Ein Besuch bei der Ingolstädter Berufsfeuerwehr
Von Beruf: Feuerwehrmann Teil 1
Josef Huber und Thomas Schimmer eint eine Berufung, die schon früh spürbar war. Beide begannen ihre Laufbahn bei der Freiwilligen Feuerwehr, beide fanden dann auch recht schnell zur Berufsfeuerwehr. „Wenn ich die Sirene hörte oder das Blaulicht und die roten Autos sah, wusste ich: Da will ich rein!“, erinnert sich Schimmer an seine Jugend. Heute ist er 50 Jahre alt, Brandamtsrat und Pressesprecher der Berufsfeuerwehr Ingolstadt. Huber, 53 Jahre alt, ist sein Chef und seit 2014 Leitender Branddirektor. Die Faszination, helfen zu können, hat sich bei beiden nie verloren – auch wenn sich ihr Arbeitsalltag heute stark voneinander unterscheidet.


Führungsverantwortung, Finanzen und 4000 Einsätze pro Jahr
Die Berufsfeuerwehr Ingolstadt zählt derzeit 161 Beschäftigte, darunter nur 3,7 Prozent Frauen. Ein Wert, den Huber gern deutlich erhöhen würde: „Ich wünsche mir mehr Frauen im Einsatzdienst – das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch des Teamgeistes.“ Der Altersdurchschnitt liegt bei 37 Jahren – ein Indikator für ein junges, einsatzstarkes Team.
Was viele nicht wissen: Der Feuerwehralltag ist nicht nur Blaulicht und Einsatzfahrten. Huber verbringt fast seine gesamte Arbeitszeit im Büro – mit Tabellen, Personalplanung und Kostenkontrolle. „Allein im ersten Halbjahr 2025 hatten wir 3000 Bestellungen für Verbrauchsmaterialien“, so Huber. Gesamtkosten: rund eine Million Euro. Viele Sicherheitsüberprüfungen und Wartungen werden intern erledigt, was nicht nur Geld, sondern auch wertvolle Zeit spart.
Im Einsatzbetrieb selbst registriert die Berufsfeuerwehr rund 4000 Einsätze jährlich, also etwa zehn pro Tag. Besonders in den Sommermonaten Juli und August häufen sich die Alarmierungen – aufgrund zunehmender Unwetterereignisse. Zu den häufigsten Einsatzarten im Jahr 2024 gehörten 257 Wohnungsöffnungen, 274 Alarmierungen durch Brandmeldeanlagen, sowie 157 Verkehrsunfälle. Dabei konnten 192 Personen gerettet werden. Huber und Schimmer betonen: Trotz der Routine bleibt jeder dieser Einsätze individuell – und kann unter Umständen über Leben und Tod entscheiden.


Die berühmte Katze auf dem Baum und was sonst noch alles kommt
Tiernotfälle gehören zum festen Repertoire. „Die Katze auf dem Baum? Die gibt es wirklich“, lacht Huber. Mehrfach pro Woche wird die Feuerwehr auch zu anderen tierischen Notlagen gerufen: Entenküken im Gulli, Bienenschwärme am Balkon oder gar ein Biber im Künettegraben. Die meisten dieser Einsätze sind kostenfrei – außer es handelt sich um private Tiere, deren Rettung dann mitunter verrechenbar ist.
Ein klassisches Winterphänomen sind vermeintlich festgefrorene Schwäne. Diese rasten lediglich auf dem Eis, sind aber nicht festgefroren. Wer dann mit Stöcken oder Steinen nachhelfen will, schadet mehr als er hilft: Die Tiere verlieren unnötig Energie – im schlimmsten Fall mit fatalen Folgen. „Manchmal ist Nichtstun der bessere Tierschutz“, erklärt Schimmer.
Wenn der Einsatz unter die Haut geht: Psychische Belastungen im Dienst
Nicht jeder Einsatz endet mit einem Lächeln. „Verkehrsunfälle mit Todesfolge oder Suizide auf Bahnstrecken – das sind Momente, die man nicht vergisst“, sagt Schimmer. Huber ergänzt: „Gerade Leichenbergungen sind nichts, woran man sich gewöhnt. Man lernt nur damit umzugehen.“ Die Grundausbildung vermittelt bereits Techniken zur emotionalen Stabilisierung. Dennoch: Bilder bleiben. Damit sie nicht unkontrolliert auftauchen, wird der bewusste Umgang trainiert – bis die Erinnerungen nur noch bei Bedarf präsent sind. Unterstützung kommt dabei auch von der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV). Speziell geschulte Kollegen, sogenannte Peers, beobachten das Verhalten im Team, sprechen Kollegen bei auffälligen Veränderungen direkt an – und helfen so, Langzeitfolgen zu verhindern. In besonders schweren Fällen kann diese Betreuung auch über längere Zeit in Anspruch genommen werden.
Fotos: IN-direkt/Hartmann