PETA fordert Hundeführerschein in Bayern

Freilaufender Hund verletzt Rentner schwer

Nachweis kann schwere Unfälle verhindern und ermöglicht Hunden ein tiergerechteres Leben 

Ingolstadt / Stuttgart, 19. Januar 2026 – Einem Medienbericht zufolge hat ein Hund vergangenen Montagabend im Ingolstädter Stadtteil Haunwöhr einen Rentner attackiert. Der 69-Jährige war mit seinem angeleinten Vierbeiner auf dem Schotterweg entlang des Hochwasserdamms unterwegs, als ein freilaufender Hund seinen Artgenossen unvermittelt angriff. Beim Versuch dazwischenzugehen biss sich das angreifende Tier im Unterarm des Rentners fest. Offenbar nur mit Mühe konnte der andere Halter seinen Hund wieder unter Kontrolle bringen. Der 69-Jährige erlitt eine tiefe Wunde und wurde im Krankenhaus operiert. Die Polizei ermittelt. Angesichts dieses Vorfalls fordert die Tierrechtsorganisation PETA die Landesregierung in Bayern auf, den sogenannten Hundeführerschein einzuführen.

„Meist liegt das Problem nicht bei den Hunden selbst, sondern bei ihren Halterinnen und Haltern. Viele von ihnen haben Schwierigkeiten, das Verhalten, die Signale und die Körpersprache der Vierbeiner richtig zu interpretieren und zu verstehen. Die eigentliche Ursache von Beißvorfällen ist somit in der Unwissenheit der Menschen zu suchen, nicht beim Tier“, so Björn Thun, Fachreferent bei PETA. „Unabhängig davon, ob ein Hund einer ‚Rasse‘ angehört oder ein ‚Mix‘ ist – jeder Hund, der falsch gehalten, missverstanden oder schlecht behandelt wird, kann potenziell für Mensch und Tier gefährlich werden.“

Deutliche Mehrheit für Hundeführerschein 
Nach einer von PETA in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage von August 2023 sprechen sich 68 Prozent der in Deutschland lebenden Erwachsenen für einen verpflichtenden Hundeführerschein aus. Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter und Halterinnen bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, in dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Anschließend folgt für Halter und Hund ein gemeinsames, obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule. Ein solcher Nachweis kann sicherstellen, dass Menschen, die Hunde halten, fachkundig mit dem Tier umgehen und die Signale des Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern.

Niedersachsen und Bremen gehen mit gutem Beispiel voran 
Als erstes deutsches Bundesland hat Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen – seit Juli 2013 ist der allgemeine Hundeführerschein verpflichtend. [1] Dort ereigneten sich nach drei Jahren nachweislich weniger Vorfälle. [2] Zum 1. Juli 2026 wird auch im Land Bremen der Hundeführerschein für Personen, die sich einen Hund zulegen möchten, verpflichtend. [3] Österreich geht noch einen Schritt weiter: Dort wird ab dem 1. Juli 2026 bundesweit ein verpflichtender Hundeführerschein eingeführt. [4] In Berlin sind Halterinnen und Halter seit dem 1. Januar 2017 aufgefordert, sich bei der Aufnahme eines Hundes die notwendige Sachkunde anzueignen. Einige Städte setzen zusätzlich Anreize: In München gibt es nach bestandenem Hundeführerschein ein Jahr Hundesteuerbefreiung, in Mannheim zwei Jahre.

Ein verpflichtender Hundeführerschein hat einen weiteren Vorteil: Er kann Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit der Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt „angeschafft“ wurden. 

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.

Pressestelle/PETA Deutschland

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