Neue Analyse zeigt überdurchschnittliche Fertilität und hohes Mütteralter
Die demografische Entwicklung zählt zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Geburtenzahlen, das Fertilitätsniveau und das Alter der Mütter bei der Geburt. Eine aktuelle Analyse des im Hauptamt angesiedelten Sachgebiets Statistik und Stadtforschung der Stadt Ingolstadt mit dem Titel „Zeit für Nachwuchs? Geburtenentwicklung, Fertilität und Mütteralter im regionalen, nationalen und europäischen Vergleich“ zeigt, dass Ingolstadt in diesen Bereichen eine Sonderstellung einnimmt – in Bayern, bundesweit und europaweit.
Die Stadt zählt weiterhin zu den Kommunen mit den höchsten Geburten- und Fertilitätsraten und weist zudem eine besonders junge Bevölkerungsstruktur auf. In der Untersuchung werden die jüngsten demografischen Entwicklungen mit Daten der Region 10, bayerischen Großstädten sowie deutschen und europäischen Werten verglichen.
Geburtenentwicklung: Ingolstadt meist über dem Trend
Die Geburtenzahlen in Ingolstadt unterliegen, wie in Deutschland insgesamt, den bekannten demografischen Wellen. So prägten auch hier die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre das Bild. In den 1990er Jahren wurden erneut hohe Geburtenzahlen verzeichnet, allerdings bei einer deutlich größeren Bevölkerung als damals.
Für Vergleiche bezogen auf die Gesamtbevölkerung eignet sich die Bruttogeburtenziffer, also die Anzahl der Geburten pro 1.000 Einwohner. Seit 1972 zeigen Ingolstadt und die Landkreise der Region 10 ähnliche Trends: Einbruch in den 1970er Jahren, Anstieg in den 1980er Jahren, Rückgang nach 2000, erneute Erholung ab 2010 und sinkende Werte seit 2020.
Auffällig ist jedoch, dass Ingolstadt seit der Jahrtausendwende durchgehend höhere Werte aufweist als die umliegenden Landkreise. Auch im Vergleich mit anderen vergleichbaren bayerischen Großstädten gehört Ingolstadt zu den Spitzenreitern. Im Jahr 2024 lag die Stadt gemeinsam mit München auf Platz eins. Während die Geburtenrate überall sank, verzeichnete Ingolstadt mit ? 6,1 Prozent einen der geringsten Rückgänge.
Bayern, Deutschland und Europa: sticht heraus
Seit Ende der 1990er Jahre entwickeln sich die Geburtenraten in Ingolstadt und in ganz Bayern unterschiedlich. Während die Zahlen in ganz Bayern stark fielen, stabilisierte sich Ingolstadt auf einem höheren Niveau. Im Jahr 2024 lag die Stadt mit 10,3 Geburten pro 1.000 Einwohner erneut über den Werten aller bayerischen Regierungsbezirke. Auch im Bundesvergleich liegt Ingolstadt vorn und hat höhere Werte als jedes andere Bundesland, einschließlich Hamburg und Berlin. Besonders deutlich ist der Abstand zu den neuen Bundesländern, die durch individuelle historische Entwicklungen geprägt wurden.
Europaweit sinkt die Geburtenrate seit 2013 kontinuierlich – nicht so in Ingolstadt. Die Stadt erreichte 2018 und 2021 sogar kurzzeitig deutlich höhere Werte als der europäische Durch-schnitt, ehe die Zahlen wieder leicht zurückgingen.
Fertilität: Ingolstadt mit beständig hohem Niveau
Die zusammengefasste Geburtenziffer (TFR) gibt an, wie viele Kinder Frauen im Laufe ihres Lebens durchschnittlich bekommen. Ein Wert von 2,1 wäre notwendig, um die Bevölkerung ohne Zuwanderung stabil zu halten – davon ist ganz Europa weit entfernt.
In der Region 10 lag Ingolstadt im Jahr 2004 mit einem Wert von 1,57 deutlich über den umliegenden Landkreisen. Bis 2014 näherten sich die Werte einander an, später kehrte sich die Entwicklung jedoch erneut um. Ingolstadt bleibt auch hier häufig im Spitzenbereich. Im Jahr 2024 lag die TFR in der Region zwischen 1,45 und 1,56, wobei Ingolstadt einen der höchsten Werte erreichte.
Im Städtevergleich fällt Ingolstadt ebenfalls positiv auf. Während andere Großstädte teils zweistellige Rückgänge verzeichneten, sank die TFR hier in zehn Jahren nur um 3,2 %.
Auch im Vergleich mit Bayern und Deutschland zeigt sich ein ähnliches Muster: Ingolstadt liegt meist über dem Durchschnitt, mit einer deutlichen Spitze im Jahr 2018.
Europaweit ordnete sich die Stadt im Jahr 2023 in einer ähnlichen Kategorie wie Länder wie Kroatien, Belgien oder Nordmazedonien ein – deutlich über dem deutschen und leicht über dem europäischen Durchschnitt.
Mütteralter: Ingolstadt holt auf
Das Alter der Mütter bei der Geburt steigt seit Jahren – in ganz Europa und auch in Ingolstadt. Während die Ingolstädter Mütter 2004 noch vergleichsweise jung waren, liegt die Stadt inzwischen mit 32,1 Jahren fast auf dem Niveau der bayerischen und deutschen Durchschnittswerte.
Im Großstadtvergleich liegt Ingolstadt 2024 im Mittelfeld: Die Mütter sind jünger als in München (33,5 Jahre), ähnlich alt wie in Augsburg und Würzburg. Mit Blick auf die Regierungsbezirke in Bayern liegt die Stadt im oberen Drittel, jedoch unter Oberbayern, wo das höchste Durchschnittsalter gemessen wird.
Europaweit zählen Irland und Spanien zu den Ländern mit den ältesten Müttern. Mit 32,1 Jahren liegt Ingolstadt im oberen europäischen Drittel und damit knapp über dem deutschen Bundesdurchschnitt.
Warum unterscheidet sich Ingolstadt? Ursachen der Entwicklungen
Die besondere Geburtenentwicklung Ingolstadts lässt sich durch mehrere Faktoren erklären:
1. Junge Bevölkerungsstruktur
Im Vergleich zu Bayern, Deutschland und Europa hat Ingolstadt einen deutlich höheren Anteil an Personen zwischen 18 und 64 Jahren. Der Seniorenanteil ist niedrig, sodass die Stadt insgesamt jünger ist.
2. Hoher Anteil an Frauen im gebärfähigen Alter
Obwohl dieser Anteil überall sinkt, bleibt er in Ingolstadt stabiler und höher als in den Vergleichsgebieten.
3. Stadt-Land-Mischcharakter
Ingolstadt verbindet städtisches Leben mit ländlichen Strukturen – ein Faktor, der Einfluss darauf hat, dass sich die die Fertilität erhöht und das Mütteralter sinkt.
4. Migration und Bevölkerungszuwachs
Nach der Wiedervereinigung sowie durch Zuzüge in den 2010er Jahren wuchs Ingolstadt überdurchschnittlich. Junge Menschen kamen zum Studieren oder Arbeiten und blieben, um Familien zu gründen.
Fazit:
Ingolstadt nimmt seit den 1990er Jahren eine demografische Sonderrolle ein: Die Stadt ist jünger, geburtenstärker und familienfreundlicher als viele Vergleichsregionen. Sowohl die Bruttogeburtenziffer als auch die Fertilität liegen konstant über den Werten in Bayern, Deutschland und Europa. Gleichzeitig steigt das Mütteralter, jedoch nur moderat.
Die Rahmenbedingungen – wirtschaftlich wie gesellschaftlich – haben Ingolstadt zu einem attraktiven Standort für junge Familien gemacht. Auch wenn Ingolstadt aktuell vor großen Herausforderungen steht, ist diese demografische Dynamik kein Zufall, sondern das Ergebnis einer besonderen Kombination aus Bevölkerungsstruktur, Migration, Arbeitsmarktlage und Lebensqualität.
Der vollständige Bericht zur Geburtenentwicklung, Fertilität und Mütteralter ist auf der Website https://ingolstadt.de/Rathaus/Aktuelles/Zahlen-Daten/Berichte-Analysen/ verfügbar.
Pressestelle/Stadt Ingolstadt
