„Zwischen Dorfplatz und Dienstsiegel – die Bürgermeister unserer Region im Portrait“

Bürgermeister Ralf Sitzmann, 52, Kösching

Rathaus & Führung

Wer Ralf Sitzmann bittet, Kösching in drei Sätzen zu beschreiben, bekommt keinen Werbeslogan, sondern ein Selbstverständnis. Alles, was man zum Leben braucht, sei da: Einkauf, Ärzte, Schulen. Man müsse eigentlich nie weg. Und dann sind da noch die Feste – drei Marktsonntage, bekannt weit über den Landkreis hinaus. Spätestens beim Bürgerfest zu Peter und Paul zeigt sich, was Kösching ausmacht: Mehr als 100 Vereine, Stammtische, Gewerbeverein – alle helfen zusammen. Seit 30 Jahren. „Da packen alle mit an“, sagt Sitzmann, und es klingt weniger nach Pflicht als nach Überzeugung.

Stolz ist der Bürgermeister vor allem auf ein Mammutprojekt: die Schule. Nach über 60 Jahren wird dort endlich saniert, aber auch neu gedacht und neu gebaut. Ganztagsangebote, Hort, heilpädagogische Tagesstätte sowie, mit Unterstützung des Landkreises, sonderpädagogisches Zentrum und Realschule – Kösching entwickelt eine Schullandschaft, die ihresgleichen sucht. Auch Kindergärten und Krippen, betrieben vom Markt selbst, gehören dazu. Ebenso notwendig war die energetische Sanierung der Mehrzweckhalle: Nach 30 Jahren ohne nennenswerte Dämmung spart man nun Energie – und Kosten. Nicht alles aus dem vorherigen Wahlprogramm ließ sich umsetzen, räumt Sitzmann ein. Zwei Punkte mussten wegen der Finanzlage warten. Pflichtaufgaben gehen vor.

Bürgernähe ist für ihn kein Schlagwort. Wöchentliche Jour-fixes mit den Abteilungsleitern, ein digitaler Schadensmelder, vor allem aber: eine offene Bürotür. „Zwischen zwei Terminen nehme ich mir auch Zeit für ein kurzes Gespräch“, sagt er. Rathaus als Anlaufstelle, nicht als Hürde.

Rückblick & Zwischenbilanz

Spürbar verändert hat den Alltag vor allem etwas Unspektakuläres: neue Hochwasserbehälter. Edelstahltanks in Kösching und Kasing sichern sauberes Trinkwasser – ohne Verkeimung, ohne Probleme. Dazu kommt das „Bad am Berg“: Hallen- und Freibad mit Fernblick, Sauna, Dampfbad, Sportbecken und Gastronomie. Ein Ort für alle Generationen, ein Stück Lebensqualität.

Große Projekte prägen – und fordern. Der Straßenbau musste auf das Nötigste beschränkt werden, 43 Millionen Euro für die genannte Schulsanierung zwingen zum Sparen. Trotzdem bleibt Kösching eigenständig, trotz Nähe zu Ingolstadt. Das Geheimnis: Vereinsleben, Zusammenhalt, dörflicher Charakter bei 10.000 Einwohnern. „Man grüßt sich noch“, sagt Sitzmann. Und meint das ernst.

Blick nach vorn

Ganz oben auf der Agenda: Abschluss der Schulsanierung bis 2029, Rückhaltebecken in Kasing und Kösching, Kanal- und Straßensanierung. Sichtbar werden sollen neue Baugebiete – Ziegelsgrund III, Wolfdrossel, das Sägewerksgelände – sowie die Erweiterung des Gewerbegebiets Ruppertswies. Vereine werden weiter unterstützt, besonders in der Jugendarbeit. Der Glasfaserausbau soll nach Verzögerungen im Frühjahr 2026 starten.

Politik & Wahlkampf

Mit den Unabhängigen Wählern setzt Sitzmann auf das, was er als Markenkern sieht: unabhängig, bürgernah, dialogbereit. Große Konflikte spürt er im Ort kaum. Der Ton sei sachlich, Anfeindungen gebe es nicht – auch das ein Grund, erneut bei den Kommunalwahlen im Frühjahr anzutreten. Sorge bereitet ihm eher die große Politik, etwa die Krankenhausreform: geschlossene Notaufnahmen, längere Wartezeiten, Verunsicherung.

Identität & persönliche Motivation

Kösching ist alt – gegründet 80 nach Christus von den Römern – und selbstbewusst. Vereine, Stammtische, Traditionen: Wenn man etwas macht, dann „gscheid“. Auch den Spitznamen „Mantelflicker“ nimmt man mit Humor. Sitzmanns Motivation? Keine Routine, jeden Tag neue Menschen, neue Gespräche. Sein Traum für die Zukunft ist schlicht: Dass man auch in zehn Jahren sagt, was man heute schon hört. „In Kesching is richtig schee. Do bleib i.“

Bildrechte: Sitzmann

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