Stimmen fürs Theater

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte über die gesellschaftliche Rolle des Theaters trafen sich im Foyer Vertreter aus verschiedenen Bereichen der Stadtgesellschaft. Sie schilderten aus ihrer Sicht, warum das Stadttheater für kulturelle Bildung und gesellschaftliche Teilhabe so wichtig ist. Die Stadtdramaturgin Lisa Schacher , die für all die unterschiedlichen Angebote, die außerhalb der Bühne statt finden, moderierte den Abend und gab einen Überblick über die Reichweite:

  • Abendprogramm: 270 Vorstellungen, rund 80.000 Besucher
  • Junges Theater: ca. 250 Vorstellungen (davon 170 Schulvorstellungen), rund 35.000 Besucher
  • Theaterpädagogik: 15.000 Kinder, Jugendliche und Pädagogen
  • Von weiteren Programmen profitieren zusätzlich:  rund 50.000 Menschen


Im Herbst 2026 schließt das Theater, zum Jahresende 2027 auch der Festsaal.

Barbara Blumenwitz (Amt für Soziales) berichtete über das „Café International“, das vor zehn Jahren auf Initiative des damaligen Intendanten Knut Weber in der Werkstattbühne gegründet wurde. Anfangs standen Hilfe beim Deutschlernen und praktische Unterstützung im Mittelpunkt, weil es zu wenige Kurse gab. Heute ist das Café ein offener Treffpunkt, auch für internationale Studenten. Beiträge aus dem Theater (etwa Lesungen) stärken das Gefühl, gesehen und wertgeschätzt zu werden. Unklar ist, wo der Treff nach der Schließung ohne Konsumzwang und zentral weitergeführt werden kann. 
Positiv hervorgehoben wurden zudem mobile Produktionen, die auch Menschen im Ankerzentrum erreichten.

Selver Bulut, Vorsitzende des Türkischen Kultur- und Bildungsvereins Mozaik, verband mit dem Theater eine persönliche Erinnerung: ihre Hochzeit im Festsaal.(„Ich wollte unbedingt mit meinem Hochzeitskleid die tolle Treppe runter gehen) Mozaik wurde in den 1970er Jahren zur Unterstützung der Eltern und Schülern, gegründet und engagiert sich heute auch stark kulturell. Die Tatsache, dass sie das  „Istanbul“ vorab kritisch sichten konnten, führte dazu, dass sich  die Community ernst genommen gefühlt; besonders bewegend waren für sie die bekannten Sezen-Aksu-Lieder und die Erfahrung, türkische Schauspieler auf der Bühne zu sehen. Bei „Cultural Bites – Geschichten mit Geschmack“ präsentierte Mozaik zudem die türkische Esskultur. Solche Formate stärkten Austausch und Perspektivwechsel und senkten Hemmschwellen gegenüber dem Theater.

Cristina Seeger (Critical Friends) verwies auf deren Umfrageergebnisse: Viele Menschen hätten Berührungsängste mit dem Theater. Darauf reagiert man mit dem Angebot, an bestimmten Terminen gemeinsam mit Critical Friends und Theaterfreunden das Theater zu besuchen und sich anschließend in einer lockeren Runde auszutauschen. 

Bärbel Kößler-Finkenzeller, Schulleiterin des Reuchlin-Gymnasiums (seit 2022/23 erstes Kulturgymnasium Bayerns), betonte: Kulturelle Bildung sei Kernaufgabe der Schule. Am Kulturgymnasium geht jeder Schüler einmal pro Jahr ins Theater; außerdem stimmen sich Theaterpädagogen mit der Schule über anstehende Literaturthemen ab. Das Theater ermögliche jungen Menschen neue Perspektiven in einer anderen Lernatmosphäre. Umso problematischer sei, dass es bislang keine Übergangslösung für die angekündigten Schließungen gebe.

Michaela Unterforsthuber berichtete aus der Praxis mit Kindergartenkindern: Die Vorfreude beginne bereits auf dem Weg zur Vorstellung; Eindrücke wirkten lange nach und würden in Spielen und Bildern weiterverarbeitet. Gleichzeitig seien die Angebote so gefragt, dass zusätzliche Vorstellungen nötig wären. Sie stellt sich die bange Frage wie es nach der Schließung weitergeht.

Florian Walter (Stadtjugendring) hob Projekte an der Schnittstelle von Rap und Theater hervor. Bei „Lücke zum Glück“ brachten junge Leute ihre Geschichten und Musik ein; ein Rap-Battle mit Schauspielern sei zum Highlight geworden. Die jungen Leute fühlen sich sehr gesehen und wertgeschätzt gemeinsam  – auf Augenhöhe – mit Schauspielern auf der Bühne zu stehen. Einige habe das Theater so gepackt, dass sie sich inzwischen ernsthaft für den Schauspielberuf interessieren. (HaGa)

Artikel teilen:

Verlinkte Themen: