Wie spektakulär – wenn auch schon damals nicht unumstritten – begann vor exakt 60 Jahren die Geschichte des Ingolstädter Stadttheaters.
Ein Monument städtischer Energie, aber seit 25 Jahren auch ein Sorgenkind und ein Stein des Anstoßes öffentlicher Debatten.
Ein begeistertes Zitat der damaligen Presse brachte es auf den Punkt: Im Theater konkretisiert sich das gesellschaftliche Bewusstsein einer Stadt; es repräsentiert aber auch ihr Selbstbewusstsein. Schau dir das Theater an, und du weißt, mit was für einer Stadt du es zu tun hast.
Die Moderatorin Manuela Brugger verwies mehrfach zu Recht darauf, dass das Theater paritätisch vom Architekten-Ehepaar Marie-Brigitte Hämer-Buro und Prof. Hardt-Walther Hämer geschaffen wurde. Obwohl Frau Hämer-Buro auch heute noch immer wieder unterschlagen wird, war sie das entscheidende Korrektiv. Sie war es, die stets „die einfachere, schlichtere, haltbarere und klügere Lösung“ einbrachte.
Oberbürgermeister Dr. Michael Kern betonte in seinem Grußwort, dass man mit diesem außergewöhnlichen Jubiläum nicht nur ein Gebäude feiere, sondern einen Ort voller Erinnerungen, Geschichten und Begegnungen – einen Ort, der seit 60 Jahren das kulturelle Herz der Stadt präge. Die Entscheidung für den Neubau nach der Zerstörung des Theaters am Rathausplatz und der Interimslösung in der Proviantstraße sei mehr gewesen als eine bauliche Maßnahme: ein Bekenntnis zur Kultur, zum gemeinsamen Erleben von Kunst und ein Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs.


Mit dem Bau entstand eine Architektur, die neue Wege ging: Sie greift die mittelalterliche Stadtstruktur auf und blickt zugleich selbstbewusst in die Moderne. Die internationalen Auszeichnungen zeigen die überregionale Bedeutung und den Mut, den Ingolstadt seinerzeit bewiesen hat. Doch ein Bau lebt nicht aus sich heraus, sondern vor allem durch Menschen: durch das Ensemble auf der Bühne, die Menschen hinter der Bühne, Zeitzeugen und Publikum.
In der Feier schwang auch ein Moment der Wehmut mit – angesichts der Lücke, die die Schließung des Theaters erzwingt. Das Versprechen des Oberbürgermeisters („Wir müssen und wir werden dranbleiben – und wir müssen und werden diese Lücke schließen“) wurde mit lang anhaltendem Applaus quittiert. Eine Stadt ohne diesen wichtigen und markanten Hämer-Buro-Bau sei für ihn nicht vorstellbar; daher arbeite man intensiv daran, dass es mit dem Theater weitergeht. Auch wenn mit dem Holztheater erfreulicherweise eine Interimslösung gefunden wurde, bleibt der Hämer-Buro-Bau Anker und kulturelles Gedächtnis, kurz das Herz der Stadt.
Zeitzeugen berichteten über die Geschichte des Theaterneubaus und teilten mit dem Publikum Erinnerungen an die bewegte Zeit und die mutigen, begeisterten Anfänge. Damals gründete sich auch der Kulturverein und warb Gelder ein, mit denen die Goldblattbilder des Künstlers Heinrich Echtmanns als „Kunst am Bau“ direkt auf den Beton aufgetragen wurden.
Theaterintendant Oliver Brunner warf ein Blick in die Zukunft: Die Architektur des Gebäudes – so Brunner – sei nicht nur vor 60 Jahren visionär gewesen, sondern sei es bis heute, denn die Visionen der Architekten passten perfekt zu dem heutigen und zukünftigen Selbstverständnis der kulturellen Begegnugen. Man mache sich daran, die Ersatzspielstätte mit Leben, Spielleidenschaft, Neugier und Entdeckerfreude zu erobern, um dann wieder zum „Mutterschiff“ zurückzukehren. Er wandte sich an die Stadträte: „Wir sind mutig – seien Sie es auch.“ Und an das Publikum: „Bleiben Sie so neugierig wie wir und folgen Sie uns in die Jahnstraße“. Sein größter Wunsch sei, in zehn Jahren das 70-jährige Jubiläum wieder gemeinsam im Hämer-Buro-Bau feiern zu können.
Anschließend wurde das Publikum auf die Bühne gebeten. Überraschend, wie geräumig diese ist: Alle Gäste fanden bequem Platz, und zugleich öffnete sich der Blick auf die kaum vorstellbar große Scheinwerferanlage hoch oben.
Videoeinspielungen führten in die ungeahnten Tiefen des Innenlebens: in Räume der Materialbereitstellung, in Lager mit umfangreichen Beständen an Ausstattung (man müsse alles aufheben, denn jede Zeit hat ihre eigenen Alltagsgegenstände) und in Bereiche, in denen die komplexe Haustechnik untergebracht ist.


Im Anschluss ging es durch verwinkelte, hohe Gänge weiter, bis sich das Publikum im Festsaal wiederfand. Dort begrüßte eine Theaterband die Gäste musikalisch – und es folgte ein Showteil mit Beiträgen des Chors der 5. Klasse des Reuchlin-Gymnasiums, des Donautrachtenverbands sowie Vertretern des Café International, das an diesem Tag sein 10-jähriges Jubiläum feierte. Den glanzvollen Abschluss bildete die vielfach preisgekrönte Showtanzgruppe Dance Fire, die mit begeisterten Applaus gefeiert wurde.
Anmerkung: Auch wenn es ein sehr gelungenes, buntes Programm mit einigen Glanzpunkten war, konnte man sich eines Eindrucks nicht erwehren: als würde man im Dunkeln der Ungewissheit gegen die Angst anpfeifen – wie es denn wirklich weitergehen wird. Es bleibt die Hoffnung, dass all die Bekenntnisse zu diesem einmaligen Bau nicht mit dem letzten Vorhang im Mai vergessen sein werden. (HaGa)
Alle Bilder vom Abend;




































