Ob du richtig stehst oder nicht – das sagt dir gleich das Licht

Unter dem Motto „1, 2 oder 3“ lud der Deutsche Gewerkschaftsbund zu einer Kommunalpolitik-Podiumsdiskussion in Ingolstadt ein. Nach dem Vorbild der bekannten Quizsendung mussten sich die eingeladenen Politiker immer wieder sichtbar zu vorgegebenen Antwortmöglichkeiten positionieren – spielerisch im Format, inhaltlich jedoch schnell ernst.

Den Quiz-Auftakt gestaltete Claudia Scheck, stellvertretende Vorsitzende des DGB und Geschäftsführerin von ver.di. Mit Wissensfragen – etwa, wie viele Beschäftigte das Klinikum Ingolstadt hat oder wie viele Mitglieder dem DGB angehören – wurden die Podiumsteilnehmer in das „1, 2 oder 3“-Prinzip geführt.

Die anschließenden Diskussionen moderierte Christian De Lapuente, Regionsgeschäftsführer des DGB, der die Themenblöcke strukturierte und immer wieder vom spielerischen Einstieg zur politischen Debatte überleitete.

Inhaltlich war der Abend breit angelegt: Neben Mobilität ging es auch um gute Arbeit und Wirtschaft, Wohnen, Gesundheitsversorgung, die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft sowie um Fragen der Daseinsvorsorge. Eine Themenfülle, die an einem Abend nur angerissen werden konnte – und auch in einem einzelnen Artikel Auswahl verlangt. Besonders intensiv diskutiert wurde dabei der öffentliche Nahverkehr.

ÖPNV zwischen Preis, Taktung und Alltag

Den Auftakt machte Caroline Klapper von Die Linke. Sie bezeichnete den ÖPNV als zu teuer und zugleich unpraktisch in der Taktung. Vor allem abends zeigten sich aus ihrer Sicht deutliche Schwächen: Nach 20 Uhr werde es am Hauptbahnhof schwierig, überhaupt noch zuverlässig weiterzukommen. Für viele sei das ein zentraler Grund, den öffentlichen Nahverkehr nicht zu nutzen.

Theresa Ley von der FDP betonte, dass es auf einen funktionierenden Mobilitätsmix ankomme. Bus und Bahn müssten im Alltag eine echte Alternative sein. Genau daran hapere es jedoch häufig: Wegen unpassender Taktungen und langer Wartezeiten sei man nicht selten schneller zu Fuß als mit dem ÖPNV. Ihrer Ansicht nach müssten die Fahrpläne stärker an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden – vor allem zu Schul- und Berufszeiten.

Konkrete Effekte führte Jörg Schlagbauer von der SPD an, Betriebsrat bei Audi. Als Erfolg wertete er, dass inzwischen rund 14.000 Beschäftigte am Fahrradleasing teilnehmen und damit häufiger aufs Rad umgestiegen seien. Zusammen mit dem Audi-Bahnhalt habe man es geschafft, rund 1.400 Autos aus dem täglichen Verkehr zu holen – „weniger auf den Straßen“, wie er betonte. Zudem nutzten etwa 4.000 Audianer ein Jobticket. Derzeit fahren rund 1.000 Beschäftigte regelmäßig mit der Bahn zur Arbeit. Mit einer besseren Taktung am Audi-Bahnhalt – etwa im Halbstundentakt – könnten es seiner Einschätzung nach bis zu 5.300 werden.

Wie entscheidend der Zeitfaktor ist, machte Herbert Böll von den Freien Wähler deutlich. Für eine Strecke aus dem Süden der Stadt bis zur TE brauche er mit dem Bus rund 45 Minuten, mit dem Fahrrad sei er schneller und unabhängig. Die Menschen wollen in möglichst kurzer Zeit von der Arbeit nach Hause kommen – verliere der ÖPNV diesen Vergleich, verliere er an Akzeptanz. Auch der Audi-Bahnhalt sei grundsätzlich sinnvoll, werde aber durch die Taktung ausgebremst.

Aus Stadtteilsicht ergänzte Michael Mißlbeck von der UWG Ingolstadt, dass die Anbindung in Gerolfing werktags gut funktioniere, am Wochenende jedoch deutlich schlechter. Der ÖPNV müsse günstig und attraktiv sein, sonst werde er im Alltag nicht angenommen. Besonders kritisch bewertete er die gestrichene Nachtlinie, die die Stadt für viele unattraktiver mache.

Beim Schülerverkehr wies Stephanie Kürten von der CSU darauf hin, dass zusätzliche Busangebote zwar sinnvoll seien – die Umsetzung aber an Personal, Taktung und Finanzierung hänge.

Ein grundsätzliches Leitbild formulierten die Grünen. Alexander von Schkopp von Bündnis 90/Die Grünen betonte, Ingolstadt könne selbstverständlich Autos bauen. Daraus folge jedoch nicht, dass die Stadt eine sein müsse, in der man überall und für jeden Weg mit dem Auto fahren müsse. Gerade im Umfeld von Schulen brauche es bessere Alternativen, damit Kinder nicht „bis ins Klassenzimmer“ gefahren werden.

Raimund Köstler von der ÖDP stellte das Leitbild grundsätzlich infrage: „Wir müssen keine Autostadt sein“, sagte er. Entscheidend sei, den öffentlichen Nahverkehr so zu gestalten, dass er im Alltag wirklich genutzt wird – und dafür brauche es vor allem einen möglichst niedrigschwelligen Zugang. Um die Attraktivität zu erhöhen, brachte er ein Jahresticket für etwa 200 Euro ins Spiel.

Viele Themen, ein klarer Schwerpunkt

Die Diskussion zeigte, wie breit Kommunalpolitik aufgestellt ist – und wie schnell sie auf konkrete Alltagsfragen zurückgeführt wird. In der „1, 2 oder 3“-Kulisse wurde der öffentliche Nahverkehr zum Prüfstein: für Erreichbarkeit, Lebensqualität und politische Prioritäten.

Die Themen des Abends reichten weit darüber hinaus. Doch gerade beim ÖPNV wurde sichtbar, wo die Konfliktlinien verlaufen – und wo mögliche Hebel für Veränderungen liegen.

Artikel teilen:

Verlinkte Themen: