Der März 2001 zwischen großen Würfen, kleinen Sorgen und viel Bewegung

Im Rückspiegel Wenn Prognosen, Pegelstände und Preise wackeln

Der März 2001 zeigt Ingolstadt als Stadt zwischen Kultur, Sport, Strukturwandel und Alltagssorgen. Musikalisches Highlight ist der Auftritt des weltberühmten polnischen Komponisten Krzysztof Penderecki. Seine avantgardistischen und expressiven Klangwelten zwischen Moderne und Sakralmusik präsentiert er gemeinsam mit der Kammerakademie Neuss und dem Flötenvirtuosen Jean-Claude Gérard. Neben eigenen Kompositionen zudem Werke von Schubert und Honegger.

Politisch wird der Aschermittwoch auch vor Ort begangen: Bei der SPD tritt Heidemarie Wieczorek-Zeul sachlich und beinahe zurückhaltend auf, hebt die Erfolge der rot-grünen Bundesregierung hervor, fordert mehr Gleichberechtigung und mahnt eine frühzeitige Ausrichtung auf erneuerbare Energien an. Die CSU setzt auf Unterhaltung: Schauspieler Gerd Fischer bringt als Bruder Barnabas den Peterwirt in Unsernherrn zum Kochen. Grüne, PDS, FDP und Freie Wähler diskutieren Strategien, Inhalte und die Rückkehr in politische Gremien.

Sportlich startet Audi mit zwei R8 in die amerikanische Le-Mans-Serie. Der Bolide bringt 610 PS aus 3,6 Litern Hubraum bei nur 900 Kilogramm Gewicht auf die Strecke. Gleichzeitig steht der ERC Ingolstadt an der Spitze der 2. Eishockey-Bundesliga vor den Play-offs – DEL-Gedanken gibt es, aber 4 Millionen Mark Lizenzkosten schrecken ab.

Diskutiert wird zudem über stark beklebte INVG-Busse, die Sicht und Orientierung erschweren sowie über die Ausweisung des Piusviertels als Sanierungsgebiet: Rund 31 Millionen Mark sollen in Spielplätze, Grünflächen, Wohnungsbau und soziale Betreuung fließen. Ein dramatischer Großbrand in Mailing fordert über 60 Einsatzkräfte. Ein Feuerwehrmann wird unter brennendem Stroh begraben, kann aber gerettet werden. Der Schaden: mindestens 300.000 D-Mark.

Im Landkreis Eichstätt ziehen Biobauern eine nüchterne Zwischenbilanz: Nur ein kleiner Teil der Fläche wird ökologisch bewirtschaftet. Hohe Standards, zögerliche Verbraucher und Vermarktungsprobleme bremsen den Aufschwung. Abhilfe schaffen soll ein gemeinsam erarbeiteter Vermarkterkatalog mit rund 140 regionalen Anbietern.

Im Landkreis Pfaffenhofen meldet das Kreiskrankenhaus Schrobenhausen schwarze Zahlen, während in Pörnbach der Storchenkamin sanierungsbedürftig ist. 

Neuburg ringt weiter um den Ausbau der Donau-Dämme – Klagen und Förderfragen verzögern den Baubeginn, obwohl das Pfingsthochwasser 1999 noch präsent ist.

Bayern
Die BSE-Krise dominiert den politischen Aschermittwoch. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering buchstabiert die Krise süffisant mit: „Bisschen spärlich, Edmund!“, Ministerpräsident Edmund Stoiber widerspricht energisch: BSE sei kein bayerisches, sondern ein nationales Problem. FDP und Freie Wähler kritisieren Filz und Vetternwirtschaft im Freistaat.

Der Winter 2000/2001 geht als wärmster seit über 100 Jahren in die Statistik ein. Gleichzeitig sorgen Starkregenfälle für überflutete Wiesen und Felder – die Altmühl verwandelt sich zeitweise vom gemächlichen Fluss zum reißenden Strom.

Deutschland und Welt
In Deutschland entsteht mit ver.di die größte Gewerkschaft der Welt: Rund drei Millionen Mitglieder aus nahezu tausend Berufen schließen sich zu einer neuen Macht im Arbeitnehmerlager zusammen. Unter dem Vorsitz von Frank Bsirske soll die Mammutgewerkschaft künftig mit einer Stimme sprechen – angesiedelt im Spannungsfeld von Solidarität, Interessenvielfalt und organisatorischer Herausforderung.

Europa blickt derweil erschüttert nach Portugal, wo der Einsturz einer maroden Brücke über den Douro 77 Menschen das Leben kostet. Trotz jahrelanger Warnungen von Anwohnern waren notwendige Sanierungen ausgeblieben – die Katastrophe wird zum bitteren Mahnmal für politische Untätigkeit und den gefährlichen Preis aufgeschobener Infrastrukturmaßnahmen.

Weltweit erschüttert die Zerstörung der Buddha-Statuen von Bamiyan. Die Vereinten Nationen appellieren vergeblich an die Taliban, das kulturelle Erbe der Menschheit zu bewahren. In Shanghai beginnt der Bau der ersten kommerziellen Transrapid-Strecke: 33 Kilometer, 2,5 Milliarden D-Mark, wieder einmal zehn Minuten Fahrzeit vom Flughafen zur Stadt – ein deutsches Technikversprechen diesmal auf internationaler Bühne.

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