Im Zuge der aktuellen massiven Sparmaßnahmen der Stadt Ingolstadt wurde die Fahrrad-Reparaturstätte im Konradviertel eingestellt. Die Arbeit wurde beendet, obwohl die Räumlichkeiten als Fahrradwerkstatt fertig ausgestattet und eingerichtet sind.
Das Konradviertel gilt seit Jahren als sozial besonders belasteter Stadtteil. Viele Bewohnerinnen und Bewohner sind auf das Fahrrad als kostengünstiges Alltagsverkehrsmittel angewiesen und können sich Reparaturen in kommerziellen Fahrradgeschäften häufig nicht leisten.
„Wir halten diese Entscheidung für sozial wie verkehrspolitisch hoch problematisch und bitten die Stadt dringend, den Schritt vor einer Räumung der Werkstatt zu überdenken.“ so die ADFC Vorstandsmitglieder Uschi Feyrer-Ziob und Dr. Christoph Spaeth. „Die Reparaturstätte war extrem stark nachgefragt und wurde so gut angenommen, dass der Zugang zeitweise auf das Konradviertel beschränkt werden musste. Sie stellte einen niedrigschwelligen, würdevollen Zugang zu Mobilität, Sicherheit und Selbsthilfe dar.“
Gerade in einem sogenannten „Problemviertel“ war dieses Angebot ein konkreter, funktionierender Beitrag zu sozialer Teilhabe, klimafreundlicher Mobilität und Unfallprävention durch Vermeidung von defekten Fahrrädern, die oft nicht den Vorschriften der StVO entsprechen.
Besonders kritisch sieht der ADFC, dass bereits städtische Mittel in Ausstattung und Einrichtung geflossen sind. Durch die Schließung droht, dass diese Investitionen durch eine Räumung vollständig verloren gehen. Zudem wird ein erfolgreiches, stark genutztes Angebot ausgerechnet dort gestrichen, wo es am dringendsten benötigt wird. Sparen an funktionierenden, sozial wirksamen Projekten verschärft bestehende Probleme – es löst sie nicht.
Deshalb fordert der ADFC, die Räumung der Werkstatt umgehend auszusetzen und den Mietvertrag mit der GWG zumindest vorläufig aufrechtzuerhalten. Für den Bedarf der Reparatur-Werkstätte soll erneut eine politische Bewertung erfolgen unter Berücksichtigung ihrer sozialen und verkehrsrechtlichen Wirkung. Die Stadt soll gemeinsam mit Trägern, Stadtteilakteuren und zivilgesellschaftlichen Organisationen tragfähige Lösungen für einen Weiterbetrieb prüfen. „Der ADFC Ingolstadt ist ausdrücklich bereit, sich konstruktiv an Gesprächen zu beteiligen, um Wege zu finden, wie dieses Angebot, ggf. auch in angepasster Form, erhalten werden kann“ so der Vorstand des ADFC Ingolstadt.
Pressestelle/ADFC Ingolstadt–Uschi Feyrer-Ziob Vorsitzende ADFC Ingolstadt/Mitglied Landesvorstand ADFC Bayern
