Kommentar von Hermann Käbisch
Konservativ gesinnte Ingolstadt Bürger, die den beliebten, amtierenden Oberbürgermeister Michael Kern (CSU) unterstützen wollen, haben bei der Kommunalwahl am 8. März ein Problem!
In der Vergangenheit hätte man diesen Wählern raten können: Machen Sie einfach das Listenkreuz bei der CSU, dann liegen Sie nicht ganz falsch. Diesmal ist es anders: Auf den ersten 15 Plätzen der CSU-Liste (also mit den besten Aussichten, in den Stadtrat gewählt zu werden), befinden sich gerade zwei Kandidaten, die sich bei der parteiinternen Auswahl deutlich für den jetzigen Oberbürgermeister eingesetzt hatten: Bürgermeisterin Dorothea Deneke-Stoll (Platz 4 der Stadtratsliste der CSU) und Christina Hoffmann (Platz 8). Gegen Kern und für dessen Rivalen als OB-Kandidat Christian Lösel (Platz 6) hatten sich insbesondere der Parteivorsitzende Stefan Huber (Platz 1), Albert Wittmann (Platz 7), und der stellvertretende Parteivorsitzende Christopher Hofmann (Platz 5) stark gemacht. CSU-Insider gehen davon aus, dass unter den ersten 15 Listenkandidaten der CSU maximal 3-4 echte „Kern-Unterstützer“ zu finden sind. Der Rest ist dem Huber/Lösel/Wittmann-Lager zuzurechnen. Und die ehemaligen Kern-Gegner haben, soweit sie bereits jetzt im Stadtrat sitzen, dem eigenen Oberbürgermeister gleich nach dessen Amtsantritt massiven Ärger bereitet: Sie arbeiteten gegen Kern bei der Wahl der berufsmäßigen Stadträte Bernd Kuch und Matthias Franz und bei der sensiblen Strategie der Zusammenarbeit der Kliniken der Region.
Was also soll der konservativ gesinnte Wähler, der den amtierenden Oberbürgermeister unterstützen will, in dieser Situation machen? Er kann dafür sorgen, dass die Reihenfolge der CSU-Kandidaten, die in den Stadtrat einziehen, geändert wird. Die Mittel hierfür sind: Vor den Namen der Kandidaten, die den eigenen Vorstellungen entsprechen, die Ziff. „3“ schreiben (Stimmen häufeln), so dass diese Kandidaten die maximale Stimmenzahl des Wählers erhalten. Und die Kandidaten, die sich der konservative Wähler nicht im Stadtrat wünscht, von der (angekreuzten) CSU-Liste streichen. Wer der Partei kein Listenkreuz gibt, braucht auch keine Kandidaten zu streichen; er kann aber natürlich einzelnen Kandidaten bis zu drei Stimmen geben.
Außerdem kann jeder Wähler seine 50 Stimmen auf die Kandidaten mehrerer Parteien verteilen. Darauf hofft mit Sicherheit Matthias Schickel, der sich als amtierender Stadtrat der CSU und liberaler Geist in der Partei nicht mehr wohlfühlte und jetzt auf der Liste der bürgerlichen UWG (Platz 42) um den Wiedereinzug in den Stadtrat kämpft.
Peter Schnell soll gesagt haben: Manchmal sei es besser, wenn die eigene Partei keine absolute Mehrheit habe. Da sei man dann gezwungen, mit den politischen Mitbewerbern gemeinsam eine Lösung und breite Mehrheit zu finden. Es ist bei Michael Kern zu erwarten, dass er das macht – sich dabei aber hoffentlich nicht einer Mehrheit aus CSU, Freien Wählern und AfD bedient. Die wird es rein zahlenmäßig nach der Kommunalwahl im Ingolstädter Stadtrat wahrscheinlich geben. Hoffentlich nicht politisch!
Verhindern können es konservative Wähler, indem sie auch bürgerlichen Kandidaten von UWG, FDP, ÖDP oder anderen Parteien Stimmen geben.
