Wenig Barrierefreiheit auf Ingolstädter Festen und Märkten
Grüne Stadtratsfraktion mahnt eine Verbesserung der Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderung an
Seit 2017 gibt es in der Stadt Ingolstadt den Aktionsplan Inklusion. Unter dem Motto „Eine Stadt für alle“ sollen alle Menschen in Ingolstadt am gemeinsamen Leben teilhaben können, und zwar unabhängig von der Art der körperlichen oder geistigen Einschränkung. Zunächst wurde für den Aktionsplan Inklusion der Ist-Zustand erfasst. Das Ziel war dann, geeignete Maßnahmen zu finden, wie eine gleichwertige Teilnahme von Menschen mit Behinderungen am Leben in der Gemeinschaft gefördert werden kann. Dabei sollten die bestehenden Nachteile identifiziert und beseitigt werden.
„Bei den Festen und Märkten ist die barrierefreie Zugänglichkeit bislang jedoch hinter den Erwartungen zurückgeblieben“, hat Stadträtin Maria Segerer festgestellt. Sie bedauert, dass Menschen mit Behinderung oft auf Hilfe angewiesen sind, wenn sie den Christkindlmarkt, die Volksfeste oder und ähnliche Veranstaltungen in Ingolstadt besuchen möchten. Dabei sollte keine Ausgrenzung stattfinden und alle Einwohnerinnen und Einwohner gleichberechtigt an Kultur, Sport und Freizeit teilnehmen können. „Denn unsere Stadtfeste sind zentrale Orte der Begegnung und des sozialen Miteinanders“, so Segerer.
Die Fraktion von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN hat deshalb heute beantragt zu prüfen, wie die barrierefreie Gestaltung der Feste und Märkte in Ingolstadt verbessert oder gar erreicht werden kann.
Hier der gestellte Antrag an den Oberbürgermeister Dr. Michael Kern:
Barrierefreie Gestaltung von Festen und Märkten
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
im Aktionsplan Inklusion, den die Stadt Ingolstadt 2017 veröffentlicht hat, findet sich unter Punkt V. Kultur, Sport und Freizeit folgende Einleitung:
„Artikel 30 der UN-BRK fordert die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am kulturellen Leben sowie an Erholung, Freizeit und Sport. Kulturelles Material und die Orte kultureller Darbietungen sollen barrierefrei zugänglich sein.“
Diese barrierefreie Zugänglichkeit ist bei unserem Christkindlmarkt, bei den Volksfesten und ähnlichen Veranstaltungen leider nicht ausreichend gegeben. Menschen mit Behinderung benötigen für den Besuch häufig Unterstützung, weil sie mit vielfältigen Barrieren konfrontiert sind. So fehlt es z.B. generell an Orientierungshilfen und Informationen über barrierefreie Angebote. Marktstände sind meist nur über Stufen zu erreichen. Tische, an denen Essen und Getränke verzehrt werden können, sind zu hoch. Gekieste Wege sind nur mühsam befahrbar, Kabelbrücken stellen schwer überwindbare Hindernisse oder sogar Stolperfallen dar. Barrierefreie Sanitäranlagen sind entweder nicht vorhanden oder nicht ausreichend zugänglich, weil sie zusätzlich zugesperrt sind und dann auch keine Möglichkeit besteht, sie mit dem sog. Euroschlüssel zu öffnen. In den Festzelten gibt es keine geeigneten Tische für Rollstuhlfahrer*innen.
Die Stadtratsfraktion von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN stellt daher folgenden
Antrag:
1. Es wird geprüft, welche Möglichkeiten es gibt, unsere lokalen Feste und Märkte barrierefreier zu gestalten und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
2. Die Standbetreiber*innen, die Inklusionsbeauftragte und die Mitglieder des Inklusionsrates sind miteinzubeziehen.
Dabei sollten folgende Aspekte besonders betrachtet werden:
· Geeignete Parkmöglichkeiten
· Anfahrt und Zugang zum sowie Wege auf dem Gelände
· Erleichterungen für Menschen mit Sinnesbehinderungen
· Bedarfe an sanitären Anlagen
· Zugänge und Aufenthalt in Festzelten
· Erreichbarkeit und Nutzung von Ständen und des gastronomischen Angebots
· Angebot von Fahrgeschäften
Begründung
Unsere Stadtfeste sind zentrale Orte der Begegnung und des sozialen Miteinanders. Als Stadt Ingolstadt setzen wir uns für Inklusion und Teilhabe ein. Mit diesem Antrag wollen wir erreichen, dass alle Bürger*innen unabhängig von Mobilitäts- oder sonstigen Einschränkungen an diesen Veranstaltungen teilhaben und sie ungehindert und unbeschwert genießen können.
Als positive Beispiele für barrierefreie Christkindlmärkte können z.B. München (https://christkindlmarkt-muenchen.de/informationen/muenchner-christkindlmarkt-barrierefrei) oder Deggendorf (https://www.barrierefrei.bayern.de/gemeinsam-gestalten/gute-praxis/portraets-reportagen/zum-christkind-kommen-alle.php) genannt werden.
Mit freundlichen Grüßen
Maria Segerer
Barbara Leininger (Fraktionsvorsitzende), Christian Höbusch (Fraktionsvorsitzender), Agnes Krumwiede, Jochen Semle, Dr. Christoph Spaeth
Pressestelle/Bündnis90 Die Grünen