Viele Menschen folgten dem Aufruf von Ingolstadt ist bunt zur Kundgebung „Lichter für Demokratie“. Redebeiträge, ein Lichterzug und der gemeinsame Abschluss mit Freiheit setzten ein Zeichen für demokratische Werte und Zusammenhalt in Ingolstadt.
In Ingolstadt sind gestern Abend viele Menschen dem Aufruf von Ingolstadt ist bunt gefolgt und haben an der Kundgebung „Lichter für Demokratie“ teilgenommen. Im Mittelpunkt standen Redebeiträge sowie ein gemeinsamer Lichterzug als sichtbares Bekenntnis zu demokratischen Werten, Vielfalt und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Beteiligt waren auch Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Organisationen und Parteien, darunter Amnesty International, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, Omas for Future und die Omas gegen Rechts.



Noch bevor sich der Lichterzug in Bewegung setzte, griff Eva Bulling-Schröter in ihren Begrüßungsworten aktuelle Reaktionen in sozialen Netzwerken auf. Anlass waren Kommentare zu einem Infostand der Omas gegen Rechts in der Theresienstraße am selben Tag. Der Ton sei teils menschenverachtend gewesen, Engagierte seien beschimpft und herabgewürdigt worden, sagte Bulling-Schröter. Solche Entgleisungen dürften nicht verharmlost werden. Sie rief zu Solidarität mit allen auf, die sich gegen Hass und Ausgrenzung stellen, und warnte zugleich grundsätzlich vor Kräften, die die Demokratie gezielt angreifen: „Es gibt viele, die diese Demokratie ernsthaft bekämpfen und eine andere Republik wollen.“
Einen weiteren inhaltlichen Akzent setzte Sascha Römisch vom Stadttheater Ingolstadt. Er betonte die Rolle der Kunst für eine lebendige Demokratie: Kunst könne historische Erfahrungen wachhalten, neue Zukunftsbilder entwerfen und Räume schaffen, in denen Unterschiede nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung verstanden würden. Gleichzeitig mahnte er, Rassismus klar zu benennen und zu bekämpfen. Demokratien zerbrächen nicht plötzlich, sondern würden schleichend von innen ausgehöhlt, wenn Menschenrechte nicht mehr für alle gelten.



Zur Untermauerung seines Appells zitierte Römisch den Schriftsteller Erich Kästner, der bereits 1958 davor gewarnt hatte, zu warten, „bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist“. Es gehe darum, früh zu widersprechen – bevor demokratiefeindliche Entwicklungen unumkehrbar würden.
Im Anschluss an seinen Beitrag dankte Bulling-Schröter ihm im Namen von „Ingolstadt ist bunt“ und überreichte ihm eine kleine Geste der Anerkennung.
Nach den Redebeiträgen setzte sich der Lichterzug in Bewegung. Er führte in einer kurzen Schleife durch die angrenzenden Straßen und zog anschließend wieder zurück Richtung Rathausplatz Ingolstadt. Dort trafen sich die Teilnehmenden zum Abschluss erneut und sangen gemeinsam das Lied Freiheit von Marius Müller-Westernhagen.
Mehr dazu im Kommentar „Die Verrohung im Netz ist keine Meinung“: https://in-direkt.de/gesellschaft/76306/die-verrohung-im-netz-ist-keine-meinung/
