsentierte und bei dem sich nicht mal der kleinste Propeller bewegte, weil alles nur Show war. Allerdings sind die Flieger von Fred Over eine Nummer kleiner: Modellflugzeuge. Darauf die nächste Maß.
SPD: Parteichef und Fraktionsvorsitzender Christian De Lapuente, schwebt in höchst professionellen Videos bei Facebook und WhatsApp strahlend lächelnd von Veranstaltung zu Veranstaltung (in Dauerbegleitung von Claudia Woderer, der ausgeliehenen blonden Ehefrau eines Bekannten). Wer in der SPD bringt ihm schonend bei, dass Michael Kern und nicht er zum Oberbürgermeister gewählt wurde? “Über den Wolken” schwebe er, meinen Parteifreunde und erwarten eine harte Landung nach der Wahl. Einige wetzen gar schon die sozialdemokratischen Messer. Obwohl Achim Werner nicht mehr dabei ist, gibt es Befürchtungen, dass die Sozis nach der Wahl die gute alte Ingolstädter Tradition des “Sich-selbst-Zerfleischens” wieder aufleben lassen wollen, die unter Scharpf einige Jahre nicht gepflegt wurde. Mit Christian Scharpf ist das Aushängeschild und der strategische Kopf zum Oktoberfest nach München abgewandert und die Partei torkelt durch den Wahlkampf wie der Pirat Klaus Störtebeker nach seiner Enthauptung. Wahlempfehlung: Veronika Peters. Sie schafft es mühelos, die Altvorderen der CSU auf die Palme zu bringen.
Auf die Sozialdemokraten folgen auf dem Wahlzettel die Unabhängigen Wähler (UWG). Sie begreifen sich als “Nachfolgeorganisation” der Freien Wähler, die früher eine kommunalpolitische Gruppierung und keine Partei waren. Jetzt aber sind die FW eine Partei, sitzen zusammen mit der CSU (wie vor 2020 auch im Ingolstädter Stadtrat) an einem Tisch, dem Kabinettstisch und haben sogar an der Bundestagswahl (erfolglos) teilgenommen. Die UWG ist hingegen nach eigener Darstellung eine rein kommunale Gruppierung echter Unabhängiger. Das ist natürlich gelogen. Es besteht der dringende Verdacht, dass es sich in Wirklichkeit um einen Mißlbeck-Wahlverein handelt. Gleich vier Kandidaten tragen diesen Namen. Im Mittelfeld der Liste geht, Sepp Mißlbeck, mit demnächst 82 Jahren der Joe Biden der Ingolstädter Kommunalpolitik, auf Stimmenfang. Listenführer ist sein Sohn Michael, den Ehefrau Barbara auf der Liste begleitet. Mindestens fünf Ehepaare zieren die UWG-Liste, was vermuten lässt, dass es in diesen Kreisen zu den ehelichen Pflichten zählt, dem Ehepartner auf der Liste beizustehen. Programm: Die allgemeinen Redensarten (“Stadtrat ist mit zu viel Details beschäftigt, es dauert alles zu lang.”) könnten auch die Äußerungen eines Fußballtrainers vor einem wichtigen Auswärtsspiel sein. Ein konkretes Programm ist nicht ersichtlich. Was verbindet denn die Mißlbecks, Christian Lange, Jürgen Köhler, Sascha Lachner, Robert Bechstädt (früher SPD) und Matthias Schickel (früher CSU)? Keiner dieser politischen Querköpfe passt durch das Nadelöhr eines Parteiprogramms. Hier wählt man Persönlichkeiten und kein Programm. Wahlempfehlung: Drei Mitleidsstimmen für Matthias Schickel, damit er in den Stadtrat darf. In sein Büro im Katharinengymnasium regnet es nämlich rein. Dort steht auch ein Eimer. Von den FAW?
Bei der Linken arbeitet Eva Bulling-Schröter mit allen Tricks. Jetzt hat sie ihren 70. Geburtstag so gelegt, dass er kurz vor der Kommunalwahl stattfindet. Und natürlich hat sie den erwarteten großen Geburtstagsartikel in der Tageszeitung bekommen. Mit dieser PR ist sie praktisch schon gewählt. Das glaubt von sich zweifellos auch Achim Werner, der von der SPD zur Linken gewechselt ist. Der Glaube aber stirbt/wählt zuletzt.
Ostern ist zwar erst im April. Aber in der FDP reden schon jetzt alle von der Wiederauferstehung. Bundespolitisch ist die Partei ja zumindest scheintot. Doch: Ein Blick auf die Stadtratsliste überrascht: Es finden sich dort Männer und Frauen aus der bürgerlichen Mitte, die auch der CSU-Liste Glanz verliehen hätten. Wahlempfehlung: Jakob Schäuble, weil er als Vorsitzender des Hospizvereins weiß, wie man mit hoffnungslosen Fällen umgehen muss: der eigenen Bundespartei und der Stadt Ingolstadt.
Prost!
